459 Tote nach Erdbeben
Retter bergen Überlebenden in der Türkei
publiziert: Mittwoch, 26. Okt 2011 / 09:06 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 26. Okt 2011 / 13:06 Uhr
Häftlinge haben aus Protestgründen ihre Decken angezündet. (Symbolbild)
Häftlinge haben aus Protestgründen ihre Decken angezündet. (Symbolbild)

Ercis - Knapp drei Tage nach dem schweren Erdbeben in der Osttürkei ist eine 27 Jahre alte Frau aus den Trümmern gerettet worden. Rettungskräfte konnten die Lehrerin Gözde Bahar 67 Stunden nach dem Unglück unter Bauschutt herausziehen.

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Das berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Die Frau wurde sofort mit einem Rettungshelikopter ins Spital geflogen.

Erst wenige Stunden zuvor war der 18 Jahre alte Student Eyüp Erdem aus einem eingestürzten Gebäude gerettet worden. Die Rettungskräfte führten kleine Kameras in die Schuttberge ein und fanden ihn schliesslich. Der Student war nach amtlichen Angaben verletzt und wurde in einem provisorischen Lazarett behandelt.

459 Tote, 1300 Verletzte

Seit dem Erdbeben der Stärke 7,2 am Sonntag wurden bislang 459 Todesopfer gezählt, mehr als 1300 weitere Menschen wurden verletzt. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums erklärte, allein am Dienstag seien rund 40 Menschen lebend geborgen wurden. Unter ihnen waren ein zwei Wochen altes Baby, das 48 Stunden nach dem Erdbeben gefunden wurde. Auch die Mutter und die Grossmutter wurden gerettet, der Vater galt als vermisst.

Gerald Rockenshaub von der Weltgesundheitsorganisation WHO sagte, dass das kritische Zeitfenster zum Auffinden von Überlebenden bei Erdbeben bei 48 bis 72 Stunden liege. Menschen könnten zwar bis zu einer Woche ohne Nahrung überleben, ohne Wasser jedoch nur zwei bis drei Tage.

Beinahe 500 Nachbeben erschütterten nach Angaben des Erdbebenzentrums in Kandilli die Region seit Sonntag, darunter ein besonders schweres der Stärke 5,7. In der Grossstadt Van, 90 Kilometer südlich von Ercis, rannten die Menschen in Panik auf die Strasse, um sich in Sicherheit zu bringen.

Gefängnisaufstand in Van

In einem Gefängnis in Van brach Medienberichten zufolge ein Aufstand aus. Die Häftlinge hätten rebelliert und Betten angezündet, nachdem sich die Aufseher geweigert hätten sie nach dem Nachbeben herauszulassen.

Angesichts des Ausmasses der Schäden entschied die türkische Regierung, Hilfsangebote aus dem Ausland anzunehmen. Besonders gebraucht wurden nach Angaben der Behörden Fertighäuser, um die Obdachlosen über den Winter zu bringen. Trotz gespannter Beziehungen bot auch Israel seine Hilfe an.

(joge/sda)

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