Russische Truppen planen keine Einnahme von Tiflis
publiziert: Montag, 11. Aug 2008 / 11:48 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 12. Aug 2008 / 00:01 Uhr

Tiflis/Moskau - Ungeachtet aller westlichen Vermittlungsversuche hat sich der Krieg am Kaukasus ausgeweitet. Russische Truppen drangen am Montag nach Zentralgeorgien vor und besetzten Stellungen. Welche Städte besetzt wurden, blieb unklar.

6 Meldungen im Zusammenhang
Meldungen, wonach die russischen Truppen gar Richtung Tiflis vordrangen, wurden am Abend wieder relativiert. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili räumte ein, die Hauptstadt sei nicht akut bedroht.

«Pläne, nach Tiflis vorzudringen, hatten wir nie und haben wir nicht», sagte ein Vertreter des Moskauer Verteidigungsministeriums nach Angaben der Agentur Interfax. Auch die Einnahme von Gori dementierte Moskau. Gori liegt in der Nähe der Grenze zu Südossetien und ist nur 60 Kilometer von Tiflis entfernt.

Senaki besetzt

Bereits am Nachmittag waren dutzende Fahrzeuge von Abchasien aus im westgeorgischen Stützpunkt Senaki eingedrungen, wie die Führung in Moskau bestätigte. Die Stadt liegt 300 Kilometer westlich von Tiflis. Am Abend meldeten russische Nachrichtenagenturen jedoch den Rückzug aus Senaki.

Von hier aus wollte Russland weiteren Artilleriebeschuss auf Südossetien unterbinden und georgische Truppenbewegungen verhindern. Die georgischen Truppen sind überall in der Defensive - auch in Abchasien, der zweiten abtrünnigen Region.

«Dies ist ein Versuch, Georgien völlig zu erobern und zu zerstören», sagte Saakaschwili am Abend nach Angaben georgischer Medien.

Einseitige Feuerpause

Zuvor hatte er in einer Fernsehansprache beteuert, dass sein Land nicht weiter gegen Russland kämpfen wolle. Im Beisein des französischen EU-Ratsvorsitzenden Bernard Kouchner unterzeichnete er eine einseitige Feuerpause.

Dies hatte Moskau als Voraussetzung für eine Einstellung der Kämpfe gefordert. Kouchner und auch die sieben wichtigsten Industriestaaten (G-7) riefen Russland auf, die Vereinbarung zum Waffenstillstand ebenfalls zu unterschreiben.

Zehntausende auf der Flucht

Moskau machte geltend, Georgien setzte seine Angriffe namentlich in Südossetien trotz aller Beteuerungen fort. In Südossetien seien bislang 1600 Menschen umgekommen. Georgien nannte diese Zahl stark übertrieben. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat weiter keinen Zugang zum Gebiet und nennt keine Opferzahl.

Sicher sei, dass zehntausende Menschen vor den Kämpfen in Südossetien und Georgien geflohen seien, erklärte das IKRK. Die Organisation will in Kürze eine Hilfslieferung mit 15 Tonnen Medizinalgütern und Material für die Wasserversorgung in den Südkaukasus schicken.

Kouchner bei Medwedew

Die westlichen Bemühungen zur Beilegung des Konflikts laufen weiter auf Hochtouren. Der EU-Ratsvorsitzende Kouchner wollte noch am Montag von Tiflis nach Moskau weiterreisen und dort den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew treffen. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy wird am Dienstag in Moskau erwartet.

Der Kaukasus-Konflikt verschärfte die Spannungen zwischen Moskau und Washington. Gegenüber Russlands Regierungschef Wladimir Putin habe er die Angriffe auf Georgien scharf verurteilt, sagte US-Präsident George W. Bush. Putin warf den USA vor, den Konflikt mit ihrer Zustimmung zum Abzug georgischer Truppen aus dem Irak anzuheizen.

(fest/sda)

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transportieren die Rohstoffe nicht durch die Länder, doch der Griff der Russen (wenn er auch schon eingestellt wurde) zeigte den Georgiern deutlich, dass Russland willens ist seine Armee für ihre Zwecke einzusetzen. Dagegen stehen die Verbündeten (USA und die EU) auf dem Schlauch. Immerhin brauchen wir Westler auch die Rohstoffe aus Russland, weshalb sich die Russen in ihrer Region wieder einiges erlauben können. Hier ist sicherlich die Beinflussung der Bevölkerung wichtig gewesen: Seht, wir marschieren und der Westen steht still! Auch dies erinnert mich fatal an 1939... an Polen. Da haben Frankreich und England auch nur geredet und nichts ist passiert.
Wegen ein paar Bergziegen..
..würden die Russen kaum so ein Aufhebens um die Kaukas-Länderein machen. Geostrategische Überlegung dominieren die Politik in Ost und West. Nicht nur die Rohstofflager müssen beschützt werden, auch die Leitungen und Zugänge zu den Häfen sind von vitalem Interesse. In der welt.de einige Hintergrundinfors zum Thema:

http://www.welt.de/politik/arti2311587/Russlands_Griff_nach_den_Energi...
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