Riesige Ölvorkommen: Brasiliens ökologisches Dilemma
publiziert: Montag, 2. Jul 2012 / 12:30 Uhr / aktualisiert: Montag, 2. Jul 2012 / 19:28 Uhr

Brasilien und Rio de Janeiro symbolisieren die grossen UN-Konferenzen für eine nachhaltige Entwicklung und eine postfossile Zukunft. Das grösste Land in Südamerika mit 190 Millionen Einwohnern bereitet sich aber auch vor, einer der führenden Erdölproduzenten der Welt zu werden.

2 Meldungen im Zusammenhang
Vor der Küste von Rio wurden vor einigen Jahren enorme Ölvorrate geortet, allerdings befinden sie sich unter einer je 2'000 Meter dicken Fels- und Salzschicht in bis zu 7 Kilometer Tiefe. Hier liegt denn auch die gigantische Herausforderung, zu deren Lösung sämtliche Wissenschaftler und Ingenieure der selbstbewussten Nation aufgerufen sind (Frauen selbstverständlich eingeschlossen). Falls es aber gelingt, das «schwarze Gold» sicher, effizient und in genügender Qualität aus der Tiefsee zu fördern, könnte Brasilien in die Liga der grossen Ölexporteure des Nahen Ostens aufsteigen.

Das Abenteuer namens «Pré-Sal» (frei übersetzt: «vorher Salz») wird denn auch spitzzüngig das «Apollo-Programm Brasiliens» genannt. Führend dabei ist Petrobras, das fünftgrösste Energieunternehmen der Welt mit 82'000 Mitarbeitenden, 17 Milliarden CHF Nettogewinn (2011) und dem Hauptsitz in Rio de Janeiro. Forschung und Entwicklung sind bei Petrobras der entscheidende Erfolgsfaktor. Die Firma investiert umgerechnet eine Milliarde CHF jährlich in ihr Forschungszentrum CENPES und steckt zusätzlich 300 Millionen CHF in Forschungsprojekte an brasilianischen Universitäten. (Zum Vergleich: Das öffentlich finanzierte Budget der ETH Zürich beträgt ebenfalls rund eine Milliarde CHF).

Neben Petrochemie auch erneuerbare Energien

Das Portfolio im CENPES ist breit angelegt und umfasst neben den klassischen petrochemischen Disziplinen auch alternative Energieforschungszweige wie Biotreibstoffe, Fotovoltaik, Windenergie und CO₂-Abtrennung. Ebenfalls intensiv geforscht wird in der Nanotechnologie, wo Petrobras vor allem für Aufgaben im Pré-Sal-Projekt kompetente internationale Partner sucht - zum Beispiel die ETH Zürich. Beim Besuch einer Delegation des ETH-Präsidenten am 25. Juni vergangene Woche wurden verschiedene Gebiete definiert, die sich für eine Forschungszusammenarbeit eignen könnten. Nötig sind etwa Nanosensoren, welche die heikle Tiefseebohrung kontrollieren und hohen Drücken und Temperaturen widerstehen können. Gefragt sind ebenfalls Beschichtungen der Bohrrohre, die gegen starke Korrosion und Verkrustungen zu schützen vermögen. Im Weiteren sollen Nanokatalysatoren das Verflüssigen von Erdgas ermöglichen oder abgetrenntes Kohlendioxid chemisch umwandeln. Auch könnten nanostrukturierte Materialien (mit Quantendots) Solarzellen effizienter machen.

Noch sind keine Entscheidungen gefallen, wie die Partnerschaft zwischen Petrobras und der ETH Zürich ausgestaltet werden soll. Die Kontakte auf präsidialer Ebene wurden geknüpft, es braucht jetzt die Initiative einzelner Professorinnen und Professoren, um die Zusammenarbeit zu konkretisieren. Die Meinungen der brasilianischen Wissenschaftler über das Pré-Sal-Projekt sind geteilt. Die einen möchten das Öl im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung lieber in der Tiefe belassen und fürchten die grossen Umweltgefahren. Andere wiederum sind zuversichtlich, dass die Technologie gemeistert wird und das erwirtschaftete Geld zu einem wesentlichen Teil in die Erforschung und Anwendung erneuerbarer Energien fliessen kann. Brasilien steht somit vor einem ökologischen Dilemma.

(Beat Gerber/ETH-Zukunftsblog)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Green Investment Rio De Janeiro - In Folge der Katastrophe im japanischen AKW Fukushima kehrt auch Brasilien der Atomenergie den Rücken und will stattdessen auf Windenergie setzen. ... mehr lesen
Wind-Strom kostet in Brasilien nur etwa ein Viertel von Solar-Strom.
Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff hat das letzte Wort. (Archivbild)
Rio de Janeiro - In Rio de Janeiro ... mehr lesen
Claudio Beretta ist Doktorand in Umweltwissenschaften an der ETH Zürich.
Claudio Beretta ist Doktorand in ...
In Sachen Essen wäre in Industrieländern weniger oft mehr: Übergewicht und ungesunde Ernährung machen viele Menschen krank. Macht es da Sinn, die heute verschwendeten Nahrungsmittel auch noch zu essen? Oder müssen wir den Hebel gegen die Verschwendung anderswo ansetzen? mehr lesen 
Das Schweizer Kompetenzzentrum «Efficient Mobility» untersucht Wege hin zu einer nachhaltigen Mobilität der Zukunft. Erfolgreich kann die Transformation nur sein, wenn Verkehrssysteme als Ganzes ... mehr lesen
Konstantinos Boulouchos ist Professor für Aerothermochemie und Verbrennungssysteme an der ETH Zürich.
Johan Six ist Professor für Nachhaltige Agrarökosysteme an der ETH Zürich.
While the significance of healthy soils for all life on earth, including human life, is becoming more apparent, we remain minimally committed to their conservation. It is time to use our advances in soil knowledge to manage our soils ... mehr lesen  
Using pasture lands to develop oil palm cultivation can create a competitive advantage to producers in South America while sparing natural ecosystems, but it will require improvements in the ranching sector to avoid negative ... mehr lesen
John Garcia-Ulloa ist Doktorand in Ökosystem-Management an der ETH Zürich.

Fakten und Meinungen zu Nachhaltigkeit

Der Zukunftsblog der ETH Zürich nimmt aktuelle Themen der Nachhaltigkeit auf. Er bietet eine Informations- und Meinungsplattform, auf der sich Expertinnen und Experten der ETH zu den Themenschwerpunkten Klimawandel, Energie, Zukunftsstädte, Welternährung und Natürliche Ressourcen äussern. Prominente Gäste aus Forschung, Politik und Gesellschaft tragen mit eigenen Beiträgen zur Diskussion bei.

Lesen Sie weitere Beiträge und diskutieren Sie mit auf: www.ethz.ch/zukunftsblog

Die Solar Impulse muss warten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SO MO DI MI DO FR
Zürich 7°C 14°C leicht bewölkt leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen
Basel 5°C 15°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
St.Gallen 9°C 15°C leicht bewölkt leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen
Bern 10°C 19°C leicht bewölkt leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Luzern 10°C 18°C leicht bewölkt leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen
Genf 9°C 21°C leicht bewölkt leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Lugano 13°C 21°C leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten