Rio+20 vor Ort: Lobpreis, Hochsicherheit und Occupy Rio
publiziert: Dienstag, 26. Jun 2012 / 11:19 Uhr / aktualisiert: Freitag, 29. Jun 2012 / 17:12 Uhr
Tim Schloendorn ist Doktorand in Umweltökonomie und -politik an der ETH Zürich. Er nahm an der UN-Nachhaltigkeitskonferenz «Rio+20» teil.
Tim Schloendorn ist Doktorand in Umweltökonomie und -politik an der ETH Zürich. Er nahm an der UN-Nachhaltigkeitskonferenz «Rio+20» teil.

Rio de Janeiro. Ein kurzer Blick auf den Traumstrand bevor ich einen weiteren Tag in klimatisierten Hotelzimmern verbringe, wie man sie ebenso in jeder anderen Grossstadt der Welt finden könnte. Eine Konferenz wie die UN-Nachhaltigkeitskonferenz «Rio+20» bedeutet Arbeit.

1 Meldung im Zusammenhang
Die grösste Nachhaltigkeits-Konferenz aller Zeiten hat viele Gesichter. Für mich persönlich fing sie mit einem Tag auf dem «Corporate Social Responsibility Forum» an. Hier trafen sich die Vertreter der neuen Berufsklasse namens «Chief Sustainability Officer» und lobpriesen die Fortschritte ihrer Agenden. Viele Visitenkarte wurden getauscht und sehr wenige kritische Fragen gestellt.

Viel Lobpreis und wenig kritische Fragen

Am nächsten Tag folgte die Konferenz der «International Society for Ecological Economics». - Die gleiche Hotelkette, jedoch am anderen Ende der Stadt. Eine Vielzahl von wenig zusammenhängenden Vorträgen über Einzelprojekte, eingerahmt von Auftritten der Koryphäen der Umweltökonomie, die wiederum die Fortschritte ihrer Agenden darlegten.

Auf dem Weg zum darauf folgenden «Peoples' Summit» kam ich vorbei an Farbbeutel werfenden «Friends of the Earth» vor der Konzernzentrale von Vale, einem Mienenbetreiber.

Am Peoples' Summit gab's dafür eine wirklich neue Entwicklung zu sehen: Während der Peoples' Summit - die offizielle Gegenveranstaltung zur UN-Regierungskonferenz - mit vielen tausend Besuchern in Hochglanz und mit finanzstarken Sponsoren ausgetragen wurde, gab es nun auch eine Gegen-Gegen-Veranstaltung: eine Handvoll Camping-Zelte unter den Argusaugen einer Polizei-Reiterstaffel, mit handgemalten Plakaten und brennenden Kartonkisten. Occupy Rio!

Führt Buchhaltung zu Trendwende?

Zu guter Letzt dann noch die eigentliche UN-Konferenz: Hochsicherheit, Hubschrauber, Soldaten mit Granatengürteln und Hundestaffeln. 150 Staatschefs zu Besuch. Und am Ende nur wieder viele wohlklingende Worte und die Entscheidung, in ferner Zukunft eine Entscheidung treffen zu wollen.

Einen inhaltlichen Fortschritt möchte ich dennoch hervorheben: Es zeichnet sich zumindest in der Buchhaltung eine Trendwende ab. Die Verrechnung von «natürlichem Kapital» in den Bilanzen von Firmen wie Staaten ist weitgehend unumstritten - erste Pioniere wie der Sportartikelhersteller Puma und das Himalaya Königreich Bhutan haben ihren ökologischen Fussabdruck bereits in der Bilanz ausgewiesen. Eine Initiative der Weltbank zur Ausweitung dieses Ansatzes ist auf grosses Echo gestossen: 59 Staaten und 89 Firmen (inklusive Grosskonzerne wie Unilever und Walmart) haben eine Deklaration unterschrieben. Sie wollen ihre Umweltauswirkungen künftig in der Bilanz ausweisen.

Was zunächst nach einer wirkungslosen Papierübung aussieht hat doch das Potential, grosse Änderungen zu bewirken. Denn nur wer seine Umweltauswirkungen kennt, kann auch daran arbeiten, sie zu verbessern. Und nur, wenn die Umweltauswirkungen rapportiert werden, können diese auch in die finanzielle Bewertung von Firmen und Staaten einfliessen. Also doch: Rio+20 hatte zumindest ein bedeutungsvolles Ergebnis, auch wenn es nicht der grosse internationale Vertrag zwischen Staaten war.

Immer noch bin ich in Rio de Janeiro - wenigstens einen Sonntag auf dem Surfbrett gönne ich mir, bevor der harte Alltag der Umsetzung all der wohlklingenden Worte rund um die Nachhaltigkeit wieder losgeht.

(Doktorand TIm Schloendorn/ETH-Zukunftsblog)

?
Facebook
SMS
SMS
Lesen Sie hier mehr zum Thema
ETH-Zukunftsblog Der Abschluss der Konferenz «Rio+20» liegt nun einige Tage hinter uns. Ich war als Delegierte bei den Verhandlungen in Rio dabei. ... mehr lesen
Gabi Hildesheimer ist Geschäftsführerin von Öbu, dem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften. Sie war an der UNO-Nachhaltigkeitskonferenz «Rio+20» Mitglied der Schweizer Delegation.
Ziel des Weltklimagipfel im Dezember ist es, die Treibhausgas-Emissionen so zu verringern, dass sich die Erdatmosphäre um nicht mehr als zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmt.
Ziel des Weltklimagipfel im Dezember ist es, ...
Als Grundlage für Folgekonferenzen  Bonn - Knapp fünf Monate vor dem Weltklimagipfel in Paris haben die UNO-Verhandlungsleiter einen neuen Textentwurf für das geplante Abschlussdokument vorgelegt. Klimaschützer bewerteten das Papier am Samstag als technische Arbeitshilfe, die inhaltlich teils enttäusche. 
Ehrgeizige Ziele für erneuerbare Energien Washington - Die US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton stellt eine drastische Ausbreitung der ...
Hillary Clinton gibt erneuerbaren Energien eine Zukunft.
Umkrempeln  Paris - Frankreich will sein Energiesystem umkrempeln: Weniger CO2, mehr Ökostrom und weniger Atomkraft. Das umstrittene Gesetz ist auch ein Signal ...  
Der Ausstoss von Treibhausgasen soll deutlich sinken und mehr Strom aus erneuerbaren Quellen produziert werden.
François Hollande hat für eine Einigung aufgerufen.
Hollande mahnt Bemühungen für Vereinbarung bei Klimagipfel an Paris - Vier Monate vor dem UNO-Klimagipfel in Paris hat Frankreichs Staatschef François Hollande zu ...
Titel Forum Teaser
Arno Schlüter ist Professor für Architektur und nachhaltige Gebäudetechniken an der ETH Zürich.
ETH-Zukunftsblog Weiche Roboter für adaptive Gebäudefassaden Gebäudefassaden sind heute meist statisch und ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SA SO MO DI MI DO
Zürich 16°C 17°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Basel 12°C 16°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
St.Gallen 15°C 17°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Bern 15°C 19°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Luzern 17°C 20°C stark bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Genf 16°C 20°C bewölkt, Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Lugano 20°C 21°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten