Ruanda 10 Jahre nach dem Völkermord
publiziert: Montag, 29. Mrz 2004 / 09:02 Uhr / aktualisiert: Montag, 29. Mrz 2004 / 09:27 Uhr

Kigali - Mit der Machete in der Hand gingen sie an die Arbeit. Nicht aufs Feld, sondern aufgehetzt zum Töten. Der Abschuss des Flugzeugs von Ruandas Präsident Juvénal Habyarimana am 6. April 1994 gab das Signal zum rasendsten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Die Wunden sind bis heute nicht verheilt.

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"Von April bis Juli 1994 herrschte das Chaos. In Kigali wagte ich mich nicht mehr aus dem Haus, man sah überall Tote liegen", sagt Ildéphonse Nkulikiyinka. Der 54-jährige Tutsi, welcher bereits in den 70er-Jahren für die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit arbeitete, überlebte "nur durch Zufall".

Ein befreundeter Soldat brachte ihn und seine Familie sicher ins Hotel Des Milles Collines in Kigali. Dort hielten sich bereits viele Flüchtlinge auf. Ende Mai erreichte er durch einen Gefangenenaustausch schliesslich die bereits eroberte Zone der Tutsi-Streitkräfte Patriotische Front Ruandas (FPR).

Von langer Hand geplant

Hutu-Extremisten hatten den Genozid von langer Hand geplant. Im "Radio Télevision Libre Des Mille Collines" hetzten sie alle Hutus gegen die Tutsi-Minderheit sowie oppositionelle Hutus auf. "Geht saubermachen, die Gräber sind noch nicht voll", schallte es vor zehn Jahren aus den Lautsprechern.

Und der Appell zeigte Wirkung. In nur 100 Tagen erlebte das kleine Land im Herzen Afrikas einen beispiellosen Blutrausch. Viele Hutus schlachteten ihre Nachbarn und Freunde ab, Lehrer brachten ihre Schüler um, Pfarrer ihre Glaubensbrüder. Gegen 800 000 Tutsi und gemässigte Hutu wurden getötet.

Beschämende Rolle der UNO

Wie die Afrikanistin Alison Des Forges in ihrem Werk "Kein Zeuge darf überleben" schreibt, war der Genozid kein Stammeskrieg, sondern das Werk einer gebildeten Elite, welche Militär, Polizei und Massenmedien für ihre grausamen Zwecke einsetzte. Sie prangert auch die internationale Gemeinschaft an, welche den Massenmorden tatenlos zuschaute.

Nach ihrer Einschätzung waren der UNO, Belgien, Frankreich und den USA der Ernst der Lage schon zu Beginn des Völkermords bewusst. Der damalige Befehlshaber der UNO-Mission in Ruanda, Romeo Dallaire, hatte bereits im Januar 1994 vor einem drohenden Genozid gewarnt. Seine Hilferufe blieben jedoch im UNO-Hauptquartier in New York offenbar ungehört.

Laut Militärexperten hätte eine Interventionstruppe von 5000 Mann den Genozid aufhalten können. Stattdessen zog die UNO ihre Truppen bis auf 270 Mann ab. Erst eine Offensive der Tutsi-Streitkräfte FPR konnte dem Gemetzel ein Ende setzten.

Gespannter Friede

Die Wunden sitzen heute noch tief, obwohl Ruanderinnen und Ruander den Genozid im Alltag vergessen wollen. Und es gibt Zeichen der Hoffnung, wie von mehreren ruandischen Gesprächspartnern immer wieder betont wird.

Die Regierung hat eine ehrgeizige "Vision 2020" formuliert; demnach soll etwa die Schulbildung verbessert - 40-50 Prozent der Bevölkerung kann nicht lesen und schreiben - die Landwirtschaft modernisiert und die Demokratisierung vorangetrieben werden.

Laut Beobachtern herrscht jedoch in Ruanda eine "Kultur der Angst", da Präsident Paul Kagame das Land eisern im Griff hält, und der Geheimdienst perfekt organisiert ist. Kagames Führungsstil erinnere an eine Diktatur, die politische Situation sei blockiert, die Presse nicht frei.

Einen Hinweis darauf gaben die Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr, bei denen Kagame 95 Prozent der Stimmen erhielt. Bei den darauffolgenden Parlamentswahlen kam seine FPR auf knapp 74 Prozent der Stimmen, die beiden wichtigsten Oppositionsparteien waren jedoch von den Wahlen ausgeschlossen worden.

(Von Matthias Kägi/sda)

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