Schon 13-Jährige randalieren - auch ohne politisches Motiv
publiziert: Freitag, 22. Okt 2004 / 20:48 Uhr

St. Gallen/Frauenfeld - In der Ostschweiz häufen sich Ausschreitungen von links- und rechtsextremen Jugendlichen. Die Randalierenden werden jünger, ihre politischen Motive diffuser - dagegen ist die Gewaltbereitschaft gestiegen.

'Nicht Demonstrationen, sondern Abendunterhaltung'.
'Nicht Demonstrationen, sondern Abendunterhaltung'.
Die SBB machten Schaden von 15 000 Franken geltend, in Wil und St. Gallen gingen Fensterscheiben in Brüche, die Polizei schoss mit Gummischrot, kontrollierte rund 30 Linksextreme und nahm knapp 20 von ihnen vorübergehend fest: Das ist die Bilanz von Ausschreitungen vom vergangenen Wochenende in Wil und Winterthur.

Hans Eggenberger, Sprecher der St. Galler Kantonspolizei, sah 13-Jährige an den Ausschreitungen. Es waren für ihn denn auch nicht Demonstrationen, sondern "Abendunterhaltung". Politische Motive seien schwer auszumachen gewesen. Laut Eggenberger ging es einfach darum, zu randalieren.

Aus heiterem Himmel

Bereits am 1. Oktober 2004 haben 50 Jugendliche in der Schaffhauser Altstadt randaliert. Die Ausschreitungen seien aus heiterem Himmel gekommen, sagt Benno Schmid, Sprecher der Schaffhauser Polizei. Es gebe gewisse Parallelen zu den Demonstranten in Wil und Winterthur.

34 Personen, zum Teil Minderjährige, waren vorübergehend festgenommen worden. Wie Ermittlungen ergaben, waren viele Jugendliche von auswärts nach Schaffhausen gekommen. Einige gehörten zur Hausbesetzer-Szene in Winterthur. Über die Hintergründe der Ausschreitungen machten die Randalierer keine Angaben.

Links wie rechts

Schon im November vergangenen Jahres kam es in der St. Galler Innenstadt zu einem antifaschistischen Abendspaziergang. Steine flogen, Scheiben klirrten. Der Sachschaden: Gut 20 000 Franken.

Für den 25. September 2004, den Tag vor der Abstimmung über die beiden Einbürgerungsvorlagen, war im Rheintal eine Demonstration rechtsextremer Jugendlicher angekündigt worden. Sie fand nicht statt. Die Polizei war aber auf Ausschreitungen vorbereitet.

Vor zwei Wochen fand dafür in Vorarlberg ein internationales Glatzkopf-Treffen statt. An der "Party" trafen sich gut 400 Skinheads. Eine 23-Jährige entrank in einem Bach. Für diesen Samstag kündigte die Skinhead-Bewegung "Blood & Honour" (Blut und Ehre) einen Trauermarsch durch Bregenz an, wie die Polizei meldete.

Laut Hans Eggenberger werden solche Kundgebungen meist im Internet angekündigt. Oft würden Jugendliche darauf aufmerksam, die nichts mit politischem Extremismus am Hut hätten, aber dafür einfach Lust, mit Steinen ein paar Scheiben einzuwerfen. Solche Leute machten auch nicht Halt vor Landesgrenzen.

Vermummungsverbot im Thurgau

Im Frühsommer 2003 war es in Frauenfeld zu einer Gewaltwelle zwischen links- und rechtsextremen Jugendlichen gekommen, nachdem zwei Jugendliche von Rechtsradikalen spitalreif geschlagen worden waren. Im Juni 2003 verhinderte die Polizei einen Konflikt zwischen Rechts- und Linksextremen und stoppte vermummte Linksautonome.

Im Dezember letzten Jahres kündigte die Thurgauer Polizei an, sie werde in Zukunft mehr Präsenz markieren und hart durchgreifen. Gewalttätige würden konsequent weggewiesen, verhaftet und nötigenfalls angezeigt. Seither sei es zu keinen weiteren Vorfällen gekommen, sagte Peter Diethelm, Chef der Sicherheitspolizei.

Nach den Auseinandersetzungen zwischen Rechts- und Linksextremen hat das Thurgauer Kantonsparlament ein Vermummungsverbot für Demonstranten beschlossen. Ein entsprechendes Gesetz ist in der Vernehmlassung und kommt 2005 nochmals in den Grossen Rat. Das Vermummungsverbot soll auf den 1. Januar 2006 in Kraft treten.

(Von Daniel Wirth/sda)

 
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