Säkulare Türken gehen auf die Strasse
publiziert: Sonntag, 5. Nov 2006 / 08:00 Uhr

Ankara - In Ankara haben am Samstag rund 12´000 säkulare Türken gegen die Regierung protestiert.

Die Türkei ist überwiegend muslimisch, aber säkular strukturiert.
Die Türkei ist überwiegend muslimisch, aber säkular strukturiert.
Gemäss der Nachrichtenagentur Anatolien warfen sie Ministerpräsident Tayyip Erdogan vor, dem zunehmenden Einfluss von Islamisten nicht keinen Riegel vorzuschieben.

Die Demonstranten, die 112 Nichtregierungsorganisationen vertreten, riefen «Die Türkei ist säkular und wird säkular bleiben» und «Unabhängige Türkei». Unter den Teilnehmern waren auch Generäle und Offiziere im Ruhestand. Der Marsch endete am Mausoleum von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk.

Die Türkei ist überwiegend muslimisch, aber säkular strukturiert: Die Gesetzeslage sieht eine eindeutige Trennung von Staat und Kirche vor.

Islam tief verwurzelt

Allerdings ist die im Islam verwurzelte Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) von Erdogan zuletzt immer stärker in die Kritik von Säkularisten geraten - etwa weil seit ihrer Regierungsübernahme im Jahr 2002 die Zahl religiöser Schulen im Land gestiegen ist.

Auch werden immer mehr hochrangige Regierungsposten mit Islamisten besetzt. Erdogan, selbst ein gläubiger Muslim, bestreitet indes, das Land auf einen islamistischen Weg zu führen. Das Militär auf der anderen Seite sieht sich als Hüter des säkularen Systems.

Einmischung des Militärs

Die Rolle der Religion in der Türkei und die Einmischung des Militärs in die Politik sind zuletzt auch deshalb zu wichtigen Themen geworden, weil die Beitrittsgespräche mit der Europäischen Union im kommenden Jahr in eine entscheidende Phase eintreten.

(li/sda)

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