Schlacht um Stanzlöcher und hängende Schnipsel
publiziert: Dienstag, 26. Okt 2004 / 11:47 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 26. Okt 2004 / 12:43 Uhr

Washington - Es ist ein beispielloser Krimi gewesen, der Hitchcock alle Ehre gemacht hätte. Was vor vier Jahren bei den US-Wahlen geschah, war ein unbeschreibliches Wechselbad der Gefühle für die Kandidaten und die Bürgerinnen und Bürger.

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Gebannt schaute die ganze Welt nach Florida, dem Schauplatz der Schlacht um Stanzlöcher und hängende Schnipsel auf den Wahlzetteln. Am Ende eines 36-tägigen Marathons entschied nicht der Wähler, sondern das Oberste Gericht der USA.

Zurück blieben eine gespaltene Nation und tiefe Bitterkeit auf der Verliererseite, die noch heute spürbar ist. So sieht man in vielen amerikanischen Vorgärten Plakate mit der Aufschrift "Schlagt Bush zum zweiten Mal" - ein stummer Protest gegen einen "gestohlenen Sieg".

Alles schaut auf Florida

Es ist 19.29 Uhr Ortszeit in Washington am 7. November 2000, dem Tag der Wahl des 43. US-Präsidenten. Das Fernsehen verbreitet erste Ergebnisse. Der Republikaner George W. Bush liegt vorn. Aber schon kurz darauf beginnt die Achterbahnfahrt.

Gegen 22.23 Uhr entfaltet sich das Drama erst richtig. TV-Sender revidieren ihre Hochrechnungen zu Florida und erklären das Rennen dort wieder für offen. Nach mehreren Hin und Her liegen Bush und Gore in Hochrechnungen gleichauf. Florida ist entscheidend.

Und bald wird klar, dass in Florida der Stimmenunterschied so gering ist, dass nachgezählt werden muss - so schreibt es ein dortiges Gesetz vor. Der Stand: Gore hat ohne Florida 249 Wahlmännerstimmen, Bush 246. Zum Sieg sind 270 Stimmen nötig.

Nachzählungen bis Dezember

Der Republikaner sagt eine Pressekonferenz ab, auf der er eigentlich seinen Sieg verkünden wollte. Diverse ausländische Staatsoberhäupter legen ihre Glückwunschbekundungen für Bush auf Eis. Sie ahnen nicht, dass es noch bis Mitte Dezember dauern wird, bis sie ihre "congratulations" erneut losschicken können.

Dazwischen liegen Wochen eines Atem beraubenden juristischen Gerangels in Florida, in dem jeder der beiden Kandidaten Etappensiege und -niederlagen hinnehmen muss, bis das Oberste Gericht in Washington dem Tauziehen ein Ende bereitet.

Es geht hauptsächlich um Nachzählungen, um die Fragen, wo, wie, bis wann und wie viele Stimmen überprüft werden müssen. Bilder von erschöpften Wahlhelfern, die Stanzkarten ins Lampenlicht halten und mit geröteten müden Augen studieren, gehen um die Welt. Fasziniert verfolgen die Menschen auf allen Kontinenten das Geschehen.

13. Dezember - Ende der "Schlacht"

Am 26. November wird Bush mit einem Vorsprung von 537 Stimmen zum Sieger in Florida erklärt und kündigt unverzügliche Vorbereitungen auf die Amtsübernahme an. Noch einmal zu früh gefreut: Gore ficht das Ergebnis gerichtlich an, und es beginnt ein furioses Finale.

Nach vielen schlafarmen Nächten für beide Kandidaten und diversen gerichtlichen Klagen setzen die höchsten Richter der Nation der Hängepartie ein Ende und stoppen die Handauszählungen strittiger Wahlzettel.

Nun bleibt dem Demokraten nur noch eines. "Die Schlacht endet heute Nacht", sagt Gore in seiner Fernsehansprache am Abend des 13. Dezember. "Heute, zum Wohle unserer Einheit als Volk,...räume ich meine Niederlage ein."

(Gabriele Chwallek/dpa)

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