Schild und Hosp nützten Heimvorteil zum Doppelsieg
publiziert: Sonntag, 11. Nov 2007 / 00:01 Uhr

Marlies Schild und Nicole Hosp nützten den Heimvorteil ihres Trainingsbergs auf der Reiteralm zu einem österreichischen Doppelsieg im ersten Weltcup-Slalom der Saison. Ihre ersten Weltcup-Punkte gewann die Bündnerin Aita Camastral (19.).

Marlies Schild jubelt.
Marlies Schild jubelt.
Schild (26), die siebenfache Slalomsiegerin des vergangenen Winters, stiess beim Ersatzslalom von Levi (Fi) im zweiten Lauf vom 3. Rang an die Spitze vor und distanzierte die Gesamt-Weltcupspiegerin des vergangenen Winters, Nicole Hosp (24), um 32/100.

Nach dem ersten Lauf hatte überraschend die Italienerin Chiara Costazza (23) geführt. Als Dritte schaffte sie nach bisher acht Top-Ten-Rängen ihren ersten Podestplatz -- und knüpfte an den Erfolg ihrer Landsfrau Denise Karbon an, die vor zwei Wochen den Riesenslalom in Sölden gewonnen hatte.

«Unser Trainer hat viel Ruhe und gute Stimmung ins Team gebracht», sagte Karbon. Dieser Trainer ist Michael «Much» Mair, der frühere Spitzenabfahrer.

14. Slalomsieg für Schild

Marlies Schild schaffte ihren 16. Weltcupsieg, den 14. im Slalom, trotz einem bösen Fehler im zweiten Durchgang. Sie habe sich in diesem Heimrennen stark unter Druck gefühlt, sagte sie, «aber nachdem es mir die Ski verschlagen hatte und ich bremsen musste, kämpfte ich erst recht.» Dass sie trotzdem gewonnen hat, zeige ihr, wie gut das Vorbereitungstraining gewesen sei.

Wie die meisten anderen Fahrerinnen sprach Schild von einer perfekten Piste (aus der mehr als ein halber Meter Neuschnee herausgebracht worden war), aber von schwierigen Wind- und Sichtverhältnissen, die auch zu ihrem Fehler im zweiten Lauf beigetragen hatten.

Im letzten Jahr hatte Schild auf der Reiteralm bereits eine Superkombination für sich entschieden. Damals feierten die Österreicherinnen sogar einen vierfachen Triumph.

Schweizerinnen mit Potenzial

Am Ende schaute für die Schweizerinnen nur ein 19. Rang durch die 24-jährige Bündnerin Aita Camastral heraus, doch das Ergebnis verdeckt ein wenig das Pech und die Möglichkeiten des Quintetts. «Wir erreichten nur das Minimalziel», sagte Frauenchef Hugues Ansermoz, «aber wir haben gesehen, dass alle fünf Fahrerinnen imstande sind, Weltcup-Punkte zu gewinnen. Mit dem Training sind wir auf dem richtigen Weg.»

Aita Camastral wartete im ersten Lauf mit dem verblüffenden 11. Platz auf. Nachdem sie aber im letzten Winter schon zweimal den zweiten Lauf erreichte hatte und beide Male ausgeschieden war, wollte sie verständlicherweise vor allem durchkommen.

«Die Saison wäre bei einem neuerlichen Ausscheiden von Aita für sie schon kaputt gewesen», so beschrieb Ansermoz den immensen Druck auf der Bündnerin, die selber «von eher einer Erleichterung als einer riesigen Freude» sprach. Immerhin holte sie in ihrem fünften Weltcup-Slalom nicht nur die ersten Weltcup-Punkte, sondern auch einen weiteren Startplatz für das Schweizer Team.

Siebte Plätze bei Europacup-Rennen 2006 in Schruns und 2005 in Leukerbad waren die bisherigen Top-Ergebnisse von Camastral. Im Februar des letzten Winters hatte sie die Saison wegen Rückenbeschwerden abbrechen müssen. Nach einer «langen Pause mit reduziertem Training» kam sie zurück -- und staunte selbst, dass ihr der erste Durchgang derart gut gelang.

Bonjour fädelte ein

Zu einem Resultat unter das erste Dutzend war die Waadtländerin Aline Bonjour (22) unterwegs, als sie nach dem 20. Rang im ersten Lauf voller Elan in den zweiten Durchgang stieg, im obersten Drittel weiter Zeit gutmachte, dann aber wegen eines Einfädlers ausschied.

«Ich bin im zweiten Lauf bis zum Ausscheiden viel besser gefahren als im ersten», sagte sie, «ich weiss, dass ich mehr kann.» Letzten Winter hatte sie in der Sierra Nevada bereits einen 7. Weltcuprang belegt.

Um lediglich 4/100 verpasste Rabea Grand im 31. Rang den «Final», und auch für Sandra Gini (34.) lag der zweite Durchgang in Reichweite. Sie sei schlecht gefahren, sagte Grand, und beklagte zwei «gröbere Fehler».

Einen undankbaren 31. Platz hatte sie schon vor Jahresfrist in Aspen belegt. Sandra Gini hatte wie schon oft mit den Nerven zu kämpfen und verbremste den ersten Lauf. «Es war schwierig für mich, das richtige Fahrgefühl zu finden», sagte sie, «aber ich gebe nicht auf.»

(von Peter A. Frei, Reiteralm/Si)

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