Starker Umsatzrückgang
SBB schafft Minibars ab
publiziert: Freitag, 8. Jan 2016 / 11:48 Uhr / aktualisiert: Freitag, 8. Jan 2016 / 16:54 Uhr
Die SEV verlangt von der SBB, die betroffenen Angestellten weiterzubeschäftigen. (Archivbild)
Die SEV verlangt von der SBB, die betroffenen Angestellten weiterzubeschäftigen. (Archivbild)

Bern - «Kaffee, Sandwich, Mineral!» - der altbekannte Spruch in Zügen soll nach rund 70 Jahren verstummen. Denn die SBB schafft ihre Minibars ab. Die Wägelchen, von denen Getränke und Snacks verkauft werden, verschwinden bis Ende 2017 nach und nach aus den Zügen.

4 Meldungen im Zusammenhang
Die SBB begründete die Änderung namentlich mit dem schnell wachsenden Verpflegungsangebot in Bahnhöfen. Weil immer mehr Getränke und Esswaren vor der Fahrt gekauft werden können, gehen die Umsätze im Bahncatering zurück, wie die SBB in einem Communiqué schrieb. Besonders betroffen sei die Minibar.

In den vergangenen Jahren gingen die Umsätze aus dem Verkauf von den "Wägeli" um rund 40 Prozent zurück, wie die SBB schrieb. Verpflegen kann man sich in den Zügen aber weiterhin: Reisende in der ersten Klasse werden weiterhin am Sitzplatz bedient.

Self-Service für zweite Klasse

Wer zweite Klasse reist, kann im Speisewagen vom Take-away einkaufen. Die SBB schrieb dazu, dass mit der Beschaffung von neuen Doppelstock- und Gotthard-Zügen (Giruno) die Zahl der Speisewagen erhöht werde. Derzeit hat die SBB 90 Speisewagen. Im Jahr 2021 sollen es 120 sein.

Gastronomie will die SBB künftig in allen EuroCity- und InterCity-Zügen anbieten. Die Verpflegung selber mitnehmen muss dagegen, wer einen Interregio-Zug besteigt. Auf diesen Linien wird wegen mangelnder Nachfrage kein Gastronomieangebot mehr zur Verfügung stehen.

Die SBB konzentriert sich zudem künftig auf die Gastronomie in den Zügen: Sie will die Flächen der "Segafredo"-Stände in den Bahnhöfen per Mitte 2016 neu vermieten. Diese Stände werden derzeit von der SBB-Tochtergesellschaft Elvetino als Franchisingpartner betrieben. Für betroffene Mitarbeitende werde eine sozialverträgliche Lösung gesucht.

Gewerkschaft besorgt

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) kritisierte in einem Communiqué "Folgen von reinem Profitdenken" und verlangte, die betroffenen Angestellten weiterzubeschäftigen. Die Minibars böten 300 Personen Arbeit. Für den SEV ist ein völliger Ausstieg aus dem Minibar-Angebot "undenkbar". Solle Minibar-Personal in Speisewagen eingesetzt werden, müsse es von Elvetino dafür geschult werden.

Die SBB spricht von rund 200 beschäftigten Personen, die mit der Minibar unterwegs sind. Diese würden - wenn immer möglich - umgeschult und weiterhin beschäftigt.

Kaffee am Morgen

Etwas versöhnlicher zeigt sich die Bahnkunden-Organisation Pro Bahn Schweiz. Den Ausbau der Speisewagen begrüsst sie. Den Abbau der Minibar bedauert sie für jene Zeitspannen, in denen grosse Nachfrage besteht.

Dies sei morgens zwischen 6 und 8 Uhr der Fall, heisst es in der Medienmitteilung, denn dann bestellten viele Fahrgäste Kaffee. Pro Bahn Schweiz wünscht deshalb, dass der Minibar-Service für diese Tageszeit weiterhin aufrechterhalten wird.

Seit 10 Jahren rückläufig

Der Minibar-Service wurde 1949 eingeführt, wie der Internetseite von Elvetino zu entnehmen ist. Heute sind sie laut SBB zwischen 6.30 Uhr und 19.00 Uhr an Bord der InterCity-Züge unterwegs, sowie je nach Strecke auch in den Interregio-Zügen.

Ihre Zahl wurde in den vergangenen Jahren schrittweise kleiner: Bereits 2005 wurde die Zahl der Wägelchen reduziert. 2011 waren noch 198 Minibars im Einsatz. Derzeit bewirtschaftet Elvetino 121 Minibars.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Mit der ab Ende 2017 geplanten Abschaffung der SBB-Minibars muss sich ein Schiedsgericht befassen. Die ... mehr lesen
Minibar-Mitarbeiter könnten entlassen werden. (Archivbild)
Echter Milchschaum auf kleinem Platz. (Symbolbild)
Zürich - Die SBB investiert weiter in die Bahngastronomie. Dank einer neuen ... mehr lesen
Aus für die Minibars in den Intercity-Neigezügen (ICN): Passagiere der ICN der SBB können sich nur noch im Speisewagen mit Kaffee, Chips oder Schokolade eindecken. Die SBB ... mehr lesen
Betroffen vom Verschwinden der Minibars sind die Passagiere aller 136 ICN-Züge.
Die SBB präsentiert eine rollende Starbucks-Filiale.
Zürich - Die SBB hat am Donnerstag ihren gemäss eigenen Angaben «neuen ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 20
Die Schweizer Botschaft in Berlin mit Tunnel-Schriftzug.
Die Schweizer Botschaft in Berlin mit Tunnel-Schriftzug.
Gotthard 2016  Berlin - «Tunnel» - mit sechs Riesenbuchstaben feiert die Schweizer Botschaft in Berlin die Eröffnung des neuen Gotthard-Basistunnels. Während zwei Monaten wird der Schriftzug das Dach der Vertretung zieren. mehr lesen 1
Gotthard 2016  Lugano - Am Vorabend der Gotthard-Basistunneleröffnung ist Lugano Treffpunkt des ... mehr lesen  
Ein Zug des Typs ETR 610 soll auf der Strecke eingesetzt werden.
Durch den Unfall entstanden an den Fahrzeugen, an der Strasseneinrichtung und am Radargerät ein Sachschaden von über 100'000 Franken.
Heute Nachmittag ist es auf der Autobahn A14 in Ebikon zu einem Unfall zwischen einem Lastwagen und einem Auto gekommen. Der Lastwagen durchbrach anschliessend die Leitplanke und fuhr ... mehr lesen  
Am Dienstag, 31. Mai 2016, kurz vor 08.30 Uhr, ereignete sich im Bereich der Unterführung Rothausstrasse in Muttenz BL eine Frontalkollision zwischen zwei ... mehr lesen  
Die Wege mancher Autofahrer sind unergründlich.
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich -2°C 5°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel Nebel
Basel -1°C 8°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 4°C 7°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern -4°C 5°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel sonnig
Luzern -1°C 5°C Nebelleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel recht sonnig
Genf -2°C 6°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Nebel
Lugano 1°C 8°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten