Warnung vor Fav-Afrique-Engpass
Schlangenbisse: Gegengift droht auszugehen
publiziert: Dienstag, 8. Sep 2015 / 11:21 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 8. Sep 2015 / 12:58 Uhr
Nach Schlangenbissen braucht der Körper ein Gegengift.
Nach Schlangenbissen braucht der Körper ein Gegengift.

Genf - Weltweit sind die Vorräte an Fav-Afrique, einem der wirksamsten Gegengifte bei Schlangenbissen, laut Ärzte ohne Grenzen fast erschöpft.

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Neue Vorräte des Mittels, das bei zehn verschiedenen Schlangengiften zum Einsatz kommt, die in Ländern südlich der Sahara auftreten, werden dringend benötigt. Die letzte Charge verfügt über das Ablaufdatum Juni 2016. Derzeit gibt es keinen Ersatz. Nach Angaben des Herstellers Sanofi Pasteur sei der Verdrängungswettbewerb schuld.

Stockende Gespräche

Ärzte ohne Grenzen zufolge gibt es zwar Alternativen, allerdings verfügen diese nicht über die gleiche Wirksamkeit. Bei Fav-Afrique handelt es sich um das einzige Gegengift, das nachweislich sicher und wirksam bei der Behandlung verschiedener Arten von Schlangenbissen in dieser Region ist. Sanofi hat sich bereit erklärt, die Rezeptur mit anderen Herstellern zu teilen.

Das Unternehmen hat die Herstellung des Serums 2014 eingestellt und sich auf andere Produkte konzentriert. Es wird davon ausgegangen, dass es bereits Verhandlungen mit einem anderen Hersteller gibt. Diese Gespräche sollen jedoch nicht bis Ende 2016 abgeschlossen sein. Das bedeutet, dass mit einem Ersatz in den nächsten zwei Jahren nicht zu rechnen ist.

Steigende Todeszahlen

Die Hilfsorganisation warnt eindringlich vor den Folgen eines derartigen Engpasses. Das Fehlen eines sicheren und breit eingesetzbaren Gegengifts werde unzählige Todesfälle zur Folge haben. Laut Experte Polly Markandya wissen die meisten Menschen nach einem Schlangenbiss nicht genau, welche Schlange sie gebissen hat. Daher sei ein Gegengift, das mehrere Arten abdeckt, von entscheidender Bedeutung.

Laut Alain Bernal, einem Sprecher von Sanofi Pasteur, hat sein Unternehmen angeboten, das Verfahren auf andere Hersteller zu übertragen. Bis jetzt sei es allerdings zu keinem Abschluss gekommen. Laut der WHO gehören Schlangebisse zu den Themen, die stärker wahrgenommen werden müssen. Zusätzlich seien auch verstärkte Investitionen erforderlich.

Schätzungen gehen davon aus, dass jedes Jahr weltweit rund fünf Mio. Menschen von Schlangen gebissen werden. Rund 100'000 der Betroffenen sterben an den Folgen, 400'000 leiden unter bleibenden Schäden. In den Ländern südlich der Sahara sterben jedes Jahr 30'000 Menschen an den Folgen eines Schlangebisses. Laut Schätzungen werden bei 8'000 Menschen Amputationen durchgeführt.

(bg/pte)

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