Roger Federer nun im Viertelfinal gegen Monfils
publiziert: Montag, 1. Jun 2009 / 15:44 Uhr / aktualisiert: Montag, 1. Jun 2009 / 22:48 Uhr

Um ein Haar hätte das French Open am Pfingstwochenende nach Novak Djokovic und Rafael Nadal auch noch den dritten Hauptfavoriten verloren: Roger Federer stand im Achtelfinal gegen Tommy Haas fünf Punkte vor dem Out, ehe er noch 6:7, 5:7, 6:4, 6:0, 6:2 gewann.

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Nächster Gegner von Federer ist wie im Halbfinal des Vorjahres Gael Monfils (Fr/11), gegen den er alle vier Partien gewonnen hat. Der Franzose verwertete um 21.38 Uhr bei «Stablampen-Bedingungen» den Matchball zum 6:4, 6:2, 6:3 gegen Andy Roddick.

Aufgrund der fragwürdigen Programmierung durch die Organisatoren hatten beide ihren Achtelfinal erst kurz vor 20 Uhr aufgenommen. Roddick konnte mit der einbrechenden Dunkelheit und dem ultralangsamen Court überhaupt nicht umgehen und spielte sehr schlecht.

Federers Klasse bei «kleinem Matchball»

Tommy Haas hatte zwar in den letzten sieben Jahren alle sieben Partien gegen Roger Federer verloren, kurz vor Ende des dritten Satzes war der erste Sieg seit dem Australian Open 2002 aber für die aktuelle Weltnummer 63 in Griffweite. Haas, mit dem Selbstvertrauen zweier gewonnener Sätze, riskierte viel und wurde bei 4:3 mit einem Breakball belohnt, der den Charakter eines «kleinen Matchballs» hatte.

Federer spielte aber so, als es ein Punkt im ersten Game wäre: Auf den Crossreturn seines Gegners umlief er die Rückhand und knallte eine Vorhand cross über den Platz, die gerade noch die Linie kratzte. «Deshalb ist er eben Roger Federer», anerkannte Haas nach Spielende.

Anschliessend drehte die Spielphysiognomie komplett. Federer, vom Publikum frenetisch angefeuert, nahm das Spieldiktat in die Hände, schaffte zuerst den Satzanschluss und kurz danach im Höchsttempo den Ausgleich. Im fünften Durchgang gelang dann der vorentscheidende Servicedurchbruch zum 3:2, danach servierte Federer ungefährdet aus und verwertete nach 3:07 Stunden den Matchball.

Schon beim Achtelfinal des Australian Open war Federer mit dem Rücken zur Wand gestanden, damals schaffte er gegen Tomas Berdych ein grosses Comeback. «Nach dieser Vorhand beim Breakball habe ich an den Sieg geglaubt, das war mein erster sehr guter Schlag in dieser Partie», so der dreifache Paris-Finalist.

Kein Rhythmus von der Grundlinie

Dass er überhaupt mit 0:2 Sätzen in Rückstand geriet, war alles andere als zwingend, vor allem, weil er hervorragend servierte. Mit Ausnahme des ersten Tiebreaks gewann Federer in den ersten neun Servicegames 36 von 38 Punkten, aber sein extrem fehlerhaftes Grundlinienspiel machte diese Bemühungen zunichte.

«Ich habe zweieinhalb Sätze lang das Grundlinienspiel überhaupt nicht gespürt, es war aber mit dem erneut sehr stark drehenden Wind auch enorm schwierig. Wie schon gegen Paul-Henri Mathieu habe ich aber gut gespielt, als die Bedingungen besser wurden.»

Am Samstag hatte er gegen den als Nummer 32 gesetzten Franzosen ebenfalls einen Satzrückstand wettmachen müssen, sich aber doch noch deutlich durchgesetzt.

Vom (fast)-Zero zum Hero

In drei von vier Partien hat Federer Sätze abgegeben, das stört ihn aber vor dem Viertelfinal gegen Gael Monfils oder Andy Roddick nicht gross: «Nein, wenn man in den Viertelfinal eines Major-Turniers kommt, darf man nicht beunruhigt sein. Ich habe viel Tennis gespielt und dazu immer auf dem Centre Court, zudem habe ich ja viel Erfahrung und spiele zum Schluss des Turniers oft besser. Aber eines ist klar: Wenn der Wind stark ist, muss ich im weiteren Verlauf des Turniers schon viel besser spielen.»

Durch das Ausscheiden seiner beiden Hauptrivalen haben sich für Federer die Siegeschancen natürlich massiv erhöht. Schliesslich hat er seit 2005 in Paris gegen Nadal viermal verloren, gegen alle anderen aber eine 27:0-Bilanz. Zudem hat er gegen keinen der verbliebenen Spieler auf Sand schon verloren.

Er selber misst dem Scheitern des Mallorquiners aber noch keine gewaltige Bedeutung bei: «Natürlich ist es eine grosse Überraschung. Für mich wäre es eine andere Situation, wenn ich im Final wäre und dann nicht Rafa auf der anderen Seite steht. Aber so lange ich noch nicht so weit bin, ist es noch nicht wichtig.»

Federer hat natürlich recht mit dieser Einschätzung, in der öffentlichen Wahrnehmung sieht es aber ganz anders aus. Wenige Wochen nachdem ihm viele selbsternannte Experten praktisch jegliche Erfolgsaussichten für die nächsten Major-Turniere komplett abgesprochen hatten, ist er nun wieder DER Hauptfavorit.

Er hat schon oft betont, dass er solch undifferenzierte Wahrnehmungen nicht goutiert, die gegenwärtige Situation ist ihm aber doch lieber: «Ich bin lieber Favorit, ich habe die Situation dann mehr unter Kontrolle. Es ist mir aber klar, dass ich auch gegen Leute wie Dawydenko oder Roddick an jedem Tag verlieren kann, obwohl ich gegen sie tolle Bilanzen habe.»

Fünfter «Prix Orange» für Roger Federer

Roger Federer ist beim French Open nach seinem Achtelfinalsieg gegen Tommy Haas zum fünften Mal der «Prix Orange» verliehen worden. Mit dieser Auszeichnung wird von den französischen Journalisten und Internetusern jener Spieler bedacht, der den besten Umgang mit den Medien hat und generell durch exemplarisch faires Auftreten überzeugt. Der Baselbieter ist mit diesen fünf Auszeichnungen einsamer Rekordhalter.

Resultate:
Roland Garros, Paris. French Open (24,53 Mio. Franken/Sand). Männer. 3. Runde: Roger Federer (Sz/2) s. Paul-Henri Mathieu (Fr/32) 4:6, 6:1, 6:4, 6:4. Philipp Kohlschreiber (De/29) s. Novak Djokovic (Ser/4) 6:4, 6:4, 6:4. Juan Martin Del Potro (Arg/5) s. Igor Andrejew (Russ/25) 6:4, 7:5, 6:4. Andy Roddick (USA/6) s. Marc Gicquel (Fr) 6:1, 6:4, 6:4. Jo-Wilfried Tsonga (Fr/9) s. Christophe Rochus (Be) 6:2, 6:2, 6:2. Gael Monfils (Fr/11) s. Jürgen Melzer (Ö/24) 6:2, 4:6, 6:3, 6:1. Tommy Robredo (Sp/16) s. Maximo Gonzalez (Chile) 4:6, 7:5, 6:1, 6:0. Tommy Haas (De) s. Jérémy Chardy (Fr) 7:5, 6:3, 4:6, 6:4.

Achtelfinals: Federer s. Haas 6:7 (4:7), 5:7, 6:4, 6:0, 6:2. Robin Söderling (Sd/23) s. Rafael Nadal (Sp/1) 6:2, 6:7 (2:7), 6:4, 7:6 (7:2). Andy Murray (Gb/3) s. Marin Cilic (Kro/13) 7:5, 7:6 (7:4), 6:1. Del Potro s. Tsonga 6:1, 6:7 (5:7), 6:1, 6:4. Monfils s. Roddick 6:4 6:2, 6:3. Nikolai Dawydenko (Russ/10) s. Fernando Verdasco (Sp/8) 6:2, 6:1, 6:4. Fernando Gonzalez (Chile/12) s. Victor Hanescu (Rum/30) 6:2, 6:4, 6:2. Robredo s. Kohlschreiber 6:4, 5:7, 7:6 (7:4), 6:2.

Viertelfinal-Tableau: Söderling (23) - Dawydenko (10), Murray (3) - Fernando Gonzalez (12); Del Potro (5) - Robredo (16), Monfils (11) - Federer (2).

Frauen. 3. Runde: Serena Williams (USA/2) s. Maria Jose Martinez Sanchez (Sp) 4:6, 6:3, 6:4. Samantha Stosur (Au/30) s. Jelena Dementiewa (Russ/4) 6:4, 3:6, 6:1. Jelena Jankovic (Ser/5) s. Jarmila Groth (Au) 6:1, 6:1. Agnieszka Radwanska (Pol/12) s. Kateryna Bondarenko (Ukr) 6:2, 6:4. Swetlana Kusnezowa (Russ/7) s. Melinda Czink (Un) 6:1, 6:3. Victoria Asarenka (WRuss/9) s. Carla Suarez Navarro (Sp/22) 5:7, 7:5, 6:2. Sorana Cirstea (Rum) s. Caroline Wozniacki (Dä/10) 7:6 (7:3), 7:5. Aleksandra Wozniak (Ka/24) s. Lourdes Dominguez Lino (Sp) 6:2, 3:6, 6:3. Virginie Razzano (Fr) s. Tathiana Garbin (It) 7:5, 7:5.

Achtelfinals: Dinara Safina (Russ/1) s. Aravane Rezai (Fr) 6:1, 6:0. Cirstea s. Jankovic 3:6, 6:0, 9:7. Serena Williams (USA/2) s. Aleksandra Wozniak (Ka/24) 6:1, 6:2. Kusnezowa s. Radwanska 6:4, 1:6, 6:1. Victoria Asarenka (WRuss/9) s. Ana Ivanovic (Ser/8) 6:2, 6:3. Dominika Cibulkova (Slk/20) s. Agnes Szavay (Un/24) 6:2, 6:4. Maria Scharapowa (Russ) s. Na Li (China/25) 6:4, 0:6, 6:4. Stosur s. Razzano 6:1, 6:2.

Viertelfinal-Tableau: Safina (1) - Asarenka (9), Cibulkova (20) - Scharapowa; Cirstea - Stosur (30), Kusnezowa (7) - Serena Williams (2).

Frauen-Doppel, 3. Runde: Anna-Lena Grönefeld/Patty Schnyder (De/Sz/11) s. Maria Kirilenko/Flavia Pennetta (Russ/It/8) 7:6 (7:4), 6:4. -- Viertelfinal: Anabel Medina Garrigues/Virginia Ruano Pascual (Sp/3) s. Grönefeld/Schnyder 7:6 (7:2), 6:2.

(Marco Keller, Paris/Si)

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