Grand Slam
Schlappe für Hingis in Wimbledon - Rosset tritt zurück
publiziert: Montag, 25. Jun 2001 / 18:24 Uhr / aktualisiert: Montag, 25. Jun 2001 / 22:52 Uhr

Wimbledon - So hatte sich den «Schweizer Tag» beim Wimbledon-Auftakt niemand vorgestellt. Martina Hingis verlor 4:6, 2:6 gegen Virginia Ruano-Pascual. Und Marc Rosset erklärte nach der Niederlage gegen Magnus Larsson den Rücktritt - wobei noch niemandem klar ist, wie ernst es dem Genfer damit ist.

Zu Martina Hingis: Ihre Niederlage lässt sich erklären. Wegen einer Zerrung der unteren Rückenmuskulatur war sie in den Tagen vor Wimbledon kaum in der Lage zu trainieren. «Vor zwei Tagen wusste ich noch nicht, ob ich überhaupt würde spielen können», so Hingis.

Ihr Antreten gegen Ruano-Pascual (WTA 83) war so gesehen ein Test. «Ich hoffte, dass ich gegen Virginia trotz der Probleme gewinnen kann.» Hingis' Versuch, sich durch die ersten Runden zu mogeln und mit der Zeit die Form zu finden, war naheliegend. Virginia Ruano- Pascual hatte auf Rasen noch keine grossen Stricke zerrissen. In den ersten fünf Jahren ihrer Profi-Karriere hatte die 27-jährige aus Madrid um Rasenplätze sogar einen grossen Bogen gemacht.

Für Hingis war es bereits die zweite Erstrunden-Niederlage in Wimbledon nach jener gegen Jelena Dokic vor zwei Jahren. Das unschöne Jubiläum von zehn Major-Turnieren ohne einen Titelgewinn wird für Hingis Konsequenzen haben, wenn auch nicht kurzfristig. In der Weltrangliste wird sie nach Wimbledon die Nummer 1 bleiben. Die Chance, auch Ende Jahr noch die Nummer 1 zu sein, ist nun jedoch nicht mehr gross. Hingis nahm die Niederlage gelassen; schockiert waren bloss die Fans, die trotz des grossen Medienrummels in den letzten Tage (»Fall Tacchini» und der neue Freund und Staatsanwalt aus Miami) nichts von den gesundheitlichen Problemen wussten.

Ein Sieg in elf Turnieren

Aus heiterem Himmel platzte auch die Rücktrittserklärung von Marc Rosset (30). Der Genfer verlor trotz einer sehr achtbaren Leistung in fünf Sätzen gegen Magnus Larsson, der wie er vor noch nicht allzulanger Zeit in den Top-Ten figurierte. Unmittelbar nach dem 4:6, 6:3, 3:6, 6:1, 2:6 gab Rosset einer Handvoll Journalisten folgende Erklärung ab: «Danke, dass ihr gekommen seid, ich mache es ganz kurz. Das hier ist definitiv mein letztes Turnier. Wenn mich niemand umstimmt, war das mein letztes Einzel. Was zuviel ist, ist zuviel.»

Zuviel wurden Rosset insbesondere die Niederlagen. An den letzten elf Turnieren verlor er zehnmal in der ersten Runde. Nach Wimbledon droht ihm erstmals der Absturz aus den Top 100 der Weltrangliste.

Zweifel am Rücktritt

Wie ernst ist es Rosset mit dem Rücktritt? Sein Freund und Manager Claudio Hermenjat glaubt, dass Marc «zu 60 Prozent» weiterspielt. Allerdings hat auch er nach dem Spiel nur ganz kurz mit Rosset sprechen können. Hermenjat: «Von Marc ist man es gewohnt, dass er immer das macht, was man nicht erwartet. Deshalb ist durchaus möglich, dass er tatsächlich aufhört.» Auch Ex-Coach Stéphane Oberer rechnet damit, dass Rosset auf seinen Entscheid zurückkommt. Oberer: «Die Passage 'wenn mich keiner umstimmt' in seiner Erklärung, die zeigt doch, dass er sich seiner Sache nicht sicher ist.»

Sollte Rosset tatsächlich in zwei Wochen in Gstaad und auch nachher nicht mehr zu Turnieren erscheinen, wäre in Wimbledon die bislang grösste Schweizer Tenniskarriere zu Ende gegangen. Rossets Erfolge übertreffen die von Heinz Günthardt und Jakob Hlasek bei weitem. Er gewann 14 ATP-Turniere und wurde 1992 in Barcelona Olympiasieger. Rosset holte Titel auf Sand, Teppich, Hartplatz und Rasen; er triumphierte drinnen und draussen. Nur ganz wenige Spieler haben wie er auf allen Belägen Turniere gewinnen können. 1992 stand er mit Hlasek im Daviscup-Final (1:3 in Fort Worth gegen die USA). Mit Ausnahme von Gustavo Kuerten hat Rosset alle Nummern 1 seiner Zeit mindestens einmal geschlagen. Aber hat er das Optimum herausgeholt? Dazu Stéphane Oberer, der Rosset ab 14 und bis vor drei Jahren trainierte: «Ein bisschen mehr wäre noch möglich gewesen...»

Federer und Gagliardi

Es gab am ersten Wimbledon-Spieltag aus Schweizer Optik auch Erfolgsmeldungen. Roger Federer (ATP 15) machte mit Christophe Rochus (ATP 83) kurzen Prozess und gewann 6:2, 6:3, 6:2. In der 2. Runde trifft Federer auf Xavier Malisse (ATP 53), einen weiteren Belgier. Und Emmanuelle Gagliardi (WTA 96) hat beim fünften Anlauf in Wimbledon zum zweiten Mal die Startrunde überstanden. Sie besiegte Lucie Ahl (Gb/WTA 164) 6:4, 6:1. In der 2. Runde trifft Gagliardi auf die in der Weltrangliste 53 Plätze besser klassierte Kristina Brandi (USA), die sie schon zweimal bezwungen hat. Gagliardi hat noch an keinem Grand-Slam-Turnier die 3. Runde erreicht. Miroslava Vavrinec scheiterte an der als Nummer 20 gesetzten Amerikanerin Amy Frazier mit 1:6, 5:7.

(sda)

?
Facebook
SMS
SMS
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Agnieszka Radwanska verspielte einen scheinbar klaren Vorsprung gegen Tsvetana Pironkova.
Agnieszka Radwanska verspielte einen scheinbar klaren Vorsprung ...
French Open Schlechte Bedingungen  Mit Agnieszka Radwanska und Simona Halep scheitern zwei Top-10-Spielerinnen beim French Open im Achtelfinal. Beide beklagten sich danach über die Bedingungen. mehr lesen  
French Open Regen, Spiel und Frust  Der Regen hatte das French Open auch am Dienstag fest im Griff. Stan Wawrinka und Timea Bacsinszky ... mehr lesen  
Stan Wawrinka.
French Open Nach dem Fiasko von heute  Zum zweiten Mal in der Turniergeschichte konnte am Montag beim French Open keine ... mehr lesen  
Der Court Philippe Chatrier braucht dringend ein Dach. (Archivbild)
SPORT: OFT GELESEN
Titel Forum Teaser
  • kurol aus Wiesendangen 4
    Das Richtige tun Hatten wir schon, talentierte Spieler wechselten zu Bayern und ... Mi, 01.06.16 12:01
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Zu dumm nur, dass der Jorian zu 100% aus chemischen Verbindungen besteht, er warnt ... Fr, 22.01.16 21:16
  • Pacino aus Brittnau 731
    Weltweit . . . . . . wird Hanf konsumiert. Zum Genuss aber auch als Arzneimittel. ... Fr, 22.01.16 08:58
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    1 : 0 Daesh (IS) vs. Freie Restwelt Es läuft aber immer noch die erst Halbzeit. Verlängerung und ... Di, 17.11.15 22:26
  • Bogoljubow aus Zug 350
    Wenn die Russen flächendeckend gedopt haben, dann muss man die Ergebnisse sehr genau ... Fr, 13.11.15 10:53
  • jorian aus Dulliken 1754
    5'000'000 zu 0 für die Verschwörungstheoretiker! Was heute um 20:15 schönes kommt! http://www.3sat.de/programm/ ... Do, 22.10.15 19:21
  • jorian aus Dulliken 1754
    Der Fussballgott! Der Name dieses Gottes wird im Hörspiel nicht genannt, dennoch weiss ... Fr, 16.10.15 18:51
  • Koelbi aus Graz 1
    Wir freuen uns... ...auf den Test gegen den Lieblingsnachbarn am 17. November. ... Mo, 12.10.15 03:31
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich -2°C 0°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig starker Schneeregen
Basel 0°C 1°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich starker Schneeregen
St. Gallen -4°C -2°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig starker Schneeregen
Bern -2°C -1°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich starker Schneeregen
Luzern -1°C 0°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich starker Schneeregen
Genf 0°C 3°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer starker Schneeregen
Lugano 0°C 6°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten