Rückblick auf 155 Jahre America´s Cup
publiziert: Freitag, 22. Jun 2007 / 20:30 Uhr

Was vor fast 156 Jahren mit einer komplett missglückten britischen Machtdemonstration begann, ist zu einem der weltweit grössten Sportanlässe gediehen.

Das war im Jahr 2003: Das Team Alinghi mit Ernesto Bertarelli feiert den Sieg mit dem legendären Pokal.
Das war im Jahr 2003: Das Team Alinghi mit Ernesto Bertarelli feiert den Sieg mit dem legendären Pokal.
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Eine Zusammenfassung historischer Momente des America´s Cup beginnt damit, dass der Anlass gar nie so hätte heissen dürfen -- zumindest, wenn britische Vorstellungen erfüllt worden wären.

Der erste Wettkampf im Jahre 1851 sollte eigentlich die Dominanz der britischen Seefahrt dokumentieren. Zur Regatta rund um die Isle of Wight traten 14 britische Boote an; dem einzigen amerikanischen Teilnehmer war eine Statistenrolle zugedacht.

Doch der Schoner «America» deklassierte am 22. August 1851 alle Konkurrenten, womit der von Queen Victoria gestiftete «100-Guinea-Cup» einen unerwarteten Bestimmungsort fand. Die Legende hält sich, dass sich die Monarchin an Bord ihrer Jacht leicht indigniert nach dem Namen des Zweitklassierten erkundigt habe, um das beste Verliererteam trösten zu können. «Es gibt keinen Zweiten, Ihre Majestät», habe die Antwort gelautet, die -- ob so oder anders formuliert -- das Geschehen perfekt illustrierte.

Freundschaftlicher Länderwettkampf organisieren

Commodore John Stevens, der Chef des US-Syndikats, überlegte sich nach dem Erfolg, ob er den Silberpokal einschmelzen und daraus Medaillen für jedes Crewmitglied machen sollte. Er sah zum Glück davon ab und beschloss, die Trophäe dem New York Yacht Club zu stiften, mit der Auflage allerdings, regelmässig einen «freundschaftlichen Länderwettkampf» zu organisieren. Diese hehre Maxime stellte sich alsbald als Wunschtraum heraus.

Der Wettkampf, der zum Gedenken an den siegreichen Schoner «America´s Cup» genannt wurde, mutierte zusehends zu einem gnadenlosen Ellbogenkampf, in dem die Titelverteidiger das Regelwerk zumeist nach den eigenen Bedürfnissen interpretierten.

Seit einigen Dekaden ist die juristische Abteilung fast ebenso wichtig wie das Segelteam. Die Bestimmungen zum Schutz der Titelverteidiger waren denn auch mitverantwortlich für die längste Siegserie in der Sportgeschichte: 24 Versuche schlugen fehl, dem New York Yacht Club die Trophäe zu entreissen, ehe 1983 «Australia II» gegen «Liberty» die Oberhand behielt.

Sir Thomas Lipton verlor fünfmal, aber immer mit Stil

Wegen des des amerikanischen Bürgerkriegs (1861 - 1865) konnten die Briten erst 1870 den ersten Versuch zur Eroberung des Cups unternehmen. Aber es ging im selben Stil weiter. Die Amerikaner waren schlichtweg zu stark und setzten sich insgesamt 16 weitzere Male gegen die Briten durch. Spezielle Berühmtheit erlangte Sir Thomas Lipton. Der schottische Tee-Baron lancierte zwischen 1899 und 1930 fünf aufeinanderfolgende Kampagnen, die er jedoch mit den Jachten «Shamrock I» bis «Shamrock V» allesamt verlor.

Obschon Lipton vom Titelverteidiger immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen wurden, blieb er seiner «Sportsmanship» stets treu, was ihn in den USA sehr populär machte und den Umsatz seines Teekrauts in die Höhe schnellen liess. «Die Herausforderungen haben mich jung, motiviert und hoffnungsvoll erhalten», sagte der «ewige Verlierer» kurz vor seinem Tod, als er noch den sechsten Versuch vorbereitete.

Nach einer kurzen Phase mit den neuen, pompösen Booten der J-Klasse und drei Siegen von Harold Vanderbilt zwischen 1930 und 1937 sorgte der Zweite Weltkrieg für eine Pause und finanzielle Rückbesinnung. Bei der Wiederaufnahme (1958) wurde mit 12-m-Jachten gesegelt, die halb so lang und etwa zehnmal billiger waren als ihre Vorgänger. Weil diese Jachten den Atlantik nur auf Frachtschiffen überqueren konnten, wurde die Stiftungsurkunde modifiziert; die Schiffe brauchten nun nicht mehr auf eigenem Kiel gen Westen zu segeln.

«Mister America´s Cup» mit zwei Schlappen

1983 endete die längste Dominanz aller Zeiten gleichwohl. Die «Australia II» mit Skipper John Bartrand setzte sich gegen die «Liberty» mit Dennis Conner mit 4:3 durch und entführte die Trophäe erstmals aus den USA (nach Perth). An der Westküste Australiens blieb sie indes nur vier Jahre lang. Conner rückte 1987 unter der Flagge des «San Diego Yacht Club» die Hierarchie wieder zurecht, indem er den Titelverteidiger mit 4:0 niederkanterte. Erst 1988 erklärte ein Gericht Conners Team zum Sieger über eine neuseeländische Maxi-Jacht.

Die heute noch bestehende International America´s Cup Class (IACC) wurde 1992 eingeführt. Conner feierte gegen den «Moro di Venezia» des später freiwillig aus dem Leben geschiedenen Raoul Gardini den letzten seiner vier Siege (mit 4:1 auf der «America3»), ehe er drei Jahre später nochmals eine ganze Nation enttäuschte. In San Diego unterlag Conner mit der «Young America» den Neuseeländern mit 0:5 und «verschuldete» damit den zweiten Cupverlust.

Mit Conners langsamem Abgang begann der rasante Aufstieg von Russell Coutts. Der «Michael Schumacher des Segelsports» orchestrierte 2000 im Syndikat von Sir Peter Blake die Titelverteidigung perfekt und überliess das Steuer beim Stand von 4:0 seinem Protégé Dean Barker.

Drei Jahre später waren jedoch Barkers schmale Schultern vor Auckland dem Druck nicht gewachsen. Coutts, der inzwischen zusammen mit Weggefährten aus Neuseeland wie Brad Butterworth, Dean Phipps, Murray Jones oder Warwick Fleury beim Schweizer Cup-Debütanten Alinghi angeheuert hatte, feierte einen makellosen 5:0-Durchmarsch und versetzte damit seine Heimat in landesweite Tristesse.

Coutts hat 14 aufeinander folgende Final-Regatten gewonnen. Diese Serie wird er in den kommenden Tagen nicht verlängern können, weil er sich nach der Kampagne von 2003 mit dem Syndikatspräsidenten Ernesto Bertarelli überworfen hatte. Somit bleibt ihm die Rolle des fachkundigsten Zuschauers der Finalserie in Valencia.

(von Marco Keller/Si)

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