Antibiotika
Resistente Keime bevölkern den Genfersee
publiziert: Donnerstag, 22. Mrz 2012 / 11:33 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 22. Mrz 2012 / 12:53 Uhr
Der Genfersee.
Der Genfersee.

Dübendorf/Lausanne - Wasserforscher haben im Sediment des Genfersees erhöhte Mengen von Keimen gefunden, die gegen zahlreiche Antibiotika resistent sind. Dieses Reservoir erhöht das Risiko, dass das gefährliche Erbgut über kurz oder lang auch in menschliche Krankheitserreger gelangt.

6 Meldungen im Zusammenhang
Bakterien, die gegen zahlreiche Antibiotika unempfindlich geworden sind, gelten als eine der grössten Gefahren in der heutigen Medizin. Patienten mit solchen Erregern lassen sich oft nur noch schwer oder gar nicht mehr behandeln. Harmlos scheinende Infektionen können so plötzlich lebensbedrohlich werden.

Eine Studie des Wasserforschungsinstituts Eawag zeigt nun, dass solche Keime mit dem Siedlungsabwasser - vor allem aus Spitälern - in grossen Mengen in Gewässer gelangen. Die Wissenschaftler um den Mikrobiologen Helmut Bürgmann untersuchten dazu den Abwasserfluss der Stadt Lausanne, der - gereinigt - in den Genfersee geleitet wird.

Verseuchte Spitalabwässer

Insbesondere im Abwasser des Lausanner Universitätsspitals fanden die Forscher eine hohe Zahl von multiresistenten Keimen, wie die Eawag am Donnerstag mitteilte. Das war zu erwarten gewesen, denn Spitäler sind naturgemäss eine Hochburg besonders gefährlicher Krankheitserreger.

Die Kläranlage der Stadt entfernt zwar über drei Viertel aller Bakterien aus dem Abwasser. Doch die Forscher fanden heraus, dass im gereinigten Abwasser der Anteil an besonders resistenten Stämmen erhöht ist: Diese Bakterien scheinen den Reinigungsprozess besonders gut zu überstehen.

Die Folge: Die Menge an multiresistentem Antibiotika-Erbgut ist im Genfersee erhöht - vor allem im Sediment in der Nähe jener Stelle, an der das gereinigte Abwasser eingeleitet wird. Damit vergrössert sich das Risiko, dass die Resistenzgene über kurz oder lang den Weg zurück finden in menschliche Krankheitserreger.

«Kein Grund zur Panik»

Das kann bereits im See geschehen oder im menschlichen Körper, wenn die Gensequenzen für Antibiotikaresistenz ins Trinkwasser gelangen. Laut den Forschern schützen solche Resistenzen die Bakterien nicht nur gegen Medikamente sondern oft auch vor anderen Substanzen wie Schwermetallen oder Desinfektionsmitteln.

Für Nadine Czekalski, Erstautorin der im Fachblatt «Frontiers in Antimicrobials, Resistance and Chemotherapy» erschienenen Studie, sind die Befunde aber «kein Grund zu Panik», wie es im Communiqué heisst. In der Nähe einer Trinkwasserfassung drei Kilometer vom Kläreinlauf entfernt, fanden sich zwar Multiresistenzen im Sediment aber keine im Seewasser.

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Dschungelbuch Mit: «Der regelmässige Verzehr von Fleisch ist also Selbstmord auf Braten» oder «Fleisch soll ungesund sein? Das muss ich erst verarbeiten!» machen sich Roli Marti und andere auf #Wurstgate lustig über die ... mehr lesen
Was ist wohl gefährlicher: Die Grillwurst oder das multiresitente Chyseobacterium indologenes?
Washington - Über die Abwässer der Haushalte gelangen Tonnen von Arzneiwirkstoffen in die Umwelt: Hormone, Schmerzmittel ... mehr lesen
Mut ist nicht unbedingt eine nützliche Eigenschaft für Fische. (Symbolbild)
Massentierhaltung wird zum Problem.
Bern - Resistente Bakterien in der Nutztierhaltung sind auch für die Humanmedizin ein Problem. 2011 haben vor allem ... mehr lesen
Bern - In Kläranlagen gereinigtes Abwasser ist nicht ganz sauber. Problematisch sind vor allem Mikroverunreinigungen durch ... mehr lesen
Grosse Abwasserreinigungsanlagen oder Anlagen im Einzugsgebiet von Seen sollen mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe ausgerüstet werden.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Kristalle des Antibiotikums Cefftriaxon: Wundermittel, fahrlässig verschwendet.
Etschmayer Mitunter gibt es wahre Wundermittel, Substanzen, die Leben retten und Leiden verkürzen. Dass wir dabei sind, ... mehr lesen 4
Akupunktur, Tuina, Massage, Laserakupunktur, Taping
Hypnose und Hypnosetherapie in Baden / Aargau
Die Knochendichte eines Frühchens ist geringer.
Die Knochendichte eines Frühchens ist geringer.
Erhöhtes Osteoporose-Risiko  Trondheim - In den letzten Wochen der Schwangerschaft gehört die Weitergabe von Kalzium an den Fötus zur Förderung der Knochenentwicklung zu den wichtigen Vorgängen. 
Lärm stört die Tastfähigkeit von Frühgeborenen Genf - Lärm kann eine Reihe negativer Auswirkungen auf Frühchen haben. Wie ein Forscherteam unter Leitung ...
Lärm beeinflusst das Verhalten der Frühgeborenen.
Etschmayer In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer ... mehr lesen  
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Erstmals «Super»-Erreger in den USA festgestellt Miami - In den USA ist erstmals ein sogenannter Super-Erreger entdeckt worden, der gegen alle bekannten ...
Resistent gegen Antibiotika: E-Coli-Bakterien.
Titel Forum Teaser
Massagepraxis in Zürich-Oerlikon
Medizin Jobs und Jobs Gesundheitswesen
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 9°C 18°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt stark bewölkt, Regen
Basel 13°C 19°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
St. Gallen 11°C 17°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
Bern 12°C 15°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt stark bewölkt, Regen
Luzern 11°C 19°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
Genf 12°C 15°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt stark bewölkt, Regen
Lugano 14°C 20°C Gewitter möglichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten