Romano Prodi: Schweiz verliert viel bei EU-Beitritt
publiziert: Sonntag, 14. Apr 2002 / 12:08 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 14. Apr 2002 / 16:22 Uhr

Bern - Die Schweiz hat laut EU-Kommissionspräsident Romano Prodi bei einem EU-Beitritt derzeit eine Menge zu verlieren. Wenn die europäische Intergration erfolgreich verlaufe, verschiebe sich das Gewicht jedoch zu Gunsten der EU.

Wann das soweit sein werde, wisse er nicht, sagte Prodi in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag».»Derzeit besteht für die Schweiz keine Eile.» Jedenfalls würden sich die gegenseitigen Beziehungen vervielfältigen und die Europäische Union (EU) und die Schweiz seien mehr und mehr verflochten.

Für Prodi wäre es allerdings an der Zeit, die veraltete Form des Bankgeheimnisse abzuschaffen, weil damit auch schmutziges Geld aus unbekannten Quellen geschützt werde. Langfristig wäre es auch im Interesse der Schweiz, Missbrauch vorzubeugen, sagte er. Doch wenn das Bankgeheimnis für die Schweiz so wichtig sei, so müsse sie eben von einem EU-Beitritt absehen.

Im Gegensatz zum Bankengeheimnis, das Prodi als Instrument zum Schutz von Interessen sieht, betrachtet er die Neutralität als unproblematisch bei einem EU-Beitritt. «Die EU lässt Raum für die Neutralität, wie das Beispiel Irland zeigt», sagte er. Die Neutralität sei auch ein Wert und Werte könnten nicht einfach abgeschafft werden.

Laut Prodi sind die Schweizer pragmatisch und in ihrer inneren Überzeugung europäisch eingestellt. Die Schweiz wäre deshalb auch nicht das schwierigste Mitglied der EU, sagte er.

(bb/sda)

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