Putin mit Vorwurf
Russland reagiert empört auf Sanktionen
publiziert: Freitag, 12. Sep 2014 / 22:28 Uhr / aktualisiert: Samstag, 13. Sep 2014 / 00:49 Uhr
Wladimir Putin warf dem Westen vor, den Ukraine-Konflikt zu missbrauchen.
Wladimir Putin warf dem Westen vor, den Ukraine-Konflikt zu missbrauchen.

Brüssel/Moskau - Russland hat mit Unverständnis und Gegenvorwürfen auf die verschärften Sanktionen der EU und USA im Ukraine-Konflikt reagiert. Der russische Präsident Wladimir Putin wirft dem Westen vor, den Friedensprozess zu torpedieren.

10 Meldungen im Zusammenhang
Putin bezeichnete die jüngste Verschärfung gegen sein Land angesichts des Friedensplanes für die Ukraine als «schon etwas seltsam». Russland behalte sich Gegenmassnahmen vor. Putin warf dem Westen vor, den Ukraine-Konflikt «zur Wiederbelebung der NATO als aussenpolitisches Schlüsselinstrument» der USA zu missbrauchen.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow hatte zuvor gesagt, die EU habe sich offenbar bewusst entschieden, «den Friedensprozess zu schädigen».

«Ruhige und angemessene» Reaktion

Die Regierung in Moskau kündigte trotzdem eine «ruhige und angemessene» Reaktion an. In Duschanbe warb Putin zudem für eine engere wirtschaftliche Kooperation mit China und Zentralasien.

Die neuen Sanktionen der EU traten trotz der seit einer Woche haltenden Waffenruhe am Freitag in Kraft. Sie richten sich gegen die staatlichen Energiekonzerne Rosneft, Transneft und Gazprom sowie gegen mehrere Rüstungsunternehmen und Banken, denen die Kreditaufnahme in Europa erschwert wird. Betroffen sind auch 24 Einzelpersonen, die mit Einreiseverboten und Kontensperren belegt wurden.

Barroso fordert weitere Schritte für Frieden

EU-Kommissionschef José Manuel Barroso forderte weitere Schritte für eine dauerhafte Stabilisierung der Ukraine. Er nannte die Waffenruhe einen «positiven Schritt», der aber nicht ausreiche, um dauerhaften Frieden zu garantieren. Die neuen Sanktionen zeigten, dass «wir nicht zögern, auf Russlands inakzeptables Verhalten entschieden zu reagieren», sagte Barroso.

Der Westen wirft Russland vor, mit Waffenlieferungen und eigenen Soldaten in den Konflikt im Osten der Ukraine einzugreifen und die prorussischen Separatisten militärisch zu unterstützen. Moskau bestreitet dies. In den vergangenen Monaten wurden bei den Kämpfen mehr als 2700 Menschen getötet, mindestens 500'000 ergriffen die Flucht.

US-Präsident Barack Obama hatte am Donnerstag ebenfalls ein ganzes Bündel neuer Sanktionen gegen den russischen Finanz-, Energie- und Rüstungssektor angekündigt.

Freihandelsabkommen tritt später in Kraft

In der kommenden Woche will das ukrainische Parlament laut Präsident Petro Poroschenko das «historische» Assoziierungs- und Freihandelsabkommen mit der EU ratifizieren. Nach EU-Angaben soll es aber nicht wie geplant am 1. November in Kraft treten, sondern erst Ende kommenden Jahres. Darauf hätten sich die EU, Russland und die Ukraine verständigt, teilte EU-Handelskommissar Karel De Gucht am Freitag mit.

Die Ukraine werde bis dahin weiterhin einen privilegierten Zugang zum EU-Markt haben. Russland hatte damit gedroht, Zölle auf Importe aus der Ukraine zu erheben, wenn das Abkommen am 1. November in Kraft tritt. Bisher können Waren aus der Ukraine weitgehend zollfrei nach Russland exportiert werden.

Die Regierung in Moskau befürchtet, dass künftig Waren aus der EU, für die Russland Zölle erhebt, dann über die Ukraine zollfrei ins Land kommen könnten. Das würde nach ihren Berechnungen einen Einnahmeverlust von rund zwei Milliarden Euro ausmachen.

Weiterer Austausch von Gefangenen

Eine Woche nach Inkrafttreten einer Waffenruhe in der Ostukraine setzen die Führung in Kiew und die Separatisten den Austausch von Gefangenen fort. Die Aufständischen hätten innerhalb von 24 Stunden insgesamt 57 Soldaten übergeben, teilte das Präsidialamt in Kiew mit. Die Regierung habe im Gegenzug 31 prorussische Kämpfer freigelassen. Die UNO begann mit der Verteilung von Nahrungsmittelhilfen für die notleidende Bevölkerung in der umkämpften Ostukraine.

(bg/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Moskau - Russland will angesichts der westlichen Sanktionen enger mit China ... mehr lesen 1
Während eines Besuchs des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang unterzeichneten beide Seiten dazu in Moskau zahlreiche Finanz-, Handels- und Energie-Abkommen.
Die EU sieht keine besonderen Veränderungen der Lage in der Ukraine.
Brüssel - Die Europäische Union sieht in der Ukraine-Krise zwar «ermutigende Entwicklungen im politischen Prozess», jedoch noch keinen Grund für eine Lockerung ihrer Sanktionen gegen ... mehr lesen 1
Moskau - Russland ist nach den ... mehr lesen
Neustart möglich? (Archivbild)
Ölbohrinsel von ExxonMobil in der Arktis.
Washington - Der US-Energiekonzern Exxon legt wegen der amerikanischen Sanktionen gegen die Regierung in Moskau seine Bohrungen in der russischen Arktis auf Eis. Das sagte ein ... mehr lesen
Amsterdam - Mit einer Tomatenschlacht haben Hunderte Niederländer gegen das ... mehr lesen
Tomatenschlacht in Amsterdam.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Waleri Geletej braucht Waffen für die Ukraine.
Kiew - Mehrere NATO-Staaten haben nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministers Waleri Geletej im Ostukraine-Konflikt mit Waffenlieferungen für die Regierungstruppen ... mehr lesen
Grosse Sorgen beim ukrainischen Ministerpräsident - die Angst vor Putins Plänen wächst.
Kiew - Trotz der vereinbarten ... mehr lesen 4
Moskau - Ein Konvoi mit dutzenden russischen Lastwagen hat drei Wochen nach der ... mehr lesen 1
Ein Hilfskonvoi ist im Konfliktgebiet der Ostukraine unterwegs. (Archivbild)
US-Präsident Barack Obama kündigte für Freitag Massnahmen gegen Bereiche der russischen Wirtschaft an.
Brüssel/Moskau - Die neuen EU-Sanktionen gegen Russland sind offiziell in Kraft getreten. Die Strafmassnahmen sollen vor allem den Zugang russischer Banken zum EU-Kapitalmarkt ... mehr lesen 2
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Noch 51 Prozent befürworten einen Verbleib in der EU.
Noch 51 Prozent befürworten einen Verbleib in ...
Befürworter holen auf  London - Die Gegner eines Verbleibs Grossbritanniens in der EU holen einer neue Umfrage zufolge auf. In einer am Montag vorab verbreiteten Erhebung für den «Daily Telegraph» behaupten die Befürworter eines Verbleibs in der EU mit 51 gegen 46 Prozent zwar eine Mehrheit. mehr lesen 
Deutschland - Die Linke  Magdeburg - Ein unbekannter Mann hat die Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht auf dem Parteitag in Magdeburg mit einer Schokoladentorte beworfen. Zu der Aktion bekannte sich ... mehr lesen
Riexingers Rede wie auch der Parteitag wurden nach kurzer Unterbrechung fortgesetzt.
G7-Gipfel in Japan  Ise-Shima - Die G7-Staaten haben die Flüchtlingskrise als «globale Herausforderung» anerkannt und weltweites Wirtschaftswachstum als «dringende ... mehr lesen  1
Keine Zusagen in Flüchtlingskrise  Ise-Shima - Kompromiss in Wirtschaftsfragen, Enttäuschung in der Flüchtlingskrise und Streit mit China. Der erste Tag des G7-Gipfels in Japan brachte ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 1°C 15°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 0°C 17°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 1°C 13°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern -1°C 15°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 2°C 16°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Genf 1°C 16°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 6°C 17°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten