Schmieren gegen Hautkrebs?
publiziert: Montag, 14. Apr 2008 / 11:26 Uhr / aktualisiert: Montag, 14. Apr 2008 / 12:23 Uhr

1 Meldung im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Wikipedia
Sonnencreme.
de.wikipedia.org/wiki/Sonnencreme

Auch wenn in den nächsten Tagen vom Winter noch ein paar Rückzugsgefechte zu erwarten sind, werden schon bald wieder die Hüllen leichter werden und in den «Badis» der Schweiz fast vollständig fallen.

Dabei wird der Geruch von hochfaktorigen Sonnencremes über den Liegewiesen wabbern und jeden daran erinnern, wie wichtig es doch ist, sich immer brav einzucremen, um der Hautalterung und vor allem dem gefürchteten Hautkrebs vorzubeugen. Es geht soweit, dass – wie in der letzten Coopzeitung - geschrieben wird, dass es bei Kindern «keine gesunde Bräune gäbe» und deshalb viel Sonnencreme absolut notwendig sei.

Der Glaube an die gesundheitsfördernde Wirkung von Sonnencreme ist fast schon ein religiöses Dogma und wenn dann noch geschrieben wird, dass «der Bräunungsprozess ein Abwehrmechanismus» sei, wird der Eindruck erweckt, dass man bleich bleiben muss, und es keinen Unterschied gibt, ob man dies nun schafft, indem man im Schatten bleibt, oder sich mit Sonnencreme einschmiert.

Was dabei nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, dass Sonnencremes zwar einer gewissen Hautalterung vorbeugen und Sonnenbrände verhindern können, dass dieser Schutzmechanismus aber gar Verhütung von Hautkrebs bedeutet. In einer Metastudie aus dem Jahr 2003 wurde sogar eine Erhöhung von Hautkrebsfällen festgestellt, wenn Sonnencreme verwendet wird.

Tönt irritierend und verwirrend. Man ist hier aber einem Denkfehler zum Opfer gefallen, der sehr leicht zu falschen Folgerungen führt. Am Anfang stand die Feststellung, dass Leute, die sich viel sonnen und deswegen auch viel Sonnenbrände hatten, auch viel an Melanomen leiden. Der logische Gedanke war also: Sonnenbrände verhindern, heisst Hautkrebs verhindern. Doch das ist falsch.

Sonnenbrände sind das Resultat von direkten DNA-Schäden durch die UV-Strahlung, das heisst, dass Hautzellen direkt von dieser gegrillt werden. Der Hautkrebs hingegen wird zu über 90% durch indirekte DNA-Schäden ausgelöst. Diese entstehen, wenn UV-Strahlen in die Haut eindringen und freie Radikale entstehen lassen.

Dies sind extrem reaktionsfreudige Moleküle, welche die Erbanlagen nachhaltig schädigen können. Diese indirekten Schäden können durch chemische Filter in Sonnencremes sogar noch verstärkt werden, sobald sie in die Haut eingedrungen sind – laut gewissen Berechnungen ist die Bilanz schon nach 20 Minuten negativ für die Sonnencreme.

Ein Hinweis darauf ist eine schwedische Studie, in der bei Sonnenanbetern nach Creme-Benutzern und Nicht-Benutzern unterschieden und festgestellt wurde, dass die Benutzer wesentlich häufiger an Hautkrebs litten - bei gleicher Häufigkeit der Sonnenbäder. Diese Kurve wird noch steiler, wenn aufgrund der Sonnencreme die Zeit an der Sonne ausgedehnt wird. Die Annahme, dass die Creme vor Hautkrebs schützen kann, ist also eine gefährliche Illusion. (Ausgenommen: die seltenen Cremes mit Pigmentfiltern, die einen weissen Film auf der Haut hinterlassen und deshalb nicht sehr beliebt sind).

Wer sich also vor Hautkrebs schützen und sich bei Sonne trotzdem draussen aufhalten will, hat nur eine Option: Die Haut bedeckt zu halten und während der Mittagsstunden nicht an die pralle Sonne gehen. Wer glaubt, unser Zentralgestirn einfach schmieren zu können, irrt sich dagegen fatal.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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