Regierungskrise in Libanon reisst alte Wunden auf
publiziert: Dienstag, 23. Jan 2007 / 19:04 Uhr

Kairo - Schon wieder hängen schwarze Qualmwolken über Beirut. Auch im vergangenen Sommer war die libanesische Hauptstadt nach israelischen Luftangriffen auf die südlichen Schiiten-Vororte Beiruts in einen schmutzig-schwarzen Schleier gehüllt.

Schon wieder hängen schwarze Wolken über Beirut.
Schon wieder hängen schwarze Wolken über Beirut.
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Diesmal sind es die brennenden Autoreifen der Regierungsgegner, die ihre Unheil verkündenden Rauchsignale über die Stadt schicken. Denn so friedlich wie der seit Wochen andauernde Sitzstreik vor dem Regierungsgebäude ist dieser von den Parteien wohl kalkulierte und präzise gesteuerte Wutausbruch der Demonstranten nicht.

Die brennenden Reifen, die Menschenketten und Schrottautos blockieren wichtige Zufahrtstrassen. Damit will die von der schiitischen Hisbollah angeführte Oppositionsbewegung sicherstellen, dass auch diejenigen nicht zur Arbeit fahren können, die sich dem von ihr ausgerufenen Generalstreik nicht anschliessen wollen.

Auf einigen Strassen kommt es zu Prügeleien zwischen Libanesen, die loyal zur Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora stehen, und Anhängern der pro-syrischen Opposition. Steine fliegen. Der Schulunterricht fällt aus. Staatsdiener, Geschäftsinhaber und Angestellte kommen nicht zur Arbeit.

Konflikt zwischen Christen-Fraktionen

Besonders erbittert geht es in Beiruts nördlichem Vorort Dschunije zur Sache, wo sich die Anhänger der beiden christlichen Politiker Michel Aoun und Samir Geagea gegenüberstehen.

Wie viele Politiker, die sich derzeit an der Auseinandersetzung zwischen der Regierung und den Unterstützern Syriens, beteiligen, so haben auch Ex-General Aoun und der frühere Milizenführer Geagea keine weisse Weste.

Geagea musste wegen der ihm angelasteten Verbrechen während des libanesischen Bürgerkrieges (1975-1990) ins Gefängnis. Der nun auf der Seite der pro-syrischen Kräfte stehende Aoun kam ironischerweise erst nach dem Abzug der Syrer aus dem Libanon 2005 aus dem Exil zurück.

Zwar reisst der Konflikt zwischen den verschiedenen Christen-Fraktionen bei vielen Libanesen alte Wunden auf. Doch ist er letztlich nur ein Nebenschauplatz.

Verhältnis zu Syrien Hauptstreitpunkt

Hauptstreitpunkt zwischen Regierung und Opposition ist die Frage, wie künftig das Verhältnis zur einstigen Schutzmacht Syrien aussehen soll. Letztlich hängt vieles davon ab, wie die Auseinandersetzung um die Aufklärung der Morde an dem früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri und anderen anti-syrischen libanesischen Politikern weitergeht.

Arabische Diplomaten, die davon überzeugt sind, dass die Syrer bei den Attentaten ihre Finger mit im Spiel hatten, sollen in den vergangenen Monaten versucht haben, einen «Handel» zu organisieren.

Dabei hätte der syrische Präsident Baschar al-Assad sein Gesicht wahren können, wenn er gleichzeitig versprechen würde, die Libanesen künftig in Ruhe zu lassen und Washington im Kampf gegen die Aufständischen im Irak zu unterstützen.

Nach inoffiziellen Berichten soll dieser Versuch jedoch fehlgeschlagen sein, weil Assad den Handel angeblich abgelehnt hat.

(Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa/sda)

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