Religionsfrieden in der Schweiz
publiziert: Donnerstag, 28. Dez 2006 / 08:26 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 28. Dez 2006 / 20:00 Uhr

Bern - Das Fremde weckt Ängste und verspricht Bereicherung. Zwischen Abwehr und gelungenem Miteinander bewegen sich die Landesteile im Umgang mit muslimischen Gemeinschaften. Der Kebab ist anerkannt, bei Minaretten aber schwillen Halsadern an.

Der Kebab ist anerkannt, doch die Angst vor dem Fremden bleibt.
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Die Städte Zürich und Genf kennen die orientalisch anmutenden Türme seit einigen Jahren. Nun gibt es Projekte in Wil SG, Langenthal BE und Wangen bei Olten SO. Die muslimischen Gemeinschaften in der Deutschschweiz wollen die Garagen, Keller oder Industriebauten verlassen, in denen die Gläubigen heute zumeist beten.

Dagegen regt sich Widerstand. «Es geht um den sozialen Frieden», sagt der Berner SVP-Grossrat Thomas Fuchs. Der Politiker ist überzeugt, dass Bauten wie Minarette darauf abzielen, die Gesellschaft zu islamisieren.

Risiko: Mehr Fundamentalismus

Muslime bräuchten keine Minarette, um zu beten, sagt Fuchs. Gestatte man solche Bauten, bestehe das Risiko, dass sich religiöser Fundamentalismus und dessen Gefahren vermehrten.

Um dies zu verhindern, brauche es die Integration, widerspricht Ismail Amin, der die Vereinigung islamischer Organisationen in Zürich (VIOZ) präsidiert. Die rund 350 000 Muslime in der Schweiz sollten aus seiner Sicht ihre Religion würdig ausüben dürfen. Es sei falsch zu glauben, Minarette seien ein Ausdruck von Stärke.

Kulturell nicht integriert

Muslime arbeiten und zahlen Steuern wie jedermann, sagt der Berner Soziologe Farhad Afshar. Der Vize-Präsident der Koordination islamischer Organisationen Schweiz (KIOS) verweist darauf, dass viele muslimische Zuwanderer allein damit beschäftig seien, sich eine Existenz zu verschaffen. Die Folge: Sie seien kulturell nicht integriert.

Der Islam muss laut Afshar seine gesellschaftliche Randständigkeit verlassen, das Gespräch mit anderen religiösen Gemeinschaften und der Gesellschaft suchen. Er plädiert für einen der lokalen Realität angepassten Islam mit selbst ausgebildeten Imanen. Er schlägt vor, eine Fakultät für islamische Theologie einzurichten.

(fest/sda)

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