Heimspiel für Kocher und Carigiet
Schlittel-Weltcup-Rennen in St. Moritz
publiziert: Donnerstag, 24. Nov 2011 / 10:02 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 24. Nov 2011 / 10:42 Uhr
Martina Kocher überzeugte 2010 in Vancouver mit dem Gewinn eines olympischen Diploms.
Martina Kocher überzeugte 2010 in Vancouver mit dem Gewinn eines olympischen Diploms.

Die Aushängeschilder des kleinen Schweizer Schlittel-Nationalteams starten morgen Samstag in Igls (Ö) in eine Saison, in der sie sich auf ein neues Highlight freuen können. Martina Kocher und Gregory Carigiet haben einen Heim-Weltcup erhalten.

Als im Februar 2000 mit den Weltmeisterschaften in St. Moritz letztmals ein Schlittel-Rennen mit Top-Beteiligung auf Schweizer Boden stattgefunden hatte, waren Martina Kocher (Jahrgang 1985) und Gregory Carigiet (1987) noch Teenager. Fast zwölf Jahre später gehören die Bernerin und der Bündner in ihrer Sportart zur erweiterten Weltspitze. Nun werden sie erstmals in ihrem Land zu einem internationalen Ernstkampf antreten dürfen.

Die Betreiber der legendären St. Moritzer Natureisbahn haben sich entschieden, am Wochenende 28./29. Januar Weltcup-Rennen auszurichten.

«Kein Heimvorteil»

Lange war ungewiss gewesen, ob der Deal zustande kommen würde. Es wurde gemunkelt, für die Verantwortlichen des «Olympia Bob Run» im Engadin wäre es in finanzieller Hinsicht lukrativer, wenn sie in jener Woche statt der Schlittler zahlungswillige Taxibob-Passagiere in den Kanal schicken würden. Gregory Carigiet freut sich, dass der Entscheid schliesslich in seinem Sinne ausgefallen ist. Es biete sich die Chance, das Schlitteln in der Schweiz populärer zu machen. In der Szene sei die Rückkehr des Nobelkurorts in den Weltcup-Kalender nach 13 Jahren Absenz mit Wohlwollen aufgenommen worden. «Nach St. Moritz gehen alle gerne hin, allein schon wegen dem Ambiente», meint der in Chur ansässige Carigiet.

Martina Kocher zeigt sich ebenfalls begeistert über das Comeback von St. Moritz. Auch wenn die Zeitsoldatin findet: «Die Bahn im italienischen Cesana beispielsweise ist ja eigentlich für mich näher gelegen. Und wir Schweizer werden keinen Heimvorteil haben. Zu selten haben wir die Bahn in der Vergangenheit benützen können. Die Referenzwerte beschränken sich auf ein paar Einsätze im Rahmen der Schweizer Meisterschaften.» Die nationalen Titelkämpfe, die jeweils nicht viele Teilnehmer anziehen, finden in dieser Saison an Silvester statt. So wird Carigiet und Kocher rund einen Monat vor dem Weltcup die Gelegenheit geboten, den Erfahrungsschatz noch ein wenig zu erweitern.

WM-Strecke als Gegenstück

Martina Kocher beschreibt St. Moritz als ruhigen Kurs, auf dem es mit den langgezogenen Kurven schwierig sei, Tempo zu entwickeln. «Weiches Fahren» sei gefragt. Man könnte von einer «Gleiterstrecke» sprechen, wenn man einen Vergleich zu den Ski-Abfahrten heranziehen würde. Die Materialwahl dürfte ein nicht zu unterschätzender Faktor sein. Da Hobby-Model Kocher mit knapp 60 Kilogramm Körpergewicht zu den leichtesten Athletinnen im Weltcup-Zirkel zählt, ist es verständlich, dass sie technisch anspruchsvollere Kanäle bevorzugt.

Eine solch anforderungsreichere Bahn steht in Altenberg. In der sächsischen Stadt im Osterzgebirge werden Mitte Februar die Weltmeisterschaften ausgetragen. Kocher wird dort den hervorragenden 8. WM-Rang von diesem Januar in Cesana zu verteidigen haben. Da die Schweizer immer noch von der grosszügigen Unterstützung des deutschen Verbands profitieren dürfen, konnte sie in der Vorbereitung auf die neue Saison ausgiebig in Altenberg trainieren. «Leider war es meistens zu warm, sodass das Eis zu wenig hart war. Was die Tests wert sind, muss sich weisen. An den Weltmeisterschaften dürften bedeutend winterlichere Verhältnisse herrschen.»

Olympische Träume

So oder so sei in den vergangenen Wochen die Trainingsarbeit mit den Deutschen erneut angenehm, förderlich und aussagekräftig gewesen. Kocher und Carigiet geniessen das Privileg, sich regelmässig mit den Olympiasiegern Tatjana Hüfner und Felix Loch messen zu dürfen. Das Schweizer Duo wird permanent mit höchsten Massstäben konfrontiert, weshalb man sich im Hinblick auf die Olympischen Spiele von Sotschi weitere Fortschritte erhoffen kann. Kocher überzeugte 2010 in Vancouver mit dem Gewinn eines olympischen Diploms.

Solch eine Auszeichnung will auch Carigiet erreichen. Um diesem Ziel näher zu kommen, muss er sich vor allem am Start verbessern. In der Beschleunigungsphase mangelte es ihm zuletzt an Spritzigkeit. Hatte er dann im Eiskanal einmal die Ideallinie gefunden, glänzte er auch schon mit sensationellen Abschnitts-Zeiten. Stand am Ende der vergangenen Saison noch ein Fragezeichen hinter der Fortsetzung seiner Karriere, hat er jetzt frischen Mut geschöpft - auch weil er mehr Unterstützung erfährt und das Schlitteln nicht mehr als happiges Verlustgeschäft betrachten muss.

An diesem Wochenende möchte der ausgebildete Pflegefachmann ein nächstes Ausrufezeichen setzen. Igls könnte für ihn ein gutes Pflaster sein. Die letzte Weltcup-Saison war ebenfalls in der oberhalb von Innsbruck gelegenen Station eröffnet worden, und Carigiet machte mit Platz 8 auf sich aufmerksam, nachdem er vor dem Final-Durchgang sogar noch in Tuchfühlung mit dem Podest gewesen war.

In Igls ist die Schweiz auch in der Team-Staffel vertreten. Dank dem von Junioren gebildeten Doppelsitzer-Duo Luca Hunziker/Christian Maag verfügt «Swiss Sliding» über Perspektiven in diesem Wettkampf-Format, das heuer ins olympische Programm aufgenommen worden ist. Hunziker (18-jährig) und Maag (17) sollen behutsam an das internationale Spitzenniveau herangeführt werden. Wunderdinge darf man noch keine erwarten. Sie sollen sich nach und nach ihre Sporen abverdienen.

Die wichtigsten Schlittel-Termine in der Saison 2011/2012:

Weltmeisterschaften: 11./12. Februar in Altenberg (De). - Weltcup: 26./27. November in Igls (Ö), 9./10. Dezember in Whistler (Ka), 16./17. Dezember in Calgary (Ka), 5./6. Januar am Königssee (De), 14./15. Januar in Oberhof (De), 21./22. Januar in Winterberg (De), 28./29. Januar in St. Moritz, 18./19. Februar in Sigulda (Lett), 25./26. Februar in Paramonowo (Russ/auch Europameisterschaften). - Schweizer Meisterschaften: 31. Dezember in St. Moritz. - Junioren-Weltmeisterschaften: 18./19. Februar am Königssee.

(joge/Si)

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