Konsumenten sind zurückhaltend
Rezessionsangst: Handel hofft aufs Weihnachtsgeschäft
publiziert: Samstag, 24. Nov 2001 / 13:56 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 25. Nov 2001 / 12:22 Uhr

Berlin - Im Weihnachtsgeschäft lassen sich die Konsumentinnen und Konsumenten gewöhnlich nicht lumpen. Nach den Anschlägen in den USA herrscht aber Unsicherheit und Zurückhaltung. Der Handel macht sich deshalb Sorgen.

Ob Kinderspielzeug, Schmuck oder ein neuer Fernseher - zum Fest klingeln im Handel die Kassen. Doch spätestens seit nach den Terroranschläge in den USA rund um den Globus Angst vor einer Rezession besteht, sind auch die deutschen Konsumenten tief verunsichert. So mancher fürchtet um den Arbeitsplatz und verzichtet erstmal auf grössere Anschaffungen.

Dennoch hofft der Handel, dass für die letzten Wochen des Jahres andere Gesetze gelten und die Leute wie immer tief in die Tasche greifen. Selbst das würde nach Ansicht von Experten indes noch lange keine Trendwende einleiten.

Erst im kommenden Jahr soll der private Konsum in Deutschland, dem wichtigsten Handlesparter der Schweiz, wieder dauerhaft anziehen und damit auch der lahmenden Konkjunktur wieder neuen Schwung verleihen.

Schlechte Stimmung

Momentan ist die Stimmung jedenfalls ausgesprochen schlecht - sowohl bei den Unternehmen als auch bei den privaten Haushalten. Und gerade die Zurückhaltung der Konsusmenten macht der deutschen Wirtschaft schwer zu schaffen, da der private Konsum deutlich mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmacht und damit eine tragende Säule der Konjunktur ist.

Bereits seit sich im Frühjahr diesen Jahres die Wirtschaft einzutrüben begann, nimmt das Verbrauchervertrauen kontinuierlich ab. Die Attentate von New York und Washington hätten dieser wachsenden Verunsicherung dann noch "einen Push" gegeben, sagt die Leiterin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher. Derzeit glauben der Meinungsforscherin zufolge 58 Prozent der Menschen, dass es mit der Wirtschaft auch in den nächsten sechs Monaten bergab geht.

Weihnachten als "Ausnahmesituation"

Der Handel setzt unverdrossen auf ein gutes Geschäft in den kommenden Wochen. "Weihnachten ist eine Ausnahmesituation", sagt der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr. Da wollten sich die Menschen eine Freude machen.

Allerdings will er ein gutes Geschäft in der Adventszeit auch nicht überbewerten: Ein Trend für das kommende Jahr lasse sich daraus kaum ablesen. Jochen Schmidt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) pflichtet bei: "Weihnachten wird viel mehr gekauft - das ist jedes Jahr so."

Grundsätzlich ist Schmidt aber wenig zuversichtlich für einen raschen Anstieg des privaten Konsums: Die Rahmenbedingungen seien nicht besser geworden, betont der Wirtschaftsforscher.

Stimmung nicht negativ beeinflussen

Die Firmen verbreiteten "vorauseilende Hiobsbotschaften", die dadurch erst Wirklichkeit würden, kritisiert Meinungsforscherin Köcher. "Wirtschaft ist in einem hohen Mass von der Stimmung abhängig", betont sie. "Die objektive Lage der Haushalte ist gut." Die Kaufkraft sei hoch wie seit Jahren nicht mehr.

Finanzminister Hans Eichel (SPD) dürften diese Worte erfreuen, forderte er doch zuletzt die Deutschen eindringlich zum Konsum auf. Preise und Zinsen seien so günstig wie lange nicht, betonte er und appellierte an die zaudernden Verbraucher: "Wenn ihr ein Auto kaufen wollt: Kauft es! Wenn ihr ein Haus bauen wollt: Baut es."

(Carsten Hauptmeier/sda)

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