Röstigraben: Sprache als Schlüssel
publiziert: Montag, 4. Okt 2010 / 14:20 Uhr / aktualisiert: Montag, 4. Okt 2010 / 15:41 Uhr

Die Frage der Woche lautet: Nach dem letzten Abstimmungswochenende ist der Röstigraben in aller Munde: Was kann die Politik tun, um diesen aufzufüllen? Heute der Beitrag von Brenda Mäder, der Präsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz.

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Letzten Sonntag präsentierte sich der Röstigraben besonders eindrücklich. Dennoch war es nicht die Abstimmung, mit dem tiefsten Röstigraben, oder der höchsten «barrière de rösti».

Die kulturellen Unterschiede sowie die politisch verschiedene Haltung der Stimmbürger in den Kantonen kann kaum - und muss nicht - beeinflusst werden. Allerdings sollte man sich der Problematik bewusst sein. Die Deutschschweizer dürfen ruhig ab und zu daran denken, dass ein Teil der Schweiz Französisch als Muttersprache hat und etwas «anders» tickt. Die Romands sollten sich immer wieder einbringen können und im Gegenzug nicht darob resignieren, dass sie zahlenmässig in der Minderheit sind. Das Tessin probiert hier einen neuen Ansatz aus und baut eine Art Lobby in Bern auf, um das Verständnis für die Tessiner Eigenheiten zu fördern.

Für das gesamtpolitische Bild scheint es mir wichtig zu sein, dass beispielsweise im Bundesrat die «Suisse Romande» angemessen vertreten wird und ab und an auch wieder einmal ein Sitz an das Tessin fällt. Dies sollte aber, wie bisher, im gegenseitigen Einverständnis und ohne Quoten erfolgen.

Der Röstigraben zeigt sich aber nicht nur bei Abstimmungen. Jede Partei, Organisation oder auch Firmen können einerseits von der sprachlichen und kulturellen Vielfalt der Schweiz profitieren und tun sich andererseits ab und zu daran schwer. Oft wird auch vergessen, dass die Unterschiede nicht nur bei Abstimmungen präsent sind, sondern in vielen Fällen auch organisations- oder parteiintern. Hier ist wichtig, aufeinander zuzugehen. Dies zeigt sich in erster Linie in der Sprache. Für mich ist selbstverständlich, dass beispielsweise an der Delegiertenversammlung einer Partei das Motto gilt, dass jeder in seiner Sprache sprechen kann. Zweisprachige Unterlagen, vielleicht die Übersetzung einiger wichtiger Punkte in einer Debatte ermöglichen erst eine Diskussion, in der alle miteinbezogen sind. Beispielsweise wurde bei den jungfreisinnigen eingeführt, dass an den Versammlungen ein Teil der Traktanden auf Französisch moderiert wird; mit Erfolg.

Wenn wir die «Romands» schon rein sprachlich nicht verstehen, verstärkt dies den Röstigraben. Daher wäre es fatal, etwa Französisch, bzw. Deutsch als Fremdsprache in der Schule zu vernachlässigen. Unser Sprachunterricht ist generell eine grosse Chance. Personen aus Ländern wie den USA etwa fällt es immer wieder auf, dass wir einen Riesenvorteil haben, «einfach so» mindestens zwei Sprachen mit auf den Weg zu bekommen. Einige Gymnasien etwa bieten an, ein Jahr in der Westschweiz zu absolvieren - und umgekehrt. Das Programm der Universitäten, «Swiss Mobility», ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, gegenseitiges Verständnis zu schaffen. Wer beide Landesteile kennt und sich dafür interessiert, kann oftmals als Brückenbauer wirken. Wenn verstanden wird, weshalb in einer Frage ein Röstigraben besteht, wirkt er auf einmal weniger tief.

(Brenda Mäder/news.ch)

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