Jahrelang in Gefangenschaft
Russische Sekte sperrt Kinder in Bunker
publiziert: Donnerstag, 9. Aug 2012 / 11:31 Uhr
Saratows Anhänger durften keinen Kontakt zur Aussenwelt aufnehmen. (Symbolbild)
Saratows Anhänger durften keinen Kontakt zur Aussenwelt aufnehmen. (Symbolbild)

Moskau - Kein Arzt, kein Lehrer, keine frische Luft: Mehr als 20 Kinder mussten in Russland jahrelang in einem unterirdischen Zellensystem ausharren. Ihre Eltern vertrauten einem Sektenchef, der seine Jünger von der Aussenwelt abschottet.

Eine russische Sekte lebte mit den Kindern jahrelang ohne Sonnenlicht, Heizung und Strom in einem unterirdischen Bunkersystem. «Die Kinder sind nie zur Schule gegangen und waren kaum über der Erde», teilten die Behörden in der Stadt Kasan der Zeitung «Komsomolskaja Prawda» zufolge mit.

«Sie waren schmutzig, trugen Lumpen und wurden nie von Ärzten untersucht», hiess es zu den Kindern. Die rund 70 Mitglieder lebten mehr als zehn Jahre in den zellenartigen Wohnräumen, die bis zu sieben Stockwerke tief unter die Erde gebaut worden waren.

Mit Weltuntergang gedroht

Die Kinder sind nach Medienangaben zwischen 18 Monaten und 17 Jahren alt. Sie kamen in Kliniken und sollen dann in Waisenhäusern betreut werden, wie der Kinderschutzbeauftragte der Regierung, Pawel Astachow, der Nachrichtenagentur Ria Nowosti sagte.

Die Behörden in der muslimisch geprägten Teilrepublik Tatarstan ermitteln gegen den 83 Jahre alten Sektenchef Faisrachman Satarow, weil er «das Recht in die eigene Hand genommen hat». Den Eltern drohen Verfahren wegen der Misshandlung Schutzbefohlener. Festnahmen gab es bisher nicht.

Satarows Anhänger in der Wolga-Stadt Kasan - rund 800 Kilometer östlich von Moskau - drohen der «Komsomolskaja Prawda» zufolge, den Weltuntergang heraufzubeschwören, falls ihnen die Behörden nicht ihre Kinder zurückgeben. Auch gegen den angekündigten Abriss des illegal gebauten Hauses ihres «Propheten» kündigten sie Widerstand an.

Flucht vor Schulden

Die «Faisrachmanisten» hätten sich bereits 2001 von der Aussenwelt abgeschottet, schrieb das Blatt. Der Grund war angeblich durchaus weltlich: Die Gemeinschaft habe hohe Schulden gehabt.

Auf dem von Mauern umgebenen Gelände nahe einer Bahnstrecke steht eine kleine Moschee. Zudem verfüge die Sekte über eine Dieselstation und sogar eigene Brunnen.

Die Frauen hätten ihre Kinder auf dem Gelände geboren. Unterricht gab der selbst ernannte Prophet Satarow. Seine Anhänger durften - bis auf wenige Ausnahmen - das Gelände nicht verlassen und keinen Kontakt zur Aussenwelt aufnehmen.

Satarow erklärte sich Medien zufolge Ende der 1980er Jahre zum Propheten. Nachdem er 1996 das etwa 700 Quadratmeter grosse Gelände am Stadtrand von Kasan gekauft hatte, befahl Satarow seinen Jüngern, dort das unterirdische Zellensystem zu errichten.

Die Behörden waren auf den Fall aufmerksam geworden, als ein Spezialkommando wegen Ermittlungen in einem Mord an einem muslimischen Geistlichen das Gelände stürmte. Der Verdacht auf Terrorismus bestätigte sich nicht.

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, ...
Andreas Kyriacou Die Klage des türkischen Möchtegern-Alleinherrschers Recep Erdogan gegen den Deutschen Satiriker Jan Böhmermann führte zur Einsicht, dass es für moderne Staaten an der Zeit ist, ihre Strafgesetzbücher zu entschlacken... mehr lesen  
Genf hält an umstrittener Fotoausstellung fest Genf - Die Stadt Genf hält trotz des Drucks aus Ankara an einer ...
Ankara protestiert bei der Stadt Genf wegen eines Fotos Genf - Ankara ist erzürnt über eine in Genf ausgestellte ...
Erziehungsberechtigten drohen Sanktionen  Liestal - Im Kanton Baselland dürfen Schülerinnen und Schüler nicht mehr den Handschlag aus religiösen Gründen verweigern. Tun sie dies trotzdem, drohen Sanktionen.   1
Die FIDS liess verlauten, dass ein Händedruck zwischen Mann und Frau «theologisch erlaubt ist». (Symbolbild)
Handschlag-Dispens für Sommaruga inakzeptabel Liestal/Therwil BL - Die Praxis an einer Baselbieter Schule, muslimische Schüler vom Handschlag mit ihren Lehrerinnen zu ... 1
Titel Forum Teaser
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Basel 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Gewitter möglich
St. Gallen 14°C 23°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter vereinzelte Gewitter
Bern 13°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Luzern 14°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen gewitterhaft
Genf 12°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Lugano 16°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Gewitter möglich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten