Saddam gestellt, Bush warnt vor neuer Gewalt
publiziert: Sonntag, 14. Dez 2003 / 23:51 Uhr

Washington/Bagdad - Acht Monate nach der Eroberung Bagdads haben die US-geführten Truppen in Irak den früheren Machthaber Saddam Hussein gefasst. "Wir haben ihn", sagte US-Zivilverwalter Paul Bremer in Bagdad. Präsident Bush rechnet trotzdem nicht mit einem Ende der Gewalt.

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Saddam Hussein war am Samstagabend in der Nähe seiner Heimatstadt Tikrit festgenommen worden. Bremer und der US-Oberbefehlshaber Ricardo Sanchez zeigten in Bagdad ein Video des Gefangenen.

Darauf ist der 66-Jährige mit Vollbart und wildem Haarschopf zu sehen. Saddam Hussein sei nicht verletzt und bei guter Gesundheit. "Das war ein müder Mann und ich denke auch ein resignierter Mann", sagte Sanchez weiter.

Kampflos

Die Festnahme erfolgte nach Angaben von Sanchez, ohne dass ein einziger Schuss fiel. Saddam Hussein zeige sich "kooperativ und gesprächsbereit".

Der Ex-Machthaber hatte sich zum Zeitpunkt seiner Festnahme um 20.00 Uhr Ortszeit in einem Erdloch versteckt. Das belüftete Versteck des 66-Jährigen habe zum Keller eines Bauernhofs gehört.

An dem Einsatz waren nach Angaben von Sanchez rund 600 Leute beteiligt. Nach seiner Festnahme wurde Saddam Hussein an einen geheim gehaltenen Ort gebracht, wo er unter strengster Bewachung stand. Dieser soll sich in Irak selber befinden.

Als erster Vertreter der Besatzungsmächte bestätigte der britische Premierminister Tony Blair die Festnahme des irakischen Ex-Machthabers persönlich.

Gewalt geht weiter

Nach Angaben von US-Präsident George W. Bush muss sich Saddam Hussein vor der Justiz verantworten. Dem entmachteten Staatschef werde "die Gerechtigkeit widerfahren, die er Millionen verwehrt hat", sagte er in Washington.

Der US-Präsident räumte aber auch ein, dass die Festnahme Saddam Husseins die Gewalt nicht beenden werde. Die Identität des Festgenommenen wurde nach Informationen des Chefs des irakischen Regierungsrates, Abdel Asis el Hakim, durch erste DNA-Tests bewiesen.

Der Vorsitzende des irakischen Nationalkongresses, Achmed Tschalabi, kündigte an, Saddam Hussein werde vor Gericht gestellt. Dara Nurreddin vom irakischen Regierungsrat erklärte, dass er der erste Angeklagte des irakischen Sondergerichtes für Menschenrechte werde.

Jubel und auch Bedauern

In vielen Städten Iraks kamen die Menschen zu Jubelfeiern zusammen, nachdem sich die Nachricht von der Festnahme Saddam Husseins verbreitet hatte. Einige feuerten Freudenschüsse in die Luft. Doch nicht alle nahmen die Nachricht mit Freude auf.

Ein Stoffhändler in Bagdad sagte dem arabischen TV-Sender El Dschasira: "Es ist schmerzlich und traurig, dass unser Ex-Präsident gefangen genommen wurde." Andere erklärten, die Verhaftung sei ein Angriff auf die "Ehre" der Iraker.

Erleichterung in aller Welt

Ausserhalb von Irak löste die Nachricht zumeist positive Reaktionen aus. Zahlreiche Regierungschefs, Präsidenten und Aussenminister äusserten Worte der Erleichterung. Geäussert wurde da und dort aber auch die Hoffnung, dass das irakische Volk nun bald wieder seine volle Souveränität erlangen könne.

Auf die Ergreifung des meistgesuchten Irakers hatten die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Seit der Eroberung von Bagdad durch die US-Truppen am 9. April war Saddam Hussein, der seit 1979 Staatschef war, untergetaucht.

(bsk/news.ch mit Agenturen)

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