Richter erhielt Morddrohungen
publiziert: Dienstag, 19. Nov 2002 / 12:06 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 19. Nov 2002 / 12:24 Uhr

Rom - Der Präsident des Geschworenengerichts von Perugia, das Italiens siebenmaligen Regierungschef Giulio Andreotti am Sonntag zu 24 Jahren Haft verurteilt hat, ist mit Mord bedroht worden.

Andreotti will nicht aufgeben.
Andreotti will nicht aufgeben.
Richter Lino Gabriele Verrina, der Andreotti als Auftraggeber des Mordes am Journalisten Mino Pecorelli im Jahr 1979 erklärt hat, sei unter Sonderschutz der Polizei gestellt worden, berichteten italienische Medien. Der Richter habe mehrere anonyme Anrufe erhalten, in denen er mit Mord bedroht worden sei.

Der Richter will sich jedoch davon nicht einschüchtern lassen. Ich habe meine Pflicht getan. Wir haben fast drei Tage lang über das Urteil diskutiert und drei Stunden pro Nacht geschlafen. Ich bin 100-prozentig überzeugt, dass wir gerecht gehandelt haben., betonte Verrina im Interview mit der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera.

Der Richter liess sich vom heftigen Echo nicht beeindrucken, welches das Urteil gegen Andreotti in der italienischen Politik ausgelöst hat. In 90 Tagen wird die Begründung des Urteils veröffentlicht. Bevor man das Urteil kritisiert, sollte man die Begründung lesen, sagte Verrina.

Die Unabhängigkeit der Justiz ist in der italienischen Verfassung verankert und sollte respektiert werden, gab Verrina zudem zu bedenken.

Andreotti, der Senator auf Lebenszeit ist, gibt sich auch nach dem Urteil der Richter von Perugia nicht geschlagen. Seit zehn Jahren kämpfe ich, um meine Unschuld zu beweisen. Zum Glück ist meine Gesundheit gut, ich kann weitermachen, betonte Andreotti italienischen Medienberichten zufolge.

(bert/sda)

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