«Schlacht um Melilla ist verloren»
publiziert: Dienstag, 11. Okt 2005 / 10:44 Uhr

Madrid/Melilla - Dereinst waren sie in der Hoffnung auf ein besseres Leben bis an den Grenzzaun der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla marschiert.

Melilla wurde erfolgreich gegen die afrikanischen Flüchtlinge «verteidigt». Bild: Antike Waffe auf Melilla.
Melilla wurde erfolgreich gegen die afrikanischen Flüchtlinge «verteidigt». Bild: Antike Waffe auf Melilla.
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Die spanische Exklave Melilla

www.camelilla.es/

Nun laufen Hunderte von Afrikanern die 160 Kilometer lange Strecke in Gegenrichtung zurück.

Zurück in eine Zukunft des Ungewissesn. Sie haben die Hoffnung aufgegeben, über den Grenzzaun hinweg auf spanisches Gebiet und damit in die Europäische Union zu gelangen. «Die Schlacht um Melilla ist verloren», meint ein Flüchtling aus Gambia enttäuscht.

Die Spanier erhöhten den Zaun an der Grenze und liessen Militär aufmarschieren. Die Marokkaner lösten in den Wäldern vor Melilla die Lager der Flüchtlinge auf und holzten die Bäume entlang des Grenzzauns ab.

Freiwilliger Rückzug

Da sehen die Zuwanderer aus Kamerun, Nigeria, Senegal oder Mali keine Chance mehr, die Absperrungen in einem Massenansturm zu nehmen. Zudem haben sie erfahren, was ihren Landsleuten widerfuhr, die die marokkanische Polizei in der Wüste aussetzen liess.

Da treten sie lieber freiwillig den Rückzug an. In Gruppen von 10 bis 20 Männern laufen sie, nach Nationalitäten getrennt, die Fahrbahn entlang. Die Nationalstrasse zwischen Melilla und Oujda, die für sie einst eine «Strasse der Hoffnung» war, ist nun zu einer «Route des Scheiterns» geworden. Bis zur Grenzstadt Oujda sind es mehrere Tagesmärsche. «Ich gehe nach Algerien und versuche dort, etwas Geld zu verdienen», sagte der 28-jährige Youssouf aus Burkina Faso der Madrider Zeitung «El País».

«Eine Rückkehr in die Heimat ist ausgeschlossen, denn damit würde ich mein Scheitern eingestehen.» Der Gambier John hat andere Pläne: «Ich probiere die Route über Libyen aus und versuche von dort über Tunesien nach Italien zu gelangen.»

Einlasstor ins «Paradies»

Die Afrikaner hatten die spanischen Städte Ceuta und Melilla als mögliche Einlasstore ins «Paradies» nach Europa entdeckt, nachdem ihnen andere Wege versperrt worden waren. Die Meerenge von Gibraltar wird mit elektronischen Systemen überwacht, so dass es für Flüchtlingsboote kaum ein Durchkommen gibt. Auch auf der Route von Westafrika zu den Kanaren verstärkten die Spanier die Kontrollen.

Die Folge: Die Zahl der nach Spanien kommenden Flüchtlingsboote ist seit 2001 rückläufig. Der Migrationsstrom aus Afrika verlagerte sich nach Ceuta und Melilla.

Dort entdeckten die Afrikaner in diesem Jahr die Methode des Massensturms, mit der Hunderte auf spanisches Gebiet gelangten. Nun aber ist der Überrumpelungseffekt verpufft. Die Grenzsperren wurden ausgebaut, die Eindringlinge sollen nach Marokko abgeschoben werden.

Das eigentliche Problem ist damit offenkundig nicht gelöst. Die Afrikaner werden nun nach anderen Wegen suchen, um nach Europa zu gelangen. Ein Diplomat aus Senegal, der in Marokko die Rückführung seiner Landsleute in die Heimat organisieren half, gab eine pessimistische Prognose: «Wir werden diese Leute in zwei oder drei Monaten hier wiedersehen.»

(Hubert Kahl/sda)

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