Rechts«rutsch» dank Finanzkrise
publiziert: Mittwoch, 21. Okt 2015 / 09:43 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 21. Okt 2015 / 15:25 Uhr
«L'état c'est moi», meinte Louis XIV in Versailles. «L'état n'existe plus» grinst Lloyd Blankfein von Goldman Sachs.
«L'état c'est moi», meinte Louis XIV in Versailles. «L'état n'existe plus» grinst Lloyd Blankfein von Goldman Sachs.

Das Ifo-Institut veröffentlichte am Montag eine Untersuchung von 800 Wahlen in über 20 Ländern. Was Smartvote und Medien nie erklären, ist schwarz auf weiss nachzulesen: Finanzkrisen erschüttern jede Demokratie. Egal wo, egal welches parlamentarische & demokratische System: Nach Finanzkrisen gewinnen Parteien ganz rechts aussen im Durchschnitt 30 Prozent mehr.

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Weiterführende Links zur Meldung:

Finanzkrise in der Wikipedia
Der Wikipedia-Artikel über die Finanzkrise. (Praktisch nicht editierbar)
wikipedia.de

Horkheimers Diktum: «Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen» bewahrheitet sich einmal mehr. Das für den Kapitalismus unverdächtige Ifo-Institut publizierte in diesen Tagen eine bemerkenswerte Studie. Finanzkrisen erschüttern das politische System dramatisch. Da die in «Not» geratenen Banken üblicherweise vom Staat gerettet werden oder gar pleite gehen, leiden die Menschen anschliessend jahre- bis jahrzehntelang unter Arbeitslosigkeit, Sparprogrammen, Rückgang des Wirtschaftswachstums. Die wirtschaftliche Misere provoziert ein oder zwei Jahre später, Zeichen politischer Unordnung: Demonstrationen, Strassenkämpfe und gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Regierten und Regierenden werden häufiger.

Jede Finanzkrise provoziert die Zerrüttung der Demokratie. Einige Demokratien überleben diese Erschütterung wie Japan seine Erdbeben, andere müssen sich auf jahrzehntelange Stagnation, Auswanderung der Jugend und eine unglaubliche Verarmung einstellen, siehe Griechenland. Alle Demokratien - so der Befund des Ifo - erleiden jedoch einen alarmierenden Rechtsruck: Naziparteien und Rechtspopulisten feiern Höchststand. Linksradikale Gruppierungen dagegen gewinnen nach einer Finanzkrise nur ganz wenige Wählerstimmen. Der Wahlerfolg von Syriza in Griechenland war einmalig und es dauerte ja auch nicht wirklich lange bis Tspiras das ursprüngliche Syriza-Programm in der Spree ersäufen musste.

Erstaunlich am Bericht von Ifo ist zudem, dass Wirtschaftskrisen, deren Auslöser strukturell sind, weniger Schockwirkungen für die Politik haben als die hausgemachten Finanzkrisen.

Was folgern also die - betreffend die Befürwortung des Kapitalismus - wirklich unverdächtigen Autoren?

Regulierungsbehörden und Zentralbanker haben eine enorme Verantwortung für die politische Stabilität. Deshalb ist es dringend, dass sie auch die Finanzmärkte beaufsichtigen: «Wer Finanzkrisen verhindert, verringert auch die Wahrscheinlichkeit eines politischen Desasters.»

Wer nach Deutschland schaut, den unsäglichen Auftritten der AfD bei Jauch lauscht, die Parolen der Pegida hört, die rechtsnationaltümliche Rhetorik einiger SVP-Exponenten über sich ergehen lässt, realisiert sofort: Hier sind grössere Kräfte am Werk, als der von den Experten verniedlichte «bürgerliche Rechtsrutsch.» Es sind historische Doku-Polit-Dramen, die sich unter den Verhältnissen der Entpolitisierung und der Quantifizierung statt der Qualifizierung der Demokratie, in immer schnelleren und radikaleren Ausmass ereignen. Und alle machen mit. Statt dass der «Rechtsrutsch» endlich im Zusammenhang mit Macht, Herrschaft, Bankenkrise, Medienkomplizenschaft diskutiert wird, versuchen die gängigen Experten, den «Rechtsrutsch» mit dem Verweis auf «Ängste», auf «Migration», auf «Stadt-Land» zu entschärfen. Dabei geht es um viel mehr. Nämlich um die vom Finanzkapitalismus provozierte und ständig wiederkehrende Unterwerfung von funktionierenden oder erst gerade entstehenden Demokratien.

PS: Der Wikipedia-Artikel zur «Finanzkrise seit 2007» gehört übrigens zum übelsten ideologischen Machwerk der häufig ideologischen Machwerken auf Wikipedia, das sich in politischen Kernthemen mehr und mehr zur Propagandastelle der Wallstreet, der US-amerikanischen Systems generell, der weissen Männerherrschaft und des Pentagons entwickelt. Es wäre schön, wenn wenigstens hier von einigen Nerds Gegensteuer geleistet werden könnte oder auch nur gewollt würde... siehe nebenstehenden Link.

Und bitte kein Hinweis, ich solle doch die Korrekturen anbringen, was ich immer wieder tue mit dem Resultat, nach stundenlanger Recherchearbeit mit völlig idiotischen Verweisen auf die «rechten» Erstautoren gelöscht zu werden.

(Regula Stämpfli/news.ch)

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Schwer verständlich
ist der Wahnsinn unserer Demokratie gerade nicht, denn es war schon so bei den alten Griechen, jeder schaut auf seinen Vorteil.
Wenn - wie wirklich im Tagi gelesen - ein junger Bürger unseres Landes sagt, er habe SVP gewählt, weil er sich nicht von den Brüsseler Bürokraten vorschreiben lassen will, wie er seine Ruebli anbauen soll, dann ist der Knick im Hirn derart offensichtlich, dass man die gesamte Misere des Kapitalismus darin erkennt.
Und das, was uns das IFO-Institut da vorhält, macht die Sache noch deutlicher: Jene, die den Finanzschlamassel anrichteten, jene, welche die ewig wiederkehrenden Krisen durch ihre einzige Sicht der Dinge, nämlich Profit = Lebensqualität, oder Regulierung der Märkte = Teufelswerk, ausgerechnet die profitieren von den Krisen, die Krisenverursacher sind die Krisengewinner. Wenn wir Menschen das zulassen, dann sind wir eben selbst daran schuld!
Schauen wir uns doch in Europa um, die Ungarn gewinnen mit ihrem Rechtspopulisten Orban gar nichts, die Polen verspielen mit der neuen rechten Regierung, was sie gerade gewonnen haben, (Die Börsen zeigen es deutlich an - Leute, kauft Shorts auf den PTX! Ihr werden reich werden, denn es ist Zeit, dass die Linken endlich einmal von den Rechten profitieren) Die Krisen in Spanien, Griechenland, Portugal, Irland und ganz besonders in Italien, alle von Rechten verursacht! Ein Schelm, der nun seine Schlüsse daraus zieht. Und einem Erzkonservativen haben wir die Flüchtlingsströme zu verdanken, denn den Irak hat der Bush zerschlagen, wo sich jetzt der IS austobt.
Aber um das geht es doch gar nicht, wir haben eben völlig verlernt, das Leben zu geniessen, besser, wir halten Reichtum und Gewinn für einzig Erstrebenswerte des Lebens, und diese Sinnleere, dieses gesteuerte Leben zwischen den Polen Rechts und Links und Arm und Reich, macht uns taub für alles, was den Menschen ausmachen würde, nämlich erspriessliches Zusammenleben.
Kriege, Flüchtlingsdramen, 6 Millionen Tode in den Minen des Kongos seit 1996, all das beruht auf der alles vernichtenden Habgier des Menschen. Und da treiben es die Rechten eben völlig gewissenlos. Wir haben in der Schweiz den grössten Rohstoffhandel der Welt, für uns schaut dabei nicht einem etwas Bemerkenswertes heraus. Weder Arbeitsplätze noch bemerkenswerte Steuereinahmen werden da geschaffen resp. generiert. Aber keiner der SVP, keiner der FDP würde sich dagegen diesen Massenmord erheben, keiner!
Ich kann nichts Ideologisches darin finden, wenn es Menschen gibt, die diesen mörderischen Kapitalismus in die Schranken weisen wollen, es sind die ewig Gestrigen, die den Kritiker oder Ankläger solcher Zustände in die linke Ecke abschieben, damit sie es ruhig so weitertreiben können.
Ganz sicher ist aber, dass wir von Rechts noch nie etwas Gutes erwarten konnten und auch nie zu erwarten haben werden. Wie irrsinnig das Ganze ist, sehen wir nicht nur an Erdogan, besonders deutlich ist das Putin auszumachen, ein Rechter, der das Linke Teufelsreich der Bolschewiken für den grössten Verlust des Abendlandes hält und mit einem mit Italien vergleichbaren Wirtschaftspotenzial im Rücken Weltpolitik auf Kosten seiner Bürger, die das auch noch noch gut finden, machen will. Kann die Menschheit eigentlich noch deutlicher zeigen, wo sie sich geistig befindet?
Leider aber ist die Demokratie des einzig mögliche System, das noch einigermassen die Kräfte zügelt. Auch das ist symtomatisch, die Rechte hält nichts von Demokratie, die ist ihr zu kompliziert, siehe Erdogan, dort würden wir jedenfalls auch landen, wenn diese unleidige SVP hier die Mehrheit hätte, was schon die geplante Abschaffung der Menschenrechte ziemlich deutlich macht!
Das Zeitalter des schweren asozialen neoliberalen Narzissmus
Wir nähern uns dem Ende des selbstzerstörerischen "Zeitalters des schweren asozialen neoliberalen Narzissmus", hoffentlich nicht demjenigen der Menschheit.

Maximal etwa 3% der Menschen sind wegen ihrer Empathiearmut untherapierbar verrückt respektive wahnsinnig. Etwa 97% von uns haben durch unsere Empathie das Potenzial, zivilisierte fair kooperierende Menschen zu sein und sind bloss insofern verrückt respektive wahnsinnig, als wir unser Potenzial nicht ausschöpfen und den von den "Psychopathen" der Welt als "Pathokratie" übergestülpten unmenschlichen wahnsinnigen Destruktivismus als menschlich und deshalb für unveränderlich erachten und ihr unfaires Spiel selber mitspielen.

Die "Linken" und die "Rechten" wehren sich grossmehrheitlich konstruktiv respektive destruktiv gegen dasselbe, gegen den global abgehobenen entfesselten Raubtierkapitalismus. Erstere haben dies grossmehrheitlich noch nicht realisiert, letztere haben grossmehrheitlich noch nicht erkannt, dass deren Führer in Wahrheit selber ausschliesslich eigeninteressiert denken und handeln. Dies ist in den USA (Sanders und Trump) nicht anders als in der EU ("die Linke" und AfD) und in der Schweiz (SP / Grüne und SVP).

Anstatt den anderen selbstherrlich zu entwerten, könnte man vielleicht einmal vertieft miteinander reden bevor man im ewig gleichen "divide et impera" wieder denselben auf den Leim und auch physisch genauso aufeinander los geht wie vor bald 100 Jahren.

Die dazwischen Liegenden sollten sich gut überlegen, ob sie nicht doch endlich aus ihrer induzierten moralischen und kognitiven Dauernarkose aufwachen möchten.
Eigentlich...
...wollte doch die Schreiberin sicherlich etwas ganz Böses über die SVP und die Parlamentswahlen vom letzten Wochenende schreiben. Stimmt's? Nun wird das Ganze in einen halbwegs unverdächtigen Kontext gepackt. Klar, möglicherweise ist das im internationalen Vergleich erfolgte "Rechtsrutschlein" entscheidend für die Mehrheitsverhältnisse im Nationalrat. Falls man der CVP unterstellt, sie habe in den letzten Jahren eher linke Politik unterstützt. Mehr aber auch nicht.
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