Rettet den Humanismus
publiziert: Samstag, 11. Feb 2006 / 07:40 Uhr / aktualisiert: Samstag, 11. Feb 2006 / 09:08 Uhr

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Europa ist wohlhabend. Europa lebt im Frieden. Europa ist angekommen. Diese Illusionen haben sich nach dem zweiten Weltkrieg in unseren Köpfen eingenistet. Es entstand – trotz aller politischer Umschwünge - der Eindruck eines statischen Zustandes. Trotz Wirtschafts- und Regierungkskrisen glaubten wir, auf einer Art Insel der Seligen zu leben.

Der momentane Karikaturen-Knatsch ist ein Hinweis darauf, dass dem nicht so ist. Ein Blick in die Geschichte reicht aus, um zu realisieren, dass wir auf einem Pulverfass hocken, dessen Lunte schon brennt. Europa droht vom Totalitarismus erodiert zu werden. Aber warum – und was liesse sich dagegen machen?

Als erstes müssen wir bei der Antwortsuche von aller politischer Korrektheit befreien. Gut und böse fallen unter den Tisch. Nur nützlich oder schädlich gelten im langfristigen Kontext.

Nun, was machte die Europäer so erfolgreich und liess sie andere Kulturen zum eigenen Nutzen unterdrücken? Es war eine Mischung aus technischer Innovation, konkurrierenden Staaten, bösartigen Krankheitserregern und dem unerschütterlichen Glauben an sich selbst.

Für die zu den damaligen Zeiten lebenden Individuen waren die Folgen der obigen Komponenten sehr übel. Kriege rollten fast kontinuierlich durch das Europa zwischen Mittelalter und dem zwanzigsten Jahrhundert. Die Kolonisierung der restlichen Welt brachte dort den Niedergang ganzer Kulturen, die Ausrottung gesamter Ethnien durch Krankheiten und Kriege, die skrupellose Ausbeutung unterdrückter Völker und der dortigen Rohstoffe.

Auf der anderen Seite häuften sich die Reichtümer in Europa und es entwickelten sich geistige Strömungen, die ohne das 'Kolonial-Sponsoring' niemals hätten entstehen können. Aus dem Grauen der Unterjochung entstanden die geistigen Grundlagen, die zur Befreiung aus jener führten. Europa verlor in der Folge mehr oder weniger freiwillig sein Kolonialreich. Doch der neue Rohstoff, von dem wir profitierten, war geistiger Natur.

Der momentan noch vorhandene Reichtum besteht aus Know-How, Technologie und Innovation. Und dieser Rohstoff würde ausreichen, um die Position zu halten. Gefährdet ist sie aber durch etwas anderes: Das kollektive schlechte europäische Gewissen, die intellektuelle Selbstverachtung und die Umarmung alles Fremden ohne kritische Betrachtung aus den eben genannten Gründen.

Nun, können wir unserer Vergangenheit einfach den Rücken zukehren und sagen, das geht uns nichts mehr an, die Sache ist gegessen, die Kolonien sind frei? Natürlich darf man die damaligen Untaten nicht vergessen, aber ja, sie sind vergangen. Sie sind auch vergangen, weil sich ein Wertewandel eingestellt hat.

Unterdrückung, Folter und Ausbeutung lassen sich nicht rechtfertigen, daher wurden sie aufgegeben. Das heisst aber nicht, dass die neuen Werte der Freiheit und Gleichheit einfach so vorhanden sind. Diese müssen verteidigt werden. Wir sollten stolz auf sie sein. Wir müssen uns für sie wehren, sie nachdrücklich vertreten, sie propagieren. Wo immer wir sind. Auch in Europa. Seien es nun Neonazis, Altkommunisten oder Hassprediger, sie und vor allem ihre Ideen müssen bekämpft werden, wenn sie die Grenzen unserer Gesetze überschreiten.

Notwendig ist die echte Integration durch Assimilation von Fremden, denn – sehen wir es doch ein – biologisch gesehen ist der Mitteleuropäer am aussterben. Also müssen die Einwanderer dereinst die Aufklärung weiter tragen und diese heute von ihr Überzeugen.

Dies wird aber nicht passieren, wenn wir uns dafür schämen oder es uns gleichgültig ist, dass Folter, Unterdrückung und Willkür nicht nach Europa gehören, wenn wir selbst nicht vom Humanismus überzeugt sind.

Es ist möglich, die Freiheit zu lieben, Fremde zu respektieren und die eigenen Werte mit Stolz und Überzeugung zu vertreten. Wenn wir den Humanismus nicht retten – wer dann? Treten wir also die Lunte aus, vielleicht ist es noch nicht zu spät!

(Von Patrik Etschmayer/news.ch)

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