Saddam tot - alles gut?
publiziert: Sonntag, 31. Dez 2006 / 10:47 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 2. Jan 2007 / 19:57 Uhr

12 Meldungen im Zusammenhang
SHOPPINGShopping
Saddam HusseinSaddam Hussein
Saddam Hussein, der Schlächter vom Zweistromland, der Despot des Iraks, ist tot. Erhängt im «Lager der Gerechtigkeit», nachdem ein Berufungsgericht das Todesurteil gegen ihn bestätigt gehabt hatte. Doch viel wird sich deshalb im Irak nicht ändern. Nicht einmal George W. Bush gibt sich noch der Illusion hin, dass Saddam mehr als eine schwindende symbolische Wichtigkeit für den Irak hatte.

Einzig für Bush selbst war es ein später Sieg. Er hat nun jenen Mann unter die Erde gebracht, der einmal versucht hatte, ein Attentat auf seinen Vater zu begehen. Er hat den Mann getötet, der sich offen gegen die USA gestellt hatte, nachdem er einmal Verbündeter gewesen war. Doch abgesehen von diesen nun befriedigten Rachegelüsten dürfte die Befriedigung selbst für Bush bescheiden sein.

Doch was für ein Zeichen wird hier der Welt geschickt? Ein Zeichen, dass Gerechtigkeit siegt? Dass nun die Justiz das Geschehen im Irak bestimmt?

Obwohl es eigentlich allen klar ist, dass Saddam ein grausiger Schlächter war, so war er doch nicht herausragend in der Gallerie des Grauens. Quer durch den arabischen Raum hindurch sind immer noch Gewaltherrscher an der Macht. Zentralafrika ist ebenfalls noch eine ständig schwärende Wunde, Simbabwe wird vom offenbar grössenwahnsinng gewordenen Robert Mugabe zugrunde gerichtet, Kim Yong Il zündelt immer noch an der Atombombe, während sein Volk verhungert und Alexander Lukaschenko zeigt auf, dass auch europäische Diktatoren noch möglich sind, derweil in Russland Oppositionelle um ihr Leben fürchten müssen.

Deshalb nochmals die Frage: Was soll diese Hinrichtung, was kann sie bewirken? Als Zeichen an die Diktatoren der Welt bedeutet sie höchstens, dass diese mit aller Macht versuchen müssen, an derselben zu bleiben. Wer verliert, ist verloren. Doch das wissen diese Männer der Gewalt ohnehin. Es ist ihre stete Furcht, mit Ihrer Macht auch ihr Leben zu verlieren, denn es ist ihnen klar, dass sie keine Legitimation haben. Dass sie nach einem verlorenen Krieg auch ihr Leben verwirken würden, ist nur logisch. Dass Saddam und seine erträumte Dynastie tot waren, als die Amerikaner in Bagdad standen, war die einzige mögliche Konsequenz. Das Signal für andere Diktatoren kann also nur sein: Klammert euch an die Macht, solange es geht.

Aber gibt es womöglich eine Botschaft an das irakische Volk? Sicher, die Opfer von Saddam, Leute, die unter seiner Herrschaft gefoltert wurden, Menschen, denen Angehörige und Freunde geraubt wurden, empfinden Erleichterung über Saddams ableben. Doch Frieden wird sicher nicht einkehren, denn es wurde im Prozess nicht die irakische Vergangenheit, die ganze husseinsche Gewaltherrschaft, sondern 'nur' ein Massenmord an Kurden aufgearbeitet. Nicht die Geheimgefängnisse, nicht die tausenden Folteropfer, nicht das System des Regimes.

Für die Sunniten sieht es einfach so aus, als hätten die Kurden und Schiiten über einen von ihnen gerichtet, hätten sich jene, die sie vorher unterdrückt hatten, mit Hilfe der Amerikaner gegen sie gewendet und würden nun Rache nehmen. Die Schiiten und Kurden unterscheiden ebenso wenig zwischen Sunniten und alten Parteigängern von Saddam. Die Klüfte sind gigantisch, die sich zwischen den verschiedenen Seiten aufgetan haben und Saddams Tod wird diese nicht zuschütten können.

Im besten Fall schert sich kein Mensch mehr um den gehängten Diktator, um diesen Mann, der noch bis zuletzt seiner Vergangenheit nachhing und vergisst ihn so schnell wie möglich. Im schlimmsten Fall vertieft diese Hinrichtung die Gräben noch weiter, zerreisst den Irak noch mehr. Doch eines wird dieser Tod bestimmt nicht bringen. Frieden im Zweistromland. Saddam Tod – alles gut? So einfach geht das dann doch nicht.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bagdad - Bei neuen Gewalttaten im ... mehr lesen
Nach Saddams Sturz wurde der 9. April zu einem Feiertag erklärt.
Das im Internet aufgetauchte Video der Hinrichtung Saddam Husseins sorgte für Empörung.
Bagdad - Gut zwei Wochen nach Saddam Hussein sind auch zwei seiner Vertrauten hingerichtet worden. Der ehemalige Geheimdienstchef Barsan al- Tikriti und der ehemalige Richter Awad al-Bandar ... mehr lesen
Bern - Carla del Ponte hat die ... mehr lesen
Carla del Ponte: «Nicht alle Elemente eines gerechten Prozesses waren erfüllt.»
Tikrit/Bagdad - Tausende von ... mehr lesen
Die Strassen in Tikrit waren weiterhin für den Verkehr gesperrt.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Libyen verordnete nach Saddams Tod eine dreitätige Staatstrauer.
Bagdad - In der arabischen Welt hat die Hinrichtung des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein in einigen Teilen Empörung ausgelöst - vor allem weil er zu Beginn des islamischen Opferfestes ... mehr lesen
Bagdad - Saddam Hussein hat in ... mehr lesen
Rund hundert Personen nahmen bei der Beerdigung Abschied vom Ex-Diktator.
Im Oktober 2005 wird das Verfahren gegen Saddam Hussein eröffnet.
Bagdad - Der irakische ... mehr lesen
Bagdad - Mehr als 25 Jahre lang ... mehr lesen
Saddam Hussein habe sich geweigert, sich eine Kapuze über den Kopf stülpen zu lassen.
Die Schweiz sei in jedem Falle gegen die Todesstrafe - auch bei Saddam Hussein.
Bern - Das Eidg. Departement für ... mehr lesen
Washington - Der frühere irakische Diktator Saddam Hussein ist hingerichtet worden. Der 69-Jährige wurde kurz vor 06.00 Uhr Ortszeit (04.00 Uhr MEZ) gehängt, wie die Behörden in Bagdad mitteilten. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
«Hier hätte ich noch eine ...
In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer Angst vor ISIS hat, sollte sich überlegen, ob er seinen Paranoia-Focus nicht neu einstellen will. Denn das hier ist jenseits aller im Alltag sonst verklickerten Gefahren anzusiedeln. mehr lesen 4
Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle ... mehr lesen  
Künftig mindestens 500'000.-- und die ganze Schweiz inklusive: SwissPass, der schon bald mal GACH heissen könnte.
Urversion von IBM's Supercomputer WATSON: Basis für 'ROSS'... und unsere zukünftigen Regierungen?
Eine renommierte US-Kanzlei stellt einen neuen Anwalt Namens Ross ein. Die Aufgabe: Teil des Insolvenz-Teams zu sein und sich durch Millionen Seiten Unternehmensrecht kämpfen. Und nein, ROSS ist kein armes Schwein, sondern ein ... mehr lesen  
In letzter Zeit wurden aus Terrorangst zwei Flüge in den USA aufgehalten. Dies, weil Passagiere sich vor Mitreisenden wegen deren 'verdächtigen' Verhaltens bedroht fühlten. Die Bedrohungen: Differentialgleichungen und ein ... mehr lesen
Sicherheitskontrolle in US-Airport: 95% Versagen, 100% nervig.
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
saleduck.ch, Logo
Shopping «Wär hetts erfunde?» Zwei Jahre nach der Gründung erhält Saleduck.ch eine neue Plattform und wird zu einer Deal Community. Neben einem neuen Layout bieten sich auch für Netzwerke und Advertiser viele ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 5°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Basel 11°C 24°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
St. Gallen 6°C 20°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Bern 6°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Luzern 8°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Genf 9°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Lugano 13°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten