Savannah Bay begeistert Basel
publiziert: Sonntag, 4. Jan 2004 / 09:05 Uhr

Basel - Die Doyenne und der Shootingstar: Am Freitag begeisterten in der Kaserne Basel Anne-Marie Blanc (84) und ihre Enkelin Mona Fueter (27) in Marguerite Duras' "Savannah Bay" mit einer tief berührenden Interpretation des rätselhaften Stücks.

Es könnte ein Theatersäli sein mit einer niedrigen Bühne, vielleicht nach der letzten Vorstellung des Landfrauenvereins. An einem Tisch, zwischen hochgestellten Stühlen sitzt die über 80-jährige Madeleine. Vom Eingang her nähert sich "Die junge Frau".

Am verstimmten Klavier spielt eine Schülerin Edith Piafs "Les mots d'amour". "C'est sûr que j'en mourrais, que j'en mourrais d'amour" orakelt das Chanson.

Liebe, Geburt, Vergessen und Tod

Anscheinend ist die namenlose junge Frau die Enkelin der älteren, einer einst berühmten Schauspielerin. Täglich besucht sie sie und fragt sie über die Mutter aus, die sie nie gekannt hat. Denn am Tag der Geburt der Tochter ist die Mutter in den Tod gegangen.

In einem vertrauten Ritual, das die alzheimerkranke Madeleine aufblühen lässt, erzählen sie einander, wie die abwesende Dritte ihrer unaussprechlich grossen Liebe begegnete.

In dieser Geschichte heissen alle Frauen Savannah und jeder Ort Savannah Bay. Erzählt wird in der (Un)Möglichkeitsform. Vielleicht sind die drei Frauen ein und dieselbe zu verschiedenen Zeiten. Oder Madeleine in verschiedenen Rollen.

Das Absolute, Unaussprechliche

Möglicherweise ist das Ganze eine Therapie für Altersdemente. Wahrscheinlicher aber ist es die Reduktion auf etwas Metaphysisches, etwas, das übrig bleibt, wenn alles Unnötige vergessen und eliminiert wurde.

Die Schauspielerin hat sie auf den Bühnen der Welt gespielt: die Geschichte von der absoluten, unmöglichen Liebe, die nur im Tod festgehalten werden kann.

Es ist die Geschichte von der Liebe, die sich "mit Lichtgeschwindigkeit" ereignet, "zu schnell für Worte". Die Geschichte vom weissen Felsen und dem Meer, das als einziges zwischen den Liebenden steht, von Hero und Leander bis zu den Königskindern aus dem Volkslied.

Vibrierende Stille

Marguerite Duras (1914-1996) schrieb "Savannah Bay" 1983 für die Schauspielerin Madeleine Renaud. Wie etwa auch "Die Krankheit Tod" besteht das Stück aus einem hochartifiziell strukturierten Textgewebe, das unentwegt das Unsagbare beschwört und deshalb Musik (Piaf, Schubert) und Stille zum Nachhallen benötigt.

Spielen, hat Duras immer wieder betont, ist unnötig, solange Sprache stattfindet. Deshalb hatte sie etwa "Die Krankheit Tod" auf einer leeren, dunklen Bühne aufführen lassen wollen. Der Basler Regisseur Nils Torpus - wohl wissend um die Fähigkeiten seiner Darstellerinnen, die nicht vergeudet werden wollen - geht nicht so weit.

150 Rollen

Anne-Marie Blanc, die über 150 Rollen gespielt hat, durchläuft ganz im Sinne des Stücks in 70 Minuten fast ein ganzes Theaterleben. Mal ist sie elegante Diva, mal pfiffige Alte, mal gebrochen und zerknittert.

Mona Fueter, Schweizer Filmpreisträgerin 2002, hat wie einst Bulle Ogier das Pech, dass das Stück für die grosse Renaud geschrieben wurde. "Die junge Frau" ist über weite Strecken reine Zudienerin: Anregerin, Assistentin, Alter Ego.

(Irene Widmer/sda)

 
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