Rufer: «Es wird wahrscheinlich nie mehr so sein»
publiziert: Dienstag, 16. Jan 2007 / 09:05 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 16. Jan 2007 / 09:26 Uhr

Seit Jahren starten die Schweizer Boarder im Alpinsektor ausnahmslos als Favoriten. Obschon die Crew um Doppel-Olympiasieger Philipp Schoch jede verfügbare Trophäe gewonnen hat, ist ihr Stellenwert im nationalen Sport weiterhin gering. Erfolgscoach Christian Rufer verneint diese Einschätzung nicht.

Rufer: «Ich habe eine Familie mit drei Kindern. Und in meinem Job ist die Zeit der Absenz enorm lang.»
Rufer: «Ich habe eine Familie mit drei Kindern. Und in meinem Job ist die Zeit der Absenz enorm lang.»
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Im folgenden Interview macht sich der smarte Alpin-Chef zur öffentlichen Wahrnehmung Gedanken und befasst sich mit der mittelfristigen Zukunft seiner Weltklasse-Equipe.

Ob er seinen Vertrag beim Verband verlängern wird, liess der dreifache Familienvater offen. Vorstellbar sei auch die Rückkehr in den vernachlässigten Nachwuchsbereich.

Die Schweizer Alpin-Crew hat vor einem Jahr in Turin zweimal Olympia-Gold gewonnen. Und doch ringen Ihre Fahrer noch immer um die Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit. Teilen Sie diesen Eindruck?

Christian Rufer: «Es ist leider so, ja. Obschon es weltweit und auch in anderen Sportarten wohl keine Nationalmannschaft mit einer derart grossen Leistungsdichte gibt. Ein Team mit acht Fahrern, die alle gewinnen können, ist schlicht einzigartig. Athleten, die als Favoriten anreisen und wie in Turin dann dieser Rolle vollumfänglich gerecht werden, sind nicht hoch genug einzustufen. Die Frage der Wahrnehmung ist eine andere. Ich habe mir die Zeit noch nicht genommen, dieses Problem zu analysieren. Ich will meine Energie nicht für etwas aufwenden, das ich jetzt nicht ändern kann. Vielleicht werde ich mich später einmal damit befassen. In einem anderen Job, wo ich diesbezüglich unter Umständen mehr bewirken kann.»

Der Dominanz wird vermutlich eher früher als später einmal enden. Spätestens, wenn die Schoch-Brüder und weitere ältere Teamstützen wie Jaquet oder Eiselin aufhören, droht der Rückfall.

Rufer: «Für die nächsten fünf oder zehn Jahre dürfte sich an der Ausgangslage in der Tat einiges ändern. Aber ich würde es einmal so sagen: Wir werden nicht einfach ein schlechtes Team haben, sondern einfach ein normales. Es werden vielleicht nur noch zwei von fünf Fahrern für den Sieg in Frage kommen. Es wird einfach wieder ein bisschen normaler werden. Jetzt sind wir in einer womöglich einzigartigen Situation, die wahrscheinlich nie mehr so sein wird.»

Ist es vorstellbar, dass Sie nach Unmengen von Erfolgsmeldungen einfach problemlos wieder ein Trainer von «Normalen» sind?

Rufer: «Das ist nicht ausgeschlossen. Aber ob es mein Weg sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich bin über die Junioren und das B-Kader zur Nationalmannschaft gekommen. Vielleicht wird ja ein Konzept entwickelt, und ich setze es im Nachwuchs um. Vielleicht bleibe ich auch Trainer der Nationalmannschaft.»

Von welchen Faktoren machen Sie eine Vertragsverlängerung abhängig?

Rufer: «Ich habe eine Familie mit drei Kindern. Und in meinem Job ist die Zeit der Absenz enorm lang. Ich werde mir die Frage stellen müssen, wieviel Aufwand ich meiner eigenen Familie zumuten kann und wieviel wert mir die Snowboard-Familie ist. Ich muss einfach sehen, was zu verantworten ist. Zu meinem grossen Glück managt meine Frau zu Hause alles wunderbar. Das ist bis jetzt perfekt aufgegangen. Aber vielleicht kommt ja auch ein Angebot aus einem anderen Bereich, das sich finanziell lohnt. Dann bin ich unter Umständen schnell weg.»

Nochmals zurück zur eher problematischen Entwicklung im Nachwuchsbereich. Gibt es Konzepte?

Rufer: «Der Verband investiert sehr viel Geld und Ressourcen in die Ausbildung der Skifahrer. Viele springen dann aber kurz vor dem Übertritt in den Spitzensport ab. Diese Abgänge müsste man erfassen und auffangen. Marc Iselin beispielsweise kommt auch aus dem Skirennsport und ist für mich ein idealer Quereinsteiger. Ehemalige Skifahrer verfügen im Schnee über ein exzellentes Gleitgefühl. Ich bin überzeugt davon, dass man mit einer entsprechenden Förderung einige dieser Abgänger für den Snowboardsport gewinnen könnte. Mit relativ wenig Aufwand wäre so innerhalb von wenigen Jahren der Aufbau eines Spitzenteams möglich.»

(von Sven Schoch/Si)

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