IAAF-Führung berät über Doping-Skandal
Russland droht Rauswurf
publiziert: Freitag, 13. Nov 2015 / 00:01 Uhr / aktualisiert: Freitag, 13. Nov 2015 / 08:02 Uhr
Grosser Druck auf Sebastian Coe. (Archivbild)
Grosser Druck auf Sebastian Coe. (Archivbild)

Das Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF hält heute Freitag eine Krisensitzung zum Doping-Skandal in Russland ab. Der grossen Sport-Nation droht der Ausschluss aus der IAAF. Vorher sollen sich die Russen aber erst einmal offiziell erklären.

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Möglicherweise fällt schon bei der ersten Krisensitzung der IAAF ein Entscheid über den Ausschluss der russischen Athleten aus dem Weltverband und von den Olympischen Spielen 2016. Möglicherweise bleibt die aber noch aus, da der neue IAAF-Präsident Sebastian Coe ebenfalls bis heute eine Stellungnahme des russischen Verbandes zu den gravierenden Vorwürfen angefordert hat.

Seine eigene Tendenz hat der frühere Weltklasse-Läufer in dieser Woche schon einmal anklingen lassen. Er halte die Einbeziehung der Russen im Zweifel für besser als ihre Ausgrenzung, sagte Coe. Der öffentliche Druck auf dem 27-köpfigen Council der IAAF ist aber gewaltig, da nicht zuletzt die Ermittlungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA in ihrem Bericht empfohlen hat, die Russen vorerst aus dem Weltverband auszuschliessen.

Stabhochsprung-Legende Sergej Bubka sprach sich gegen eine Kollektivstrafe für die russischen Leichtathleten und zugleich für den Schutz der unbescholtenen Sportler aus. «Sie sollten nicht darunter leiden. Es ist unsere Pflicht, die sauberen Athleten zu schützen», sagte der IAAF-Vizepräsident. «Wir müssen harte Entscheide treffen, ohne Zweifel», sagte der 51 Jahre alte Ukrainer. «Es könnte eine provisorische Suspendierung sein.» Man werde den russischen Verband rigoros zum Handeln drängen, kündigte Bubka an. «Wenn sie den richtigen Weg beschreiten, dann können sie möglicherweise vor Rio zurückkommen.»

Klare Worte aus den USA

Für einen Ausschluss hatte sich dagegen der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur ausgesprochen. «Russischen Athleten sollte nicht mehr erlaubt werden, auf der grossen Bühne zu starten. Denn das, was jetzt herausgekommen ist, verletzt die Rechte aller sauberen Athleten», sagte USADA-Chef Travis Tygart.

Der Mann, dessen Organisation 2012 in einem Bericht das systematische Doping der Radsport-Legende Lance Armstrong aufgedeckt hat, forderte ausserdem: «Die betroffenen Athleten und ihre Trainer müssen bestraft und ihre Preisgelder sowie Medaillen zurückgegeben werden. Der russische Verband, die Kontroll-Labore und die Nationale Anti-Doping-Agentur müssen zur Verantwortung gezogen werden.»

Widerstand aus Russland

Von Reform- oder nur Aufklärungsbereitschaft ist man in Russland weit entfernt. Am Mittwochabend schaltete sich auch Russlands Präsident Wladimir Putin in die Affäre um Korruption und systematisches Doping in seinem Land ein und wehrte sich gegen eine mögliche «Kollektivstrafe» für die russischen Leichtathleten. Putin forderte eine weitere Untersuchung des Skandals ausgerechnet durch einheimische Behörden.

Im Vergleich zu seinem Sportminister Witali Mutko klang der Präsident aber noch zurückhaltend. Russland werde «die Ehre der Athleten» verteidigen, sagte Mutko in Sotschi. «Wer nicht des Dopings überführt wurde, sollte an Wettbewerben teilnehmen. Anders kann es nicht sein.» Multifunktionär Mutko wird in dem WADA-Report beschuldigt, selbst eine zentrale Figur des Dopingsystems zu sein.

Unter Druck aus der Heimat geriet derweil Valentin Balachnitschew, der frühere Präsidenten des heimischen Leichtathletikverbandes. Die Ethikkommission des russischen Nationalen Olympischen Komitees empfahl ihm, das Exekutivkomitee zu verlassen. Die Kommission begründete dies auf einer Sondersitzung am Donnerstag mit internationalen Regeln, wonach niemand eine olympische Funktion ausüben darf, «der einen Schatten auf die Reputation der olympischen Bewegung werfen könnte». verteidigen, sagte Mutko in Sotschi.

(bert/Si)

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