Schach: Mehr als ein Spiel
publiziert: Mittwoch, 29. Jun 2005 / 07:55 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 29. Jun 2005 / 08:26 Uhr

Intelligenter Zeitvertreib, Inspiration für Herrscher und Symbol für die Gesellschaft: das Schachspiel ist nicht nur ein herausforderndes Brettspiel, sondern hat auch die Kunst- und Kulturgeschichte Europas und Asiens beeinflusst.

Vermutlich entstand das Schachspiels um 500 n. Christus im indischen Kulturkreis.
Vermutlich entstand das Schachspiels um 500 n. Christus im indischen Kulturkreis.
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Unter dem Titel "Schachpartie durch Zeiten und Welten" zeigt das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe bis zum 28. August die Geschichte des Schachspiels von seiner Entstehung um 500 n. Christus bis heute.

Neben einer grossen Zahl von Schachspielen aus Elfenbein, Metall, Holz und Porzellan sind auch Gemälde, Zeichnungen und Bücher zu sehen, die an der Entwicklung dieses Spiels ihren Anteil hatten.

Offizielles Strategietraining

Der genaue Ursprung des Schachspiels ist ungeklärt, aber vermutlich entstand es um 500 n. Christus im indischen Kulturkreis. Der Legende nach sollen es später Gesandte aus Indien an den persischen Hof gebracht haben. Aus dem persischen Wort "shah" für den König leitet sich auch die Bezeichnung "Schach" ab.

Im Vorderen Orient diente das Brettspiel nicht nur dem geistigen Zeitvertreib der Höflinge, sondern auch als Training für ein verbessertes strategisches Denken der Krieger. Später war das Schachspiel integraler Bestandteil der Prinzenerziehung am persischen Hof.

Im Unterschied zu späteren Entwicklungen gab es in Persien keine konkreten Spielfiguren, sondern unterschiedlich geformte abstrakte Steine. "Der Koran verbietet eine figürliche Darstellung von Dingen, die in einer Moschee zu sehen sind", erklärt Carlos Boerner, Mitorganisator der Ausstellung.

Macht verschiebt sich vom Wesir auf die Dame

Als die Araber im siebten Jahrhundert Spanien eroberten, brachten sie auch das Schachspiel nach Europa. Von der iberischen Halbinsel gelangte es an die anderen europäischen Höfe und war schliesslich im Hochmittelalter im ganzen Abendland verbreitet. Schach gehörte zu den Lieblingsspielen des Adels, des Klerus und des aufkommenden Bürgertums.

Die mittelalterliche Gesellschaft spiegelte auch die Veränderungen des Brettspiels wider: Aus den abstrakten Formen entwickelten sich figürliche Spielsteine.

Zum Beispiel veränderte sich die arabische Figur des "Wesirs" (bedeutet Minister des Herrschers) im europäischen Spiel zur "Dame": "Zur Zeit der Minnesänger wurde die unerreichbare Angebetete so sehr idealisiert, dass sich als Folge die Dame zur mächtigsten Figur im Schachspiel entwickelte", sagt Boerner.

Liebe und Revolution

In der Barockepoche wurde das Schachspiel als Symbolik für menschliche Beziehungen verwendet: So symbolisierte das Brettspiel das Zusammenleben zwischen Mann und Frau.

Durch die Französische Revolution 1789 begannen auch andere Gesellschaftsschichten Schach zu spielen: Nicht mehr nur Adel, Klerus und gehobenes Bürgertum begeisterten sich für das Brettspiel. "In französischen Cafés gehörte es für einfache Bürger und Revolutionäre zum guten Ton, eine Partie Schach zu spielen", sagt Boerner.

Auch die Zahl der Schachliteratur wuchs: die Ausstellung zeigt verschiedene Bücher, die das Spiel analysieren und verschiedene Theorien der Spielweise darstellen.

Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich das Schachspiel immer mehr zu einer Sportart mit sehr hohen Leistungsanforderungen. Heute gehören Schachspieler meistens Vereinen an und messen sich auf Turnieren.

(Carolin Roterberg/dpa)

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