Schneewittchen im Steuersarg
publiziert: Mittwoch, 28. Nov 2012 / 09:53 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 28. Nov 2012 / 10:40 Uhr
Der Prinz lässt auf sich warten: Bilaterales Schweizer Schneewittchen.
Der Prinz lässt auf sich warten: Bilaterales Schweizer Schneewittchen.

Seit den bilateralen Verträgen wurde die Schweiz von der EU und damit auch von Deutschland wie Schneewittchen unter 27 Zwergen geliebt, geachtet, gehuldigt. Zwar motzten ab und an die nordischen Zwerge über die fehlende Mitbestimmung, doch die bürgerlichen Zwerge von Grossbritannien, Deutschland, Griechenland, Spanien, Portugal, Italien, Österreich, Luxemburg und den Niederlanden waren mit Schneewittchen sehr glücklich.

6 Meldungen im Zusammenhang
Das Märchen des friedlichen, wenn auch ungleichen Zusammenlebens hätte ohne Probleme noch ein paar Jahre dauern können, wäre da nicht die Hexe gewesen, deren Goldmann Sachs Spiegel ihr die Wahrheit ums Gesicht geschlagen hätte: Es gibt hinter den sieben Bergen bei den 27 Zwergen ein Mädchen, das ist noch tausendmal schöner als ihr!

Den Rest der Geschichte kennen wir. Schweiz-Schneewittchen wurde von der Finanzkrisen-Hexe vergiftet und nun warten alle auf den Prinzen, der es erlösen sollte. Das kann noch eine Weile dauern.

Das offizielle Bern hat noch nicht realisiert, dass Deutschland entscheidendes Mitglied der EU ist und dass die Finanzkrise selbst die oberangepassten Sozialdemokraten zu einem Kurswechsel bezüglich Steuerflucht gezwungen hat. Während Jahrzehnten profitierten die EU-Beamten vom Steuerhafen Schweiz - offiziell redet davon niemand, doch es war klar, dass nur so die bilateralen Verhandlungen zustande kommen konnten. Die Schweiz profitierte als Nicht-EU-Mitgliedsland jahrzehntelang von den Vorteilen der EU, ohne je für die Nachteile der EU bezahlen zu müssen. Die Ostmilliarde ist ein Klacks im Vergleich zu dem was die Schweiz aus den Bilateralen gezogen hat.

Doch die fetten Jahre sind vorbei. Nun steht Allen das Wasser bis zum Hals. Und jetzt erinnern sich auch die deutschen Sozialdemokraten plötzlich an einfache finanzpolitische Regeln, die soziale Gerechtigkeit wiederherstellen können...und zum ersten mal seit Jahrzehnten ist das Verhältnis Deutschland-Schweiz echt erschüttert. Wer meint, dies sei nur ein «bürgerliche Schweiz» gegen «böse, deutsche Sozialdemokraten-Phänomen» irrt gewaltig.

Denn das Scheitern des Fluglärmvertrages fand unter politisch befreundeten Ministern statt. Irgendwie muss der Verkehrsminister Ramsauer echt sauer geworden sein. Im September noch wurde gelächelt, er war von Doris Leuthard charmiert und entdeckte dann, dass die Schweizer die gewieftesten Detailkrämer sind und ihn recht eigentlich übers Ohr gehauen haben. Dies hat nun zum Bruch geführt.

Zudem ist es auch nicht ideal, wenn die offizielle Schweiz mit immer wechselnden Ministern Verhandlungen führen muss, selbst wenn die Unterhändler seit Jahren dieselben sind. Was mich erinnert: Wer ist eigentlich dieses Jahr Bundespräsident oder Bundespräsidentin?...So wie mir geht es allen in der EU. Es gibt kaum mehr persönliche Freundschaften, kaum mehr intellektuellen Austausch, kaum mehr echte Partizipation der offiziellen Schweiz mit dem Ausland. Die Schweiz ist international stark vernetzt - aber politisch? Fehlanzeige!

Seltsamerweise scheint der Abgang des Isolationspolitikers Christoph Blocher die offizielle Schweiz zur Selbstisolationistin gemacht zu haben - noch nie war die offizielle Schweiz so unsichtbar, sowohl gegen innen als auch gegen aussen. Dies hat in der EU und in Deutschland den Eindruck des Nichtmitspielers Schweiz verstärkt und nun heisst es halt klar: Nicht-Mitspieler Mund halten.

(Regula Stämpfli/news.ch)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Finanzministerin Eveline ... mehr lesen
Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf heute im Parlament.
Der Staatsvertrag soll den jahrelangen Fluglärmstreit um die An- und Abflüge über süddeutsches Gebiet beenden. (Symbolbild)
Berlin - Die Ratifizierung des Fluglärm-Staatsvertrags zwischen Deutschland und der Schweiz soll vorerst ausgesetzt werden. Das teilte der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer ... mehr lesen 2
Mainz/Bern - Nach dem Nein des ... mehr lesen
Norbert Walter-Borjans (SPD), Finanzminister Nordrhein-Westfalen: «Das Bankgeheimnis muss fallen.»
Seitens der Schweiz stehe der Ratifizierunggemäss Finanzministerin Widmer-Schlumpf nichts im Wege.
Bern - Die Parteien reagieren wenig überrascht, aber dennoch enttäuscht auf das Nein des deutschen Bundesrates zum Steuerabkommen. Weitere Zugeständnisse im Hinblick auf den ... mehr lesen
Zürich - Wenn es um das künftige Betriebskonzept des Flughafens ... mehr lesen
Es geht es um die An- und Abflüge während der deutschen Sperrzeiten. (Symbolbild)
Weitere Artikel im Zusammenhang
Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer. (Archivbild)
Berlin/Zürich - Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat gegenüber Medienvertretern den Schweizer Bundesrat mit deutlichen Worten kritisiert. Dieser rechnet im erläuternden ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: ...
«Männer stimmten für Hofer, Frauen für Van der Bellen» titelte die FAZ nach dem Wahlkrimi in Österreich. «Warum wählen junge Männer so gern rechts?» fragte jetzt.de einen Soziologen. «Duh» war meine erste Reaktion, hier ein paar weitere. mehr lesen 3
Gewinnorientierte Unternehmen wie der ORS machen aus der Flüchtlingshilfe ein Geschäft. Das Rote Kreuz und die Caritas, die gemeinnützig sind und seit Jahren über grosse Erfahrung in der Betreuung von Menschen auf der Flucht haben, werden übergangen. Das ORS - mit dem Branding wie eine Waffenfirma - muss im Geschäft nicht mal den Gewinn des Business mit Flüchtlingen ausweisen, nur den Umsatz. mehr lesen  
Korpskommandant André Blattmann wird von den Mainstreammedien der «Beleidigung» bezichtigt. Er nannte den Rundschau-Chef Sandro Brotz, «Sandro Kotz.» Wer meint, dies sei nur ... mehr lesen   2
Armeechef Blattmann: bedenklicher Umgang mit demokratischen Grundrechten.
Der Nationalrat - seit 2016 absolut schamlos.
«Bist Du nicht willig, stimmen wir ab.» So lautet die Devise der unschweizerischen bürgerlichen Mehrheit seit den Wahlen im Herbst 2015. «Wie schamlos hätten Sie es denn gerne?» titelte klug (aber leider zu spät) der ... mehr lesen   2
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
saleduck.ch, Logo
Shopping «Wär hetts erfunde?» Zwei Jahre nach der Gründung erhält Saleduck.ch eine neue Plattform und wird zu einer Deal Community. Neben einem neuen Layout bieten sich auch für Netzwerke und Advertiser viele ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 3°C 9°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Basel 6°C 10°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
St. Gallen 5°C 12°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Bern 2°C 8°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Luzern 4°C 11°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Genf 5°C 9°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Lugano 6°C 8°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass anhaltender Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten