Kapitel der seltsamen Methoden der Berner Justiz:
Rey müsste am Montag entlassen werden: Anwalt geht nach Strassburg
publiziert: Samstag, 25. Mrz 2000 / 07:22 Uhr

Bern - Financier Werner K. Rey wird weiterhin in Haft sein, wenn am kommenden Montag der aus Sicht seines Anwalts spätestmögliche Termin für eine Entlassung abläuft. Verteidiger Stefan Suter bestätigte am Freitag einen Bericht von Radio DRS, wonach seine staatsrechtliche Beschwerde wegen verweigerter Freilassung am Bundesgericht hängig sei.

Er erwarte den Entscheid des Bundesgerichts im Verlauf der nächsten Woche, sagte Suter. Er werde in dieser Sache auf jeden Fall an den Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg gelangen. Suter kritisierte, dass sein Mandant die Strafe weiterhin übersitzen müsse, nachdem er bereits von der Zweidrittelsregelung nicht habe profitieren können. Dies gehöre ins Kapitel der seltsamen Methoden der Berner Justiz im Fall Rey, sagte Suter.
Rey war am 8. Juli 1999 vom Wirtschaftsgericht des Kantons Bern wegen versuchten einfachen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung und mehrfachen betrügerischen Konkurses zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Er wartet nach Rekursen von Anklage und Verteidigung zurzeit auf das zweitinstanzliche Urteil. Suter bezeichnete es diesbezüglich als störend, dass bei den verweigerten Haftentlassungen immer nur mit der Appellation der Anklage argumentiert werde, habe die Verteidigung doch fast noch die stärkeren Argumente für den Rekurs. Selbst im hypothetischen Fall, dass das Urteil um die Hälfte auf sechs Jahre erhöht würde, müsste Rey wegen der Zweidrittelsregelung nicht mehr ins Gefängnis, sagte Suter. Wann das zweitinstanzliche Urteil fällt, war vorerst offen.

(ba/AP)

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