Redeschlacht zwischen Royal und Sarkozy unentschieden
publiziert: Donnerstag, 3. Mai 2007 / 07:12 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 3. Mai 2007 / 07:36 Uhr

Paris - Das TV-Duell der beiden französischen Präsidentschaftskandidaten Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy ist am Mittwochabend laut Experten ohne Sieger ausgegangen. Die beiden Politiker lieferten sich eine rund dreistündige Redeschlacht.

Ségolène Royal verspricht ein friedlicheres Frankreich.
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«Ich denke nicht, dass einer der beiden das jeweils andere Lager überzeugen konnte», sagte etwa die Politik-Kommentatorin Anita Hausser von LCI TV. Sowohl die Sozialistin Royal als auch der bürgerliche Favorit Sarkozy hätten in erster Linie ihre jeweils eigene Wählerschaft erreicht.

Es habe zwei Gewinner gegeben, sagte der in Frankreich bekannte Wahlexperte Christophe Barbier vom Nachrichtenmagazin «L'Express». Keiner der Kandidaten sei dem anderen in die Falle gegangen. Sarkozy habe sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und Royal habe es geschafft, nicht inkompetent rüber zu kommen.

Beide hätten vor allem ihre eigene Wählerschaft überzeugt, sagte der Kommunikationsexperte Thierry Vedel. «Es ist sinnlos, nach dem Gewinner zu fragen - wer für Sarkozy ist, wird ihn zum Sieger erklären und umgekehrt».

Kein Ausrasten

Der Politologe Philippe Braud bescheinigte beiden Kandidaten, die Klischees erfolgreich überwunden zu haben: «Ségolène Royal durfte nicht inkompetent wirken, Nicolas Sarkozy nicht ausrasten - das ist beiden gelungen».

Nach Auffassung des langjährigen Wahl-Beobachters Didier Maus dominierten innenpolitische Themen die Debatte: «Dies ähnelte eher der Debatte eines Superregierungschefs als eines Staatschefs mit gesellschaftlichen Visionen».

Allgemeiner Rechtsrutsch

Er sah zudem in dem Duell den allgemeinen Rechtsrutsch während des bisherigen Wahlkampfs bestätigt - «mit einem Nicoas Sarkozy, der rechter ist als Jacques Chirac und einer Ségolène Royale, die rechter ist als Lionel Jospin», dem früheren Premierminister und Präsidentschaftskandidaten der Sozialisten.

Vertreter der jeweiligen Lager erklärten ihre Kandidaten freilich zum Sieger. «Das wird sich gut auswirken und Leute, die bisher zögerten, dazu bringen, noch einmal nachzudenken», sagte Jean-Marc Ayrault, einer der führenden Sozialisten.

Royal mit scharfen Angriffen

Im Fernsehduell griff Royal den bürgerlichen Favoriten Nicolas Sarkozy scharf an. Sarkozy sei als früherer Innen- und Finanzminister der scheidenden konservativen Regierung mit verantwortlich für die hohe Arbeitslosigkeit und den Anstieg der Strassenkriminalität, sagte Royal während des einzigen live übertragenen Aufeinandertreffens der Kandidaten.

Zuvor hatte Sarkozy nahezu die Rolle des Oppositionsführers angenommen.

«Wir können nicht weiterhin eine Politik wie zuvor betreiben», sagte der Konservative zu Beginn der Debatte - für Royal die vielleicht letzte Chance, den Vorsprung Sarkozys aufzuholen.

Sarkozy vor Royal

Umfragen, die kurz vor dem Duell erhoben wurden, sahen Sarkozy in der Stichwahl am Sonntag mit 52 Prozent weiter vor Royal. Die Sozialistin käme demnach auf 48 Prozent. Es wurde erwartet, dass sich etwa die Hälfte der 44,5 Millionen französischen Wähler die Fernsehdebatte anschauten.

Der monatelange Wahlkampf war in weiten Teilen stark von den Persönlichkeiten der beiden Kandidaten geprägt. Dennoch hatten die Franzosen bislang kaum Gelegenheit, Royal und Sarkozy bei einem direkten Aufeinandertreffen zu vergleichen.

Der frühere Präsident Valery Giscard d'Estaing, der 1974 mit dem legendären Satz, Mitterand habe kein Monopol des Herzens, seinen Herausforderer Francois Mitterand in einer TV-Debatte in den Schatten stellte, erwartet auch im Jahr 2007 viel von dem Duell.

Von Sieg überzeugt

«Ich denke, es wird entscheidend sein», sagte er vor Beginn der Sendung. Unter Verweis auf damals sagte er: «Ich denke, dass ich wegen der Debatte gewählt wurde.»

Sarkozy wird von seinen Anhängern vor allem für seine harte Haltung bei den Themen Kriminalität und illegale Einwanderung geschätzt. Viele Linke dagegen fürchten ihn genau deswegen und halten seine Autorität für gefährlich.

Royal, die als erste Präsidentin Frankreichs in die Geschichte eingehen will, bietet den Franzosen eine Mischung aus linksgerichteter Wirtschaftspolitik und traditionellen sozialen Werten.

(ht/sda)

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