Bundesrat stellt «Strategie Antibiotikaresistenzen» vor
Resistente Bakterien: Gefahr für die öffentliche Gesundheit
publiziert: Montag, 15. Dez 2014 / 18:12 Uhr
Je mehr Infektionserkrankungen verhindert werden könnten, umso weniger Antibiotika müssen zur Therapie eingesetzt werden.
Je mehr Infektionserkrankungen verhindert werden könnten, umso weniger Antibiotika müssen zur Therapie eingesetzt werden.

Bern - Das Risiko, an einer Lungenentzündung oder an einem einfachen chirurgischen Eingriff zu sterben, steigt ständig. Ursache sind resistente Bakterien, gezüchtet durch massenhaften und unsachgemässen Einsatz von Antibiotika. Nun schlagen die Bundesbehörden Alarm.

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Die zuständigen Bundesräte Alain Berset und Johann Schneider-Ammann stellten deshalb die «Strategie Antibiotikaresistenzen» vor. Oberstes Ziel des Massnahmenpakets ist es, die Wirksamkeit von Antibiotika für Mensch und Tier langfristig zu erhalten.

Die Strategie setzt bei der Überwachung des Antibiotika-Einsatzes und der Entwicklung von Resistenzen an. In der Humanmedizin werden heute zwar Resistenzdaten gesammelt. Unbekannt ist aber beispielsweise, wie viele Menschen in der Schweiz jedes Jahr an resistenten Erregern sterben.

Auch die in der Tiermedizin erhobenen Daten sind lückenhaft. In beiden Bereichen sollen daher die Überwachung ausgebaut und die Daten systematisch und vergleichbar erfasst werden.

Infektionen vermeiden

Ein weiterer Ansatz ist die Prävention. Je mehr Infektionserkrankungen verhindert werden könnten, umso weniger Antibiotika müssen zur Therapie eingesetzt werden, heisst es im Entwurf zum Strategiepapier. Vermeiden lassen sich Infektionen etwa durch Hygienemassnahmen im Spital oder mit einer optimierten Tierhaltung in der Landwirtschaft.

Auch der unsachgemässe Einsatz von Antibiotika soll eingedämmt werden. Die Rede ist von verbindlichen Richtlinien zu Verschreibung, Abgabe und Anwendung von Antibiotika.

Zudem sollen neue diagnostische Methoden entwickelt werden, um bakterielle rasch Erkrankungen erkennen und von viralen Infekten unterscheiden zu können. Fachleute und Bevölkerung sollen für die korrekte Anwendung von Antibiotika sensibilisiert werden.

Behandlung als Teufelskreis

Resistente Bakterien entstehen durch Mutationen oder durch den Austausch von Resistenzgenen. Überleben einzelne Erreger eine Antibiotikabehandlung und vermehren sich, entsteht ein resistenter Stamm.

Dieser wird mit alternativen Antibiotika bekämpft, der Teufelskreis beginnt: Je mehr Antibiotika eingesetzt werden, umso mehr resistente Erreger entwickeln sich und umso rascher breiten sie sich aus

Nicht nur der Mensch, auch die Massentierhaltung ist eine Brutstätte für resistente Keime. Allein in der Schweiz werden in der Nutztierhaltung jährlich zwischen 50 und 60 Tonnen Antibiotika eingesetzt.

Problematisch sind beispielsweise MRSA-Erreger, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können und gegen die herkömmliche Therapien versagen. Blutvergiftungen, Haut- oder Lungenentzündungen können so zur tödlichen Gefahr werden.

Alarmierende Resistenzraten hat die Weltgesundheitsorganisation WHO auch bei Pneumokokken, dem Darmbakterium Escherichia coli oder Neisseria gonorrhoea, dem Auslöser von Tripper, festgestellt.

In der EU sterben nach Schätzungen jährlich rund 25'000 Menschen an antibiotikaresistenten Erregern. Angesichts dieser Entwicklung warnte Keiji Fukuda, stellvertretender WHO-Direktor für Gesundheitssicherheit, im April in Genf vor der «Nach-Antibiotika-Ära».

(fest/sda)

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