Rollstuhlgängige Wohnungen sind zu teuer
publiziert: Dienstag, 19. Jan 2010 / 15:38 Uhr

Bern - Unabhängig Wohnen: Für viele Menschen im Rollstuhl bleibt das allzu oft ein Traum. Rollstuhlgängige Wohnungen nämlich sind in der Schweiz viel zu teuer. Die Ergänzungsleistungen an die IV-Renten reichen fürs eigenständige Wohnen hinten und vorne nicht aus.

In nicht-behindertengerechten Wohnungen sind Rollstuhlfahrer häufig auf Hilfe angewiesen.
In nicht-behindertengerechten Wohnungen sind Rollstuhlfahrer häufig auf Hilfe angewiesen.
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Über die Hälfte der angebotenen rollstuhlgängigen Wohnungen in der Schweiz kosten über 2000 Franken Miete im Monat, wie die Behindertenorganisation Procap vor den Medien in Bern bekanntgab. Procap unterhält seit einigen Jahren ein spezialisiertes Immobilienportal für behindertengerechte Wohnungen.

Die Erfahrungen dabei sind ernüchternd: Von 3220 im Herbst 2009 ausgeschriebenen rollstuhlgängigen Wohnungen kosteten gerade einmal 102 weniger als 1000 Franken Miete im Monat. 402 oder 12 Prozent waren bis 1500 Franken teuer. Der grosse Rest lag darüber.

Wohnen im Heim ist teurer

Damit wird das eigenständige Wohnen in gemieteten vier Wänden für zahlreiche Menschen im Rollstuhl zum unerfüllbaren Traum. Die Invalidenversicherung gewährt Einzelpersonen für das eigenständige Wohnen Ergänzungsleistungen von maximal 1400 Franken im Monat. Bei Ehepaaren sind es 1550 Franken, wie Procap mitteilte.

41 Prozent der IV-Rentner sind auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Wohnen sie im Heim, erhalten sie im Durchschnitt 2800 Franken Ergänzungsleistungen im Monat. Beim selbständigen Wohnen beträgt der Schnitt 900 Franken - ein krasses Missverhältnis, wie Procap konstatiert.

Ist das Wohnen im Heim dreimal teurer, müsste der Staat doch eigenständiges Wohnen fördern, schliesst die Organisation.

(fkl/sda)

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