Sarkozy, der fliegende Atomhändler
publiziert: Donnerstag, 17. Jan 2008 / 09:35 Uhr

Paris - Präsident Nicolas Sarkozy betätigt sich als Atomkrafthändler. Nach Algerien und Libyen ist das Emirat Abu Dhabi das dritte Land, mit dem Frankreich ein umfassendes Abkommen über die Zusammenarbeit bei der zivilen Atomkraft abschliessen will.

Kritiker halten Sarkozys Vorhaben für skandalös.
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In Frankreich, wo etwa 80 Prozent des Stroms in AKW's produziert wird, gibt es so gut wie keine Kritik an dieser Politik. Und Sarkozy verteidigt seine Verkaufsfahrten in den Orient mit dem Argument: «Die muslimische Welt hat nicht weniger Grund als die restliche Welt, Atomkraft zu nutzen, um den Energiebedarf zu stillen.»

Für Sarkozy scheint es fast eine Mission zu sein, aller Welt die Atomkraft zu preisen. Auch seine erste Rede vor der UNO-Generalversammlung nutzte er für eine Atom-Werbeeinlage.

«Frankreich ist bereit, allen Ländern zu helfen, die Interesse an ziviler Atomkraft haben», sagte er dort. Die «Energie der Zukunft» dürfe nicht nur dem Westen vorbehalten bleiben, bekräftigt er seitdem immer wieder.

«Vorbild für den Iran»

Wenn andere arabische Länder Atomkraft zivil nutzten, sei dies auch ein Anreiz für den Iran, seinen Atomstreit mit der internationalen Gemeinschaft beizulegen. Ausserdem sei Atomtechnologie klimafreundlich, meint Sarkozy.

Das Hauptargument für den Export französischer Atomtechnologie dürfte ein wirtschaftliches sein. Die beteiligten Energieunternehmen können jeweils mit dicken Aufträgen rechnen. Im Fall von Abu Dhabi, wo die Energieunternehmen Areva und Suez und der Ölkonzern Total zusammenarbeiten wollen, sollen es bis zu sechs Milliarden Euro sein.

«Ich bin überzeugt, dass man Schwellenländern helfen muss, Atomkraft zivil zu nutzen. Wenn diese Länder schlau genug sind, französische Technologie zu nutzen, umso besser!», sagte Sarkozy kürzlich. Die Verträge sehen vor, dass Frankreich den Ländern auch hilft, die internationalen Sicherheitsvorschriften einzuhalten und eigene Experten auszubilden.

Es geht also nicht nur um den Bau einzelner Atomkraftwerke - wie im Fall von Marokko, dem ersten arabischen Land, dem Sarkozy den Bau eines Reaktors zusagte, der die Energie zur Entsalzung von Meerwasser liefern soll. Es geht vielmehr um eine langfristige Bindung an die Atomkraft - ein gutes Geschäft für die eine Seite, ein Prestigeprojekt für die andere.

Gefährliche Politik

Kritiker halten Sarkozys Vorhaben vor allem aus Sicherheits- und Umweltgründen für skandalös. «Diesen Ländern den Zugang zu Atomkraft zu verschaffen, bedeutet letztlich, ihnen auch den Bau einer Atombombe zu ermöglichen», meint Yannick Rousselet, Atomexperte bei Greenpeace. Libyen habe bis vor kurzem noch als ein Schurkenstaat gegolten.

Atomkraftwerke seien auch nicht gegen Terroranschläge beispielsweise durch entführte Flugzeuge zu schützen, und in vielen arabischen Ländern gebe es islamische Extremisten, die in Atomkraftwerken geeignete Anschlagsziele sehen können. «Die Länder, denen Sarkozy Atomkraft zukommen lassen will, sind kaum in der Lage, mit dem radioaktiven Müll umzugehen», meint Rousselet. Auf internationale Kontrollen könne man sich dort kaum verlassen.

(von Ulrike Koltermann, dpa/sda)

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