Schlierenzauer bleibt ungeschlagen
publiziert: Montag, 12. Jan 2009 / 00:01 Uhr

Mit der Schanzenrekordweite von 215,5 Metern schnappte Gregor Schlierenzauer dem Schweizer Weltcup-Leader Simon Ammann am Samstag den sicher geglaubten Sieg beim Skifliegen am Kulm in Bad Mitterndorf (Ö) noch weg und doppelte am Sonntag souverän nach.

Simon Ammann und Gregor Schlierenzauer gratulieren sich nach dem Wettbewerb.
Simon Ammann und Gregor Schlierenzauer gratulieren sich nach dem Wettbewerb.
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Ammann büsste am ersten von vier Skiflug-Wochenenden in dieser Saison mit den Rängen zwei und drei 60 Zähler auf seinen Hauptkonkurrenten im Kampf um die grosse Kristallkugel ein. Der Vorsprung in der Overall-Wertung schmolz auf 77 Punkte. Immerhin überschritt der Schweizer mit fünf Siegen und sechs weiteren Podestplätzen in den bislang 13 Springen der Saison als erster Athlet die 1000er-Marke und liess sich allein an Preisgeld 234'000 Franken überweisen.

In der neu eingeführten Disziplinen-Wertung fürs Skifliegen liegt Schlierenzauer, der nach den WM in Oberstdorf 2008 sowie je zwei Springen in Planica und am Kulm auch nach fünf Einzelkonkurrenzen auf dem grossen Bakken seine Ungeschlagenheit wahrte, klar in Front.

«Es sind nur kleine Dinge, die für ganz nach vorne fehlen», meinte Ammann. Wegen der fehlenden Thermik am Kulm seien eher die Qualitäten des Skispringers statt des Fliegers gefragt gewesen. «Ich stehe hier in Österreich als Weltcup-Leader unter Druck und habe wichtige Punkte geholt», zog der 27-jährige Toggenburg Bilanz. «Die Saison ist noch lang.»

Für Ammann war eigentlich mehr drin

Gleichwohl zählte der Schweizer zu den Verlierern, weil mehr möglich gewesen wäre. Am Samstag schien er auf bestem Weg, den Österreichern vor über 40'000 Zuschauern die Flugshow, die von loopingdrehenden Helikoptern und Fallschirmspringern umrahmt wurde, zu vermasseln. Mit einem makellosen Sprung im ersten Umgang auf 207,5 Meter distanzierte er das Austria-Trio angeführt von Schlierenzauer (199,5) um 10,2 Puntke und mehr.

Doch Skiflug-Weltmeister Schlierenzauer erwischte im zweiten Umgang die Kante am Tisch punktgenau und setzte, auch dank verlängertem Anlauf und leicht besseren Winden, zu einem Traumflug an, der Ammann den Schneid abkaufte.

Am Limit

Am Limit der körperlichen Belastbarkeit vermochte der Österreicher noch zu stehen. Ammann, dem rund 202 Meter zum Sieg gereicht hätten, bekam dies mit und konnte die negativen Gedanken, die sich um seinen Gesundheitszustand drehten, nicht verdrängen. Am Tisch fehlte ihm das letzte Quäntchen an Aggressivität und im Hang das Windglück. Prompt setzte er bereits nach 195,5 m auf.

Am Sonntag schob sich noch der Finne Harri Olli, der an den WM in Sapporo bloss 0,2 Zähler hinter Ammann Silber gewonnen hatte, zwischen den Österreicher und den Schweizer. Schlierenzauer hielt bereits nach dem ersten Umgang (203,5 m) die Leaderposition und baute diese in der Reprise mit Bestweite (202 m) gar noch aus.

Fragwürdiger Jury-Entscheid

«Mein Resumée fällt kritisch aus», hatte ein leicht verärgerter Ammann nach dem ersten Wettkampf geklagt. «Hier geht es um sehr viel und ich will eine wirklich faire Chance auf den Sieg.» Diese habe er nicht erhalten. Der Schweizer konnte nicht verstehen, weshalb die Jury zum wiederholten Mal in dieser Saison den Anlauf verlängerte, obwohl ein Athlet im erstem Umgang klar über die Hillsize sprang. Und sein Trainer Martin Künzle doppelte nach: «Hier wird auf Kosten der Gesundheit der Athleten Spektakel betrieben.»

Die Kritik, die von allen Seite geteilt wurde, verfehlte ihre Wirkung nicht. Am Sonntag ging die Jury unter Präsident Paul Ganzenhuber (Ö) gemässigter ans Werk und liess Flüge in den Grenzbereich nicht mehr zu. «Sprünge über 200 m sollen auf dieser Schanze etwas Besonderes bleiben», betonte auch Schlierenzauer. Er war am Samstag nach 215,5 m in den flacher werdenden Hang geknallt und enormen Kräften ausgesetzt worden. Ein kleiner Verschneider unter dieser Extrembelastung hätte leicht zu einem Bänderriss führen können.

Publikumsliebling Loitzl geschlagen

Zu den Geschlagenen zählte Publikumsliebling und Tourneesieger Loitzl. Der Lokalmatador rutschte am Samstag vom dritten Zwischenrang noch auf Position sieben ab und vermochte sich 24 Stunden später als Zehnter nicht zu steigern.

Auch das Team von Deutschlands Trainer Werner Schuster erlitt einen Rückschlag. Als bester Akteur musste sich Martin Schmitt mit den Rängen 14 und 12 bescheiden.

Eine ordentliche Verwarung für seine unbekümmerte Angriffslust erhielt Markus Eggenhofer. Der junge Österreicher geriet zu stark in die Vorlage und verlor kurzfristig die Kontrolle über das Flugsystem. Mit Glück und Können vermochte er einen Absturz zu verhindern. Es war dies, abgesehen von Schlierenzauers Landung, die einzig kritische Situation bei perfekten Verhältnissen.

Resultate:

Bad Mitterndorf (Ö). Weltcup-Skifliegen. Schlussklassement: 1. Gregor Schlierenzauer (Ö) 393,6. 2. Harri Olli (Fi) 390,4. 3. Simon Ammann (Sz) 382,2. 4. Anders Jacobsen (No) 381,3. 5. Martin Koch (Ö) 378,9. 6. Matti Hautamäki (Fi) 373,9.

Weltcup-Stand (13/28): 1. Ammann 1017. 2. Schlierenzauer 940. 3. Loitzl 801. 4. Morgenstern 443. 5. Olli 438. 6. Schmitt 427. 7. Larinto 417. 8. Koch 382. 9. Jacobsen 364. 10. Hautamäki 333. - Ferner: 17. Küttel 197. - 63 klassiert.

Disziplinen-Weltcup Skifliegen (2/6): 1. Schlierenzauer 200. 2. Ammann 140. 3. Koch 105. 4. Olli 104. 5. Jacobsen 100. 6. Larinto 81.

(Hans Leuenberger, Bad Mitterndorf/Si)

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