Scharfe Proteste nach Opern-Absetzung
publiziert: Dienstag, 26. Sep 2006 / 16:48 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 26. Sep 2006 / 19:22 Uhr

Berlin - Einen Tag vor der Islam-Konferenz hat die Absetzung einer Oper aus Angst vor Islamisten in Berlin für Empörung gesorgt.

Die Deutsche Oper in Berlin will eine Inszenierung der Oper «Idomeneo» nicht mehr spielen.
Die Deutsche Oper in Berlin will eine Inszenierung der Oper «Idomeneo» nicht mehr spielen.
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«Das ist inakzeptabel», sagte der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble in Washington. Vor allem Unionspolitiker warnten vor «Selbstzensur» und einem «Kniefall vor Terroristen».

Die Deutsche Oper in Berlin will eine Inszenierung der Oper «Idomeneo» nicht mehr spielen. Die Intendanz befürchtet Sicherheitsrisiken wegen einer drastischen Szene zu den Weltreligionen, darunter dem Islam.

Auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann wandte sich gegen die Absetzung. «Wenn die Sorge vor möglichen Protesten schon zur Selbstzensur führt, dann gerät die demokratische Kultur der freien Rede in Gefahr», erklärte Neumann.

Reaktionen der Vertreter der Muslime

Vertreter der Muslime reagierten dagegen unterschiedlich. Der Vorsitzende des Islamrats in Deutschland, Ali Kizilkaya, begrüsste dagegen die Absetzung, weil die Inszenierung die Gefühle der Muslime verletze. Nichtsdestotrotz sei es schrecklich, dass man Angst haben müsse, sagte er.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, pochte dagegen auf die Freiheit der Kunst. «Ich empfehle allen Muslimen, bestimmte Sachen zu akzeptieren», sagte er.

Die Deutsche Oper in Berlin hatte die für November geplante Wiederaufnahme der seit fast drei Jahren laufenden Oper «Idomeneo» von Wolfgang Amadeus Mozart am Montag aus dem Spielplan genommen.

Ein anonymer Hinweis

Regisseur Neuenfels hatte den Entscheid von Intendantin Kirsten Harms als «vorauseilenden Gehorsam und Hysterie» kritisiert. Es habe bislang weder konkrete Terrordrohungen noch Kritik von Seiten islamischer Organisationen an der Inszenierung gegeben.

Harms sagte vor Journalisten in Berlin, Berlins Innensenator Ehrhart Körting habe ihr persönlich von einem anonymen Hinweis berichtet, demzufolge es ein «unkalkulierbares Risiko» mit sich brächte, wenn es bei den geplanten Vorstellungen bliebe. Diesen Hinweis habe sie nicht ignorieren können.

Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch äusserte Verständnis für die Entscheidung der Intendantin. Es habe im Juni einen Anruf bei der Bundespolizei gegeben, in dem auf die entsprechende Opernszene aufmerksam gemacht worden sei.

(smw/sda)

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