Ruhestand für Atom-Opa
publiziert: Dienstag, 18. Aug 2015 / 10:37 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 18. Aug 2015 / 16:32 Uhr
Atom-Opa Beznau: Sind fehlende Dokumente wirklich unbedenklich?
Atom-Opa Beznau: Sind fehlende Dokumente wirklich unbedenklich?

Beim Uralt-AKW-Beznau I fehlen Unterlagen zur Wärmebehandlung des Reaktordruckbehälters. Kein Problem, findet die Betreiberin AXPO zusammen mit der Aufsichtsbehörde ENSI. Sehr wohl, findet Greenpeace.

6 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Artikel im Bund
Der Bericht über die fehlenden Unterlagen.
derbund.ch

Als einmal ein Paar sehr teurer Kurbeln am Mountainbikes des Autors sich langsam beim Fahren nach Aussen zu biegen und Spiel auf der Tretlagerachse zu entwickeln begann, war dies ein recht teurer Ärger aber ansonsten nicht wirklich desaströs. Es stellte sich in der Folge heraus, dass das Material der Kurbeln nicht korrekt wärmebehandelt worden war. In diesem Fall hätten die Kurbeln vor dem Fräsen für mindestens eine halbe Stunde auf ca. 500° C erhitzt, danach mit Wasser abgeschreckt und dann nochmals für mehrere Stunden bei ca. 150° C «ausgelagert» werden müssen, um die erforderliche Stärke zu erreichen.

Wofür, so darf man sich fragen, braucht Metall denn eine solche Saunakur? Laut Metallurgen hat dies mit der molekularen Struktur zu tun, welche beim definierten Behandeln mit Wärme neu arrangiert wird. Das Resultat sind jeweils stärkere und langlebigere Werkteile im jeweiligen Einsatzbereich.

In der Industrie ist es heutzutage üblich, dass jedes Werkteil, das im Einsatz besonderen Belastungen ausgesetzt ist und deshalb in der Fertigung besonders behandelt werden muss, mit einer vollständigen Fertigungs-Dokumentation ausgeliefert wird. Vor 50 Jahren war das noch nicht überall der Fall. So auch nicht beim Reaktordruckbehälter des AKW's Beznau I, das seit 1969 in Betrieb ist. Dort fehlen detaillierte Unterlagen über die Wärmebehandlung der verwendeten Teile.

Dies ist - wie der «Bund» berichtet - sehr pikant, da in Belgien bei zwei Kernreaktoren Haarrisse in den Schmiedeteilen des Reaktordruckbehälters gefunden wurden und diese Schäden auf eine mangelhafte Wärmebehandlung dieser Teile zurückzuführen sein dürften. Bei diesen Behältern sorgt die Wärmebehandlung unter anderem dafür, dass sie den ständigen Beschuss durch Neutronen, der bei der Kernspaltung stattfindet, besser überdauern und nicht spröde und rissig werden. Die beiden belgischen Reaktoren wurden vom Netz genommen und dürften bis auf weiteres - wenn nicht gar permanent - abgeschaltet bleiben. Bei einem Betriebsdruck von über 150 Bar und einem hoch radioaktiven Inhalt vermutlich eine kluge Entscheidung.

Beznau I ist unterdessen - wegen bei einer Ultraschalluntersuchung im Juli festgestellten «Unregelmässigkeiten» - auch abgeschaltet. Die AXPO solle diese Unregelmässigkeiten auf Geheiss des ENSI nun analysieren und danach wird entschieden, ob Beznau eins wieder hochgefahren werden darf.

Dabei spielt es zur Empörung von Greenpeace keine Rolle, dass die oben genannte Dokumentation fehlt, denn damals habe noch keine entsprechende Verpflichtung zu einem solchen Nachweis bestanden. Doch damals ging man auch nur von einer Lebensdauer der Kraftwerke von gut 30 Jahren aus. Beznau I hat diese bereits um mehr als 50% überschritten und die Belastung der Materialien durch die Radioaktivität hat sich entsprechend stärker kumuliert.

Für das ENSI ist, da den Vorschriften Genüge getan ist, die Sache klar: Die Ungewissheit über die korrekte Wärmebehandlung des Reaktordruckbehälters ist kein Grund für den Entzug der Betriebsgenehmigung, vorausgesetzt, dass die gefundenen «Unregelmässigkeiten» für unbedenklich erklärt werden können.

Angesichts des Alters des Kraftwerkes (es ist das älteste AKW der Welt, das noch in Betrieb ist!), der fehlenden (oder genauer gesagt: nicht vorhandenen) Dokumentation und der Probleme, die in Belgien gefunden wurden, wäre es an der Zeit, Beznau I trotzdem zu schliessen. Auch wenn dieses vermutlich schon längst amortisierte Kraftwerk für die AXPO - wenn es denn läuft - eine wertvolle Cash-Kuh ist, die wertvollen Bandstrom, der sich gut verkaufen lässt, produziert. Doch wie dem auch sein mag: Beznau ist ein radioktiver Dampfkochtopf, dessen Herzstück womöglich fehlerhaft hergestellt wurde; bei einem solchen Kraftwerk ist dies einfach ein zu grosses Risiko. Also AXPO, bitte schickt diesen Atom-Opa in den Ruhestand!

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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Das ENSI sieht bereits vor, internationale Experten beizuziehen.
wow..
Etschmayer erklärt uns das Härten;)

"Wofür, so darf man sich fragen, braucht Metall denn eine solche Saunakur? Laut Metallurgen hat dies mit der molekularen Struktur zu tun, welche beim definierten Behandeln mit Wärme neu arrangiert wird. "

Also, Herr Etschmayer, mit DIESEN Metallurgen hätte ich doch gerne mal gesprochen;)

Metalle sind nicht molekular aufgebaut, sondern eben metallisch.
Schauen Sie mal auf einem Periodensystem nach. Sie finden dort drei Gruppen von Elementen. Eine kleine Gruppe von Nichtmetallen ganz rechts, davon gibt es genau deren 15.
Eine weitere kleine Gruppe sind Halbmetalle, nämlich deren 8.
Alle anderen gehören zu den Metallen.

Nun zu den Bindungseigenschaften dieser Elemente.
Nichtmetalle bilden Moleküle. Dabei verbinden sich einzelne Atome, meist in kleiner Zahl, zu Molekeln.
Ein prominentes Beispiel dafür ist Sauerstoff, welches aus 2 gebundenen Sauerstoffatomen gebildet wird. Die ganze organische Chemie ist da angesiedelt.
Diese Verbindungen werden durch die sog. Valenzelektronen bewerkstelligt. Das wiederum sind die Elektronen in der jeweils äussersten Atomschale. Solche Elektronen verbinden sich paarweise mit denen anderer Atome. Deshalb nennt man diese Art von Verbindungen auch Elektronen-Paar-Bindungen.

Metalle binden sich nicht auf diese Weise und bilden darum keine Moleküle.
In Metallen ist die Anziehungskraft des Kerns, die dieser auf die Valenzelektronen ausübt, derart gering, dass sich diese frei zwischen allen Atomrümpfen (= Atome ohne Valenzelektronen) bewegen können.
Das ist übrigens auch der Grund dafür, dass Metalle elektrischen Strom leiten. Die dabei bewegten Ladungsträger sind nichts anderes, als die Valenzelektronen der Metallatome.

Die jeweils positiv geladenen Atomrümpfe (durch den Verlust ihrer Valenzelektronen) stossen sich gegenseitig ab. Das wird nur durch die negativ geladenen Valenzelektronen verhindert, die sich frei zwischen den Atomrümpfen bewegen und dabei eine Art "Nebel" bilden. Man spricht in diesem Zusammenhang von Elektronennebel.

Dadurch wird die Bindung zwischen den Atomen in einem Metall grundsätzlich schwach, viel schwächer als bei Molekülen. Das ist der Grund, weshalb die meisten Metalle in gediegener Form WEICH sind.
Das ist auch bei Eisen der Fall. Deshalb erhöht man die Festigkeit durch Einmischen von Fremdatomen (Legieren) unterschiedlicher Grösse. Je verschiedener diese einzelnen Atome sind und je grösser das "Chaos" in ihrer Anordnung, desto härter wird das Metall.

Es handelt sich also bei diesem Härtevorgang, der durch abwechselnd hohe und tiefe Temperaturen erreicht wird, der die Atome "durcheinander" bringt, auf keinen Fall um eine "molekulare Struktur".

Falls Ihnen diese Metallurgen tatsächlich so einen Schwachsinn erzählt haben, richten Sie denen einen schönen Gruss aus - es sei enttäuschend, wenn sog. "Fachleute" keinen Dunst davon haben, was sie tun.
Denn das Erzählen von Schwachsinn wollen wir doch künftig Kassandra überlassen. Das reicht vollkommen.
Gruss, keinschaf
.
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