Schlafentzug kann man nicht nachholen
publiziert: Freitag, 15. Jan 2010 / 20:40 Uhr

Boston/Wien - Wer denkt, er könne zu wenig Schlaf während der Woche am Wochenende nachholen, der irrt.

Chronischer Schlafmangel sei ein Merkmal der heutigen Zeit.
Chronischer Schlafmangel sei ein Merkmal der heutigen Zeit.
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Forscher des Bostoner Brigham and Women`s Hospitals berichten im Onlinejournal Science Translational Medicine, dass Schlafmangel über einen längeren Zeitraum Konzentration und Leistungsfähigkeit einschränkt.

Das sei ein Hinweis darauf, dass Menschen mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten besonders anfällig für Fehler sind, auch wenn sie versuchen, den verlorenen Schlaf zu kompensieren.

Dass ausbleibender Schlaf gefährliche Wirkungen haben kann, zeigen bereits frühere Forschungen. «Nach 17 Stunden Wachzeit am Stück reagiert der Mensch so, wie wenn er 0,5 Promille Alkohol im Blut hätte, nach 24 Stunden sogar wie bei 1,0 bis 1,2 Promille. Dauert die Wachzeit deutlich länger, beginnen Halluzinationen», erklärt Manfred Walzl, Neurologe und Psychiater der Landesnervenklinik Graz. Die Ausgangsfrage für die aktuelle Studie war, wie sich dieser Schlafentzug über einen längeren Zeitraum auswirkt.

Reaktion gerät ins Stocken

Die US-Forscher um Daniel Cohen untersuchten dazu acht Jugendliche ohne Schlafstörungen, die über einen Zeitraum von drei Wochen jeweils 30 Stunden ohne Unterbrechung wach blieben und anschliessend zehn Stunden schliefen.

Vergleichbar ist das mit den Arbeitszeiten von Ärzten, die nach einer Nacht mit Abrufbereitschaft gelegentlich 33 Stunden wach sind und dann zehn Stunden schlafen. Dann folgte ein Aufmerksamkeits- und Reaktionstests, dessen Ergebnisse mit denen einer Kontrollgruppe mit regelmässigen Schlafrhythmen verglichen wurden.

Beide Gruppen schnitten über den gesamten Versuchszeitraum gleich ab, wenn der Test zwei Stunden nach dem Aufwachen durchgeführt wurde. Je länger der Versuch jedoch andauerte, desto deutlicher verschlechterten sich die Ergebnisse in Tests am Ende der Wachzeit.

Lag die Reaktionsdauer in der ersten Woche bei 0,7 Sekunden, betrug sie in der dritten Woche mit 2,0 Sekunden bereits das dreifache. Wegen der geringen Anzahl an Probanden soll der Versuch nun in grösseren Massstab wiederholt werden.

Schlafentzug führt zu Katastrophen

Walzl sieht die Ergebnisse im Einklang mit bisherigen Erkenntnissen. «Viele Katastrophen der Technik sind auf Schlafmangel zurückzuführen. Etwa beim Tschernobyl-Unglück war ein grosser Teil der Mannschaft über die gesamte 36-stündige Dauer des Versuchsprogramms beteiligt und interpretierte einen Befehl falsch. Ähnlich war die Situation bei der Giftgaskatastrophe im indischen Bhopal oder bei der Explosion der Raumfähre Challenger», so der Grazer Schlafspezialist.

Chronischer Schlafmangel sei ein Merkmal der heutigen Zeit. «Seit 100 Jahren schon schlafen wir um zwei Stunden pro Tag zu kurz, derzeit durchschnittlich 6,5 bis 6,8 Stunden», so Walzl. Extrem sei dies bei Kindern und Jugendlichen zu beoachten. «Viele überbrücken das Nicht-einschlafen-können mit Fernsehen oder Videospielen, haben dann massive Alpträume und zeigen am nächsten Tag arge Konzentrationsstörungen, Unruhe und Unaufmerksamkeit.»

Im Berufsalltag seien besonders Schichtarbeiter von chronischem Schlafentzug betroffen. «Medizinisch wäre die Vorverlegung des Schichtsystems um zwei Stunden sinnvoll, auch sollte man am besten direkt vor der Nachtschicht schlafen», rät Walzl.

Mittagsschlaf zu Mitternacht einlegen

Sei es unvermeidbar, eine Nacht durchzuarbeiten, solle man zu Mitternacht ein kurzes Mittagsschläfchen machen. «Zwischen ein und drei Uhr morgen und auch zur selben Zeit nachmittags ist unsere Leistungskurve auf einem absoluten Minimum. 20 Minuten Schlaf zuvor können Wunder wirken», rät Walzl.

Darüber hinaus sei es sinnvoll, nachts die Arbeitsumgebung so lichtreich wie möglich zu gestalten, da dadurch die Produktion des Schläfrigkeitshormons Melatonin gedrosselt wird.

(smw/pte)

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