Rekordpreis für Öl löst keine Rezession aus
publiziert: Donnerstag, 3. Jan 2008 / 18:15 Uhr

Bern - Die Schweiz dürfte die jüngste Ölpreis-Rekordmarke verdauen. Der Sprung auf 100 Dollar pro Fass am Mittwoch vermag weder Analysten noch Wirtschaftsvertreter richtig aufzuschrecken, denn er alleine treibt die Wirtschaft nicht in die Rezession.

Auch in Zukunft ein kostbares Gut: Rohöl.
Auch in Zukunft ein kostbares Gut: Rohöl.
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Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse rechnet höchstens mit einem leicht negativen, direkten Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft. «Ölpreise sind zwar kostentreibend und können sich über teureres Heizöl auf die Mieten auswirken», sagt Chefökonom Rudolf Minsch. Doch die Energieabhängigkeit der Unternehmen sei weniger gross als noch vor Jahrzehnten.

In den 70er Jahren hatten die beiden Ölpreisschocks die Industrieländer noch tief getroffen: In den USA schwoll die Inflation auf zweistellige Werte an, die Arbeitslosigkeit schoss in die Höhe. Heute sprechen viele Experten allenfalls von einer Wachstumsbremse, und nicht mehr von einem Wachstumskiller.

«Die Wirtschaft ist heute flexibler als noch in den 70er Jahren», sagt auch Erdal Atukeren, Analyst bei der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich. Anders als bei der ersten und folgenschweren Ölkrise 1973 sei die Produktionsstruktur heute anders. Auch er verweist auf die Abhängigkeit von Erdöl, die sich vermindert habe.

Würde sich hingegen zum hohen Ölpreis weitere Faktoren - etwa eine sich verschärfende US-Hypothekenkrise - gesellen, wäre gemäss Economiesuisse die Schweizer Exportindustrie betroffen. Eine Rezession schiene dann nicht mehr ausgeschlossen.

Preis bis 200 Dollar

Die KOF rechnete in ihren Winterprognosen vom vergangenen Dezember mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 85 Dollar pro Fass. Weitere Steigerungen seien möglich, momentan allerdings schwierig zu beziffern.

Das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hingegen rechnet nicht damit, dass der Preis des schwarzen Goldes auf einem Niveau von 100 Dollar verharren wird. In fünf Jahren seien 150 Dollar wahrscheinlich, in zehn Jahren gar eine Verdoppelung.

Die momentane Hausse ist einerseits getrieben von Spekulationen und von einer wachsenden Nachfrage, vor allem aus Asien. China ist derzeit hinter den USA der zweitgrösste Energieimporteur weltweit und wird die Vereinigten Staaten kurz nach dem Jahr 2010 überholen, wie die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert.

Der schwache Dollar macht Ölkäufe billiger für Käufer mit stärkeren Währungen wie etwa dem Euro, was die Nachfrage ebenfalls anheizt.

Politische Spannungen als Treiber

Weiter gefährden politische Spannungen in wichtigen Ölförderländern die Produktion. Pakistan steht nach dem Mord an der Oppositionsführerin Benazir Bhutto vor einer ungewissen Zukunft. In Nigeria, Afrikas grösstem Ölexporteur, ringen Rebellengruppen um die Kontrolle der Förderregionen.

Kenia wird von blutigen Unruhen erschüttert. Die anhaltenden Militäraktionen der Türkei gegen PKK-Rebellen im Nordirak bedrohen auch dort die Ölproduktion. Hinzu kommen veraltete Anlagen in Ländern wie dem Iran, Irak oder Nigeria.

(Lucia Theiler/sda)

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