Wahl des Expertenrats
Reformer haben in Teheran Nase vorn
publiziert: Samstag, 27. Feb 2016 / 16:29 Uhr
Hassan Ruhani liegt bei der Wahl vorne.
Hassan Ruhani liegt bei der Wahl vorne.

Teheran - Bei der Wahl zum iranischen Expertenrat, dem wichtigsten religiösen Gremium des Landes, liegen die beiden Spitzenkandidaten der Reformer klar vor den Hardlinern.

5 Meldungen im Zusammenhang
Laut Angaben des Innenministeriums vom Samstag führen der ehemalige Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani und Präsident Hassan Ruhani in der Liste für die Hauptstadt Teheran. Das Top-Trio der Hardliner mit den Ajatollahs Ahmad Dschannati, Mohammed Jasdi und Mesbah Jasdi liege abgeschlagen auf den Plätzen 10, 12 und 16.

In Teheran werden 16 Kleriker für den Expertenrat gewählt, der für die Ernennung des obersten Führers des Staates zuständig ist. Der Rat mit 88 Mitgliedern befasst sich zwar nicht mit aktuellen politischen Themen, aber ein Sieg von Rafsandschani und Ruhani würde den Einfluss des erzkonservativen Klerus im Lande stark reduzieren.

Noch kein klarer Trend

An der Parlamentswahl hatten sich rund 60 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Laut Innenministerium hatten 33 von 55 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

Gegen Mittag lagen die ersten Auszählungsergebnisse vor. Daraus ergab sich kein klarer Trend für die Vergabe der 290 Mandate: Acht Sitze gingen an Konservative, vier an Reformer, acht an Unabhängige.

Das Lager von Präsident Hassan Ruhani ging mit der Hoffnung auf eine Stärkung seines moderaten Kurses in die Wahl. 4844 Kandidaten, darunter knapp 500 Frauen, waren zugelassen. «Auf jeden Fall werden weniger rechte Hardliner im nächsten Parlament sein», sagte der iranische Experte Said Lailas. «Es wird für sie nicht einfach.»

Die Mandate im Parlament werden für vier Jahre vergeben, die Mandate im Expertenrat für acht Jahre. Womöglich werden die Mitglieder des Expertenrats in den kommenden acht Jahren einen Nachfolger des 76-jährigen Chamenei zu bestimmen haben.

Vor allem Reformer ausgeschlossen

Der konservative Wächterrat hatte von den ursprünglich mehr als 12'000 Kandidaten bei der Parlamentswahl rund 60 Prozent ausgeschlossen. Vom Ausschluss waren vor allem Kandidaten aus dem Lager der Reformer betroffen.

Die verbliebenen Kandidaten aus diesem Lager verbündeten sich mit den Moderaten und gründeten die Liste «Hoffnung». Dieses Bündnis wurde vom früheren Vize-Präsidenten Mohammed Resa Aref angeführt. Die Ex-Präsidenten Mohammed Chatami und Rafsandschani riefen zur Wahl der Kandidaten aus dem Lager Ruhanis auf, um dem «Extremismus» entgegenzutreten.

2012 hatte die Wahlbeteiligung landesweit einen Wert von 64,2 Prozent erreicht, in Teheran waren es 48 Prozent. Wenn in einem Wahlkreis in der ersten Runde kein Kandidat eine absolute Mehrheit erringt, gibt es eine Stichwahl. Dafür wurde zunächst kein Datum festgelegt.

Unklarer Einfluss des Atomabkommens

Unklar war, in welchem Ausmass die jüngste Einigung über das iranische Atomprogramm den Wahlausgang im Iran beeinflussen würde. Nach jahrzehntelangem Streit war im Januar das historische Atomabkommen zwischen dem Iran und den UNO-Vetomächten sowie Deutschland in Kraft getreten. Der Westen hob daraufhin seine Sanktionen gegen das Land auf.

Das Parlament, das seit 2004 von den Konservativen dominiert ist, hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Reformen blockiert oder - wie im Fall der Atomverhandlungen - Ruhanis Politik zu hintertreiben versucht.

Am Tag der Parlamentswahl bescheinigte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) Teheran die Einhaltung des Atomabkommens. Im ersten IAEA-Bericht seit dem Inkrafttreten des Abkommens am 16. Januar hiess es unter anderem, der Iran habe über das erlaubte niedrige Niveau hinaus kein Uran angereichert. Er habe auch den Bau des Schwerwasserreaktors Arak nicht fortgesetzt.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Teheran - Bei den Wahlen im Iran haben die Gemässigten und Reformer um Präsident Hassan Ruhani laut amtlichem ... mehr lesen
Rafsandschani wird mit grosser Wahrscheinlichkeit die Leitung des Rats übernehmen. (Archivbild)
Teheran - Bei der Parlamentswahl im Iran haben die Reformer und Gemässigten um ... mehr lesen
Teheran - An den Parlamentswahlen im Iran haben sich gut 58 Prozent der 55 Millionen Wahlberechtigten beteiligt. Dies ... mehr lesen
Die Ergebnisse aus Teheran sind noch nicht bekannt.
Teheran - Bei der von den Reformern mit grossen Hoffnungen verbundenen Parlamentswahl im Iran zeichnet ... mehr lesen
Teheran - Im Iran hat am Freitagmorgen die Parlamentswahl begonnen. Die Abstimmung gilt als erster politischer Stimmungstest ... mehr lesen
Die Iraner gehen an die Urne. (Symbolbild)
Hillary Clinton sieht sich als Kandidatin.
Hillary Clinton sieht sich als Kandidatin.
Vorbereitung auf Präsidentschaftswahl  Washington - Im erbittert geführten Vorwahlkampf der US-Demokraten wird es wohl keine weitere Fernsehdebatte zwischen den Kontrahenten Hillary Clinton und Bernie Sanders geben. Clinton habe eine entsprechende Einladung des Senders Fox News ausgeschlagen. 
Knapper Sieg in Kentucky für Clinton Frankfort - Im US-Vorwahlkampf setzt der demokratische Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders der Favoritin Hillary Clinton weiter zu. ...
Österreich  Wien - Der Wahlkrimi in Österreich ist entschieden: Der frühere Grünen-Chef Alexander Van der Bellen hat die Bundespräsidentenwahl knapp ...   1
Netter Onkel statt harter Rechter: Alexander Van der Bellen ist neuer Bundespräsident in Österreich.
Enges Rennen um Präsidentenamt in Österreich Wien - Bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich hat es wegen eines praktischen Gleichstands keinen ... 1
Der von den Grünen unterstützte Van der Bellen hatte in den ORF-Hochrechnungen am Abend einen minimalen Vorsprung von rund 4000 Stimmen.
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3932
    Der... Grund für die Misere liegt ganz woanders und ist im Prinzip sehr ... gestern 11:04
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3932
    "Flüchtlingslager-Räumung" Gut für die Einwohner von Idomeni, die nun bald ihr Leben, ihre ... gestern 10:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1760
    Im letzten Moment die Kurve gekriegt! Den Oesterreichern herzlichen Glückwunsch! Unter den Rechten gehts ... Mo, 23.05.16 18:01
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3932
    R. Erdogans... Berater Burhan Kuzu sandte bereits am 10. 5. 2016 eine Drohung gen EU, ... Mo, 23.05.16 17:21
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3932
    In... Syrien gibt es einen Krieg im Krieg. Es herrscht in Syrien schon lange ... Mo, 23.05.16 15:16
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3932
    Das... war nur eine weitere Gelegenheit für Herrn A. Mazyek, sich wichtig zu ... Mo, 23.05.16 14:37
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3932
    Wenn... die Türkei sich nicht an die Abmachungen hält, gibt es keine ... Mo, 23.05.16 11:44
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3932
    Dieses... Wahlergebnis spiegelt vor allem die in fast allen westlichen ... Mo, 23.05.16 10:39
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 9°C 14°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Basel 10°C 15°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
St. Gallen 7°C 11°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Bern 7°C 14°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 8°C 14°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Genf 8°C 16°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Lugano 10°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten