Schawinquisition light
publiziert: Dienstag, 7. Okt 2014 / 13:55 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 7. Okt 2014 / 14:26 Uhr
Roger Schawinski: Jeder Schuss gegen Blancho ging nach hinten los.
Roger Schawinski: Jeder Schuss gegen Blancho ging nach hinten los.

Gestern Abend lud Roger Schawinski Nicolas Blancho, den laut Weltwoche «gefährlichsten Islamisten der Schweiz», zum Talk ein. Schawinski wollte vom Präsidenten des Islamischen Zentralrats wissen, was dieser zu «den Ereignissen im Irak und in Syrien» (Zitat Schawinski) denn so meinen würde.

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Blanchos Frauenschlag-Zitat
Zitat im Blick zu Blanchos Rechtfertigung für Gewalt gegen Frauen.
blick.ch

Allein schon die Eingangsfrage zeigte: Welchen Schuss auch immer Schawinski gegen Blancho, die Islamisten im allgemeinen und den IS abgeben wollte: Er ging mit Getöse nach hinten los und liess zum Schluss den Talkmaster entnervt und vorgeführt im eigenen Studio zurück.

Gestrige Sendung ist ein Paradebeispiel dafür, wie man ein kritisches, investigatives Gespräch unter allen Umständen nicht führt. Da trafen ein besorgt dreinblickender Altmeister des Talks mit einem rhetorisch hochbegabten, sehr sympathisch wirkenden jungen Mann in traditioneller Tracht aufeinander. Während der eine immer wieder verzweifelt versuchte, wenigstens einen Hauch investigativer und staatsanwaltschaftlicher Fragen rüber zu bringen, inszenierte sich das «von den Medien als Extremist verschrieene Opfer» (Blancho) geschickt als netter Islamist von nebenan, der von den bösen Medien immer nur falsch verstanden wird. Zum Schluss verhöhnte Blancho Roger Schawinski als Grossinquisitor und verteidigte die Bestialität der IS-Kämpfer als logische Antwort auf die gescheiterte US-Aussenpolitik.

Da ging es am 23.4.2010 in der Arena unter den Nicht-Journalisten Gerhard Pfister und Oskar Freysinger härter zu: «Distanzieren Sie sich von Steinigungen, Frauenbeschneidungen und allem weiterem, das in einem Rechtsstaat nicht zu suchen hat», rief ihm Pfister zu. «Distanzieren Sie sich!» Freysinger ergänzte: «Sagen Sie es jetzt, Herr Blancho, sagen Sie, dass Sie sich von Frauenbeschneidungen distanzieren.» Blancho, stets bedacht um moderate, ausweichende Antworten, war in Bedrängnis. Er wich aus und versteigerte sich in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit zur Aussage: «Frauen schlagen gehört unter die Glaubensfreiheit». (Zitat Blick vom 24.4.2010)

Selbstverständlich wurden dem netten Islamisten von nebenan und vis-à-vis dem älteren netten Herrn all diese Fragen bezüglich Frauen nicht gestellt, weshalb auch? Schliesslich ging es ja «nur» um den IS, der vom Schweizer Blancho erklärt werden sollte, so dass wir alle verstehen, weshalb es richtig ist, Menschen mit einem IQ über 100 einen Kopf kürzer zu machen. Was sich wohl die Verantwortlichen bei SRF gedacht haben mögen, als sie gestern realisierten, diesem Glanz- und Gloriastück islamistischer Propaganda ein so schönes Studio zur Verfügung gestellt zu haben? Blancho war der brave Gelehrsame einer Koranschule, der öffentlich-rechtlich seine Suren perfekt und immer wieder rezitierte. Blancho ist angetreten, nichts zu sagen. Das hat er dank Roger Schawinski sehr wortreich und geschmeidig geschafft. Seine Anhänger werden ihn heute frenetisch als den Helden feiern können während die Aufgeklärten fassungslos konstatieren müssen: Die Vernunft ist tot, es lebe der Fanatismus. Auf der einen Seite der Wahn nach Quote und auf der anderen Seite der nach Sexismus, Rassismus und Extremismus, welcher die Quote bedient.

Bei Blancho und seinen fischartigen Ausweichbewegungen auf sogenannt «schwierige» Fragen flogen Schawinski seine ziellos aus der Hüfte geschossenen Auskundschaftungen als verbale Querschläger völlig ins Leere. Der gestrige Abend beweist: Schawinski und der SRF haben den Kampf um menschliche Werte gegen die IS-Schlächter und den islamistischen Wahnsinn nicht nur verloren, sondern der Moderator hat ihn gestern gar nicht führen wollen. Nicht einmal wurde bis zum Ende nachgehakt, nicht einmal versucht, Originalzitate auf deren Rechtsstaatlichkeit zu überprüfen, nicht einmal wurden die Widersprüche in Blanchos Denken, Leben und Wirken aufgedeckt und für die Zuschauer klargemacht.

Dem Islamischen Zentralrat konnte nichts Besseres als Schawinski passieren. Mehr Propaganda geht nicht. Wenn man schon einen Extremisten einlädt - was eh eine grundsätzliche Fehlentscheidung ist, aber immerhin noch diskutiert werden kann - dann nur mit einem Moderator, der auf der Höhe seiner intellektuellen und rhetorischen Fähigkeiten steht und Kompetenzen ins Feld führen kann, die dem Extremisten das Träumen vom Kopfabschlagen (und seien dies auch nur ganz persönliche) grundsätzlich verderben. Tja. Der Islamische Zentralrat wird das Schawinski-Video in allen Hinterhöfen der europäischen Moscheen herumreichen: Als Beweis für die denkerische und rhetorische Überlegenheit der islamischen Idee. Künftig täte Schawinski wohl besser daran, Gäste vom Schlage einer Irina Beller einzuladen. Da wird wenigstens nur der gute Geschmack beschädigt und nicht die Demokratie.

(Regula Stämpfli/news.ch)

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