Luftangriffe auf verschiedene Stellungen
Russland geht trotz Kritik an die Front
publiziert: Freitag, 2. Okt 2015 / 22:05 Uhr / aktualisiert: Samstag, 3. Okt 2015 / 00:13 Uhr

Paris/Damaskus - Russland setzt seine Luftangriffe auf verschiedene Stellungen in Syrien fort, ungeachtet anhaltender internationaler Kritik. Moskau geht nach eigenen Angaben von einem mehrmonatigem militärischen Engagement aus.

9 Meldungen im Zusammenhang

Die Angriffe würden mindestens noch "drei bis vier Monate" fortgesetzt, sagte am Freitag der Vorsitzende des aussenpolitischen Ausschusses des russischen Parlaments, Alexej Puschkow, dem französischen Sender Europe 1. Und auch die Intensität könne noch gesteigert werden.

Die russische Luftwaffe bombardiert seit Mittwoch Ziele in Syrien. Alleine am Donnerstag wurden dabei nach Angaben von Aktivisten mindestens sieben Zivilisten getötet, darunter zwei Kinder. Nach Moskauer Darstellung richten sich die Angriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und andere extremistische Gruppen.

Iranische Bodentruppen?

Die USA und Russland begannen inzwischen mit Absprachen auf militärischer Ebene. Damit sollen Missverständnisse ihrer Streitkräfte in Syrien verhindert werden. Es habe einen "freundlichen und professionellen Austausch" gegeben, sagte Pentagonsprecher Peter Cook am Donnerstag.

Derweil kursierten am Freitag unbestätigte Informationen, wonach Iran Bodentruppen nach Syrien entsandt habe. Sie sollten mit russischer Unterstützung aus der Luft vorrücken, meldete etwa der US-Sender Fox News.

Ein ranghoher iranischer Diplomat wies die Meldungen zurück. "Iranische Militärberater waren schon immer in Syrien", sagte er der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Es gebe keine Notwendigkeit, bewaffnete Einheiten dorthin zu schicken.

"Rezept für Katastrophe"

Die russischen Luftangriffe in Syrien stärken nach Einschätzung von US-Präsident Barack Obama den IS. Russland schwäche die gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpfende, gemässigte Opposition, sagte Obama. "Die russische Politik treibt (die Rebellen) in den Untergrund oder erzeugt eine Situation, in der sie geschwächt werden, und es stärkt IS nur. Und das ist für niemanden gut."

Der russisch-iranische Ansatz zur Lösung des verheerenden Bürgerkriegs sei zum Scheitern verurteilt, sagte Obama. "Aus ihrer Perspektive sind (die Rebellen und die Kämpfer der IS-Terrormiliz) alle Terroristen, und das ist ein Rezept für eine Katastrophe."

Seit Beginn der russischen Luftangriffe reist die internationale Kritik nicht ab. Auch eine breite internationale Koalition wirft Russland vor, den Syrien-Konflikt eskalieren zu lassen. In einer gemeinsamen Erklärung forderten Deutschland, die USA, Frankreich, Grossbritannien, die Türkei, Saudi-Arabien und Katar den sofortigen Stopp von Luftangriffen auf die gemässigte Opposition.

Die westlich-arabische Anti-IS-Koalition wirft Moskau vor, bislang vor allem die gemässigten Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad angegriffen zu haben. Insbesondere die Luftangriffe auf Hama, Homs und Idlib mit zahlreichen Toten in der Zivilbevölkerung seien nicht gegen die IS-Terrormiliz gerichtet gewesen, heisst es in der Erklärung der westlich-arabischen Anti-IS-Koalition.

Syrien-Gespräche in Paris

Vor einem Ukraine-Gipfel in Paris traf am Freitag Frankreichs Staatspräsident François Hollande mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin zusammen. Dabei bemühten sie sich nach Angaben der französischen Seite, Differenzen bei der Frage eines politischen Übergangs in Syrien zu überbrücken.

Frankreich ist erklärter Gegner von Assad. Im Anschluss kam es auch zu einer Begegnung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Putin.

Assad will Luftschläge "koordinieren"

Gleichzeitig kündigte der syrische Aussenminister am Freitag bei der UNO-Generaldebatte in New York an, Assads Regierung sei zu einer Teilnahme an neuen Friedensgesprächen unter Schirmherrschaft der UNO bereit. Die Diskussionen seien aber "vorläufig" und "nicht bindend".

Die syrische Regierung fordere zudem ein Recht, die ausländischen Luftschläge im Land zu koordinieren. "Luftschläge sind nutzlos, solange sie nicht von der syrischen Armee koordiniert werden", sagte Syriens Aussenminister Walid al-Muallim vor der UNO-Vollversammlung.

Der UNO-Syrien-Gesandte Staffan de Mistura hatte Ende Juli angekündigt, einen neuen Anlauf für eine politische Lösung im Syrien-Konflikt zu unternehmen. Der Plan sieht vor, dass die Konfliktparteien in Arbeitsgruppen auf mehreren Themenfeldern wie dem Schutz von Zivilisten, Wiederaufbau und verfassungsrechtliche Fragen in einen Dialog einsteigen.

Frühere Verhandlungen unter der Ägide der Vereinten Nationen waren in den Jahren 2012 und 2014 gescheitert.

(nir/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Washington - Die USA vermuten, ... mehr lesen
Russland werde sein Vorgehen in Syrien koordinieren.
Beirut - Russlands Präsident Wladimir Putin hat Meldungen der syrischen Opposition bestätigt, wonach die russische Luftwaffe die syrischen Streitkräfte bei ihrer Bodenoffensive in der ... mehr lesen
Beirut - Im Westen Syriens hat nach ... mehr lesen
Die Regierungstruppen gehen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe gegen die Rebellen vor.
Ankara - An der syrischen Grenze ... mehr lesen
Genf - Die russische Luftwaffe hat ... mehr lesen 1
Weitere Artikel im Zusammenhang
«Beide Seiten sind durchaus aufeinander zugegangen»
Paris - Deutschland und Frankreich sehen nach einem Gipfeltreffen in Paris leichte Fortschritte auf dem Weg zur Lösung des Konflikts in der Ostukraine. «Beide Seiten sind durchaus ... mehr lesen
Paris - Wegen bilateraler Gespräche ... mehr lesen
Paris/Damaskus - Eine breite ... mehr lesen
Moskau/Damaskus - Die russischen Luftangriffe in Syrien sollen nach Angaben eines einflussreichen Duma-Abgeordneten ... mehr lesen 1
Die Luftangriffe von Russland auf Syrien werden noch drei bis vier Monate andauern.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. Versuche von oppositionellen syrischen Kräften, die am Freitag begonnene ... mehr lesen 1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck nahm an der Gedenkfeier teil.
Erster Weltkrieg  Hamburg - Zum 100. Jahrestag der Skagerrak-Schlacht haben Deutschland und Grossbritannien am Dienstag gemeinsam der tausenden Toten des grössten Seegefechts der Geschichte ... mehr lesen  
NATO-Generalsekretär hält Rede in Warschau  Warschau - NATO-Generalsekretär Stoltenberg sieht das Bündnis wenige Wochen vor dem Warschauer Gipfel vor grossen Herausforderungen. Einen neuen Kalten Krieg will er trotz mehr Präsenz im Osten vermeiden. mehr lesen   1
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Source: http://www.news.ch/ajax/top5.aspx?ID=0&col=COL_3_1
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 5°C 16°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Basel 9°C 18°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
St. Gallen 8°C 16°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Bern 6°C 17°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Luzern 7°C 16°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Genf 7°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 10°C 17°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten