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Rückblick 10: Mobiles Web erobert Massenmarkt
publiziert: Freitag, 31. Dez 2010 / 09:17 Uhr / aktualisiert: Freitag, 31. Dez 2010 / 17:48 Uhr
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Kritiker sehen erste Anzeichen für einen Untergang des uneingeschränkten Web.
Kritiker sehen erste Anzeichen für einen Untergang des uneingeschränkten Web.

Der anhaltende Hype um Smartphones, Apps, iPad und Co hat im Medienjahr 2010 dazu geführt, dass sich das mobile Web endgültig von seinem Nischendasein verabschiedet hat.

2 Meldungen im Zusammenhang
Angetrieben durch eine rasant ansteigende Nachfrage nach internetfähigen Handys, den Preis-Wettkampf der Tarifanbieter und schnellere Mobilfunknetze sind die entsprechenden Nutzungsraten explosionsartig nach oben geschnellt.

Heute verwendet beinahe jeder Zweite ein mobiles Endgerät, um online zu gehen - Tendenz steigend. Der Netzeinstieg per Computer gerät dabei zunehmend ins Hintertreffen.

Das enorme Wachstum im Bereich der mobilen Webnutzung hat auch auf Unternehmensseite Konsequenzen. Vor allem die Marketing- und Werbebranche versucht verstärkt, das Potenzial des neuen Werbekanals zu nutzen, was sich in einer Verdopplung der mobilen Werbekampagnen ausdrückt. Parallel dazu hat man auch in der Verlags- und Zeitungslandschaft die Zeichen der Zeit erkannt und es geschafft, mithilfe spezieller, teilweise kostenpflichtiger Lockangebote für Mobile-Web-User zumindest einen Teil der erlittenen Print-Umsatzverluste zu kompensieren.

Apps im Vormarsch

Der Siegeszug des mobilen Webs hat auch die Art und Weise verändert, wie Konsumenten sich in der Online-Welt bewegen. Bestes Beispiel hierfür ist die wachsende Beliebtheit von Apps, einem weiteren grossen Trendthema 2010. Die kleinen Programme für mobile Endgeräte haben längst ihr Image als spassige Zusatzanwendungen abgelegt und sich zu einem bestimmenden Faktor der Netzaktivitäten der User entwickelt. Diese verzichten beim Web-Einstieg immer öfter auf den herkömmlichen Browser und entscheiden sich stattdessen für Apps, um unterwegs im Netz zu surfen.

Während sich die verantwortlichen Entwickler zum ersten Mal über angemessene Einnahmen aus ihren App-Verkäufen freuen dürfen, sehen Kritiker wie der Wired-Chefredakteur Chris Anderson in dem gegenwärtigen Hype die ersten Anzeichen für einen Untergang des offenen, uneingeschränkten Webs. Diese Auffassung wird unter anderem von der Diskussion um die restriktive Auswahlpolitik Apples befeuert, die nicht nur bei Entwicklern, sondern auch bei Kunden für Empörung sorgt.

Social Media und kein Ende

Mit der Abwanderung der User vom Computer zum mobilen Endgerät hat auch der Trend zur sozialen Online-Vernetzung neue Impulse erhalten. Untersuchungen zufolge werden die grossen Namen der Branche wie Facebook oder Twitter inzwischen bereits öfter von unterwegs genutzt als vom heimischen PC.

Dieser Umstand ist wohl nicht ganz unbeteiligt daran, dass die verschiedenen Social-Media-Dienste im Netz noch immer wachsende Mitgliederzahlen verbuchen können. So hat etwa Twitter erst kürzlich vermeldet, dass man es alleine in 2010 auf 100 Mio. Neuanmeldungen geschafft habe.

Web und TV verschmelzen

Eine Entwicklung, die das Medienjahr 2010 entscheidend mitgeprägt hat, ist die deutlich erkennbare Verschmelzung von TV- und Web-Inhalten. Angetrieben vom Kundenwunsch, die Fülle an verfügbarem Online-Videomaterial auch in akzeptabler Qualität auf grösseren TV-Bildschirmen betrachten zu können, bemüht sich derzeit eine Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen um dieses vielversprechende Geschäftsfeld.

Als Beispiele seien etwa Apple und Google genannt, die beide mit Hochdruck am TV-Standard der Zukunft basteln.

Meinungsfreiheit: Der Fall Wikileaks

Mit der Wikileaks-Affäre hat das Jahr 2010 einen aus medienpolitischer Sicht brisanten Höhepunkt erlebt. Insbesondere der Verhaftung des Plattform-Gründers Julian Assange wurde weltweit mit Protesten begegnet.

Die Festnahme hat heftige Debatten über die Informations- und Meinungsfreiheit im Web sowie einen Cyberkrieg zwischen Wikileaks-Sympathisanten und ihren politisch bzw. wirtschaftlich mächtigen Gegnern ausgelöst. Zuvor hat die Veröffentlichung politisch höchst brisanter und teils geheimer bzw. vertraulicher Dokumente international für diplomatische Verstimmung gesorgt.

Printbranche kann wieder hoffen

Was die durch die Leserabwanderung und Werbekrise zuletzt eher angeschlagene Zeitungs- und Zeitschriftenbranche betrifft, beginnt sich schön langsam wieder eine deutlich positivere Stimmung breit zu machen. Mit dem Vormarsch des Internets sind zwar die Auflagenzahlen gedruckter Ausgaben empfindlich zurückgegangen.

Die steigende mobile Webnutzung, der iPad-Start und der App-Boom sorgen aber gleichzeitig dafür, dass die Besucherzahlen auf den Webseiten der Zeitungshäuser kräftig nach oben klettern. Für zusätzlichen Optimismus sorgen zudem erste erfolgreiche Einführungen von Bezahlmodellen für Nachrichteninhalte.

Dauerbrenner Datenschutz

An einem hitzig diskutierten Thema kommt man leider auch 2010 nicht vorbei: dem Datenschutz. Egal, ob sich die User in Internet-Communitys, Online-Games, Shops oder App-Portalen tummeln - die Datenschützer sind sich einig, dass ein Grossteil der Nutzerschaft viel zu freizügig mit ihrer Privatsphäre im Web umgeht.

In Anbetracht der zunehmenden Praxis, die gesammelten User-Daten gewinnbringend weiter zu verwenden, ergreifen die «Geschädigten» aber mittlerweile ihrerseits die Initiative und versuchen, sich gegenseitig vor Übergriffen von Datenspionen zu schützen.

Unerlaubte Datenweitergabe

Für besondere Aufregung in diesem Zusammenhang sorgte wieder einmal Facebook: User von Drittentwickler-Programmen, die auf der Seite eingebunden sind, haben das Social Network wegen unerlaubter Datenweitergabe an Werbefirmen verklagt.

Eine eigene Erwähnung hat in jedem Fall auch der umstrittene Deutschland-Start von Google Street View verdient, dem heftige Proteste von verärgerten Bürgern und Datenschützern vorangegangen sind.

(ht/pte)

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