Schülerinnen offenbar aus Rache erschossen
publiziert: Montag, 2. Okt 2006 / 22:02 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 3. Okt 2006 / 15:17 Uhr

Washington - Ein 32-jähriger Mann hat in Pennsylvania in einer Schule der Religionsgemeinschaft der Amish offenbar aus Rache drei Mädchen erschossen. Anschliessend richtete er sich selbst.

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Die Mädchen wurden mit Kopfschüssen getötet, nachdem der Mann sie und mehrere Mitschülerinnen zuvor an den Füssen gefesselt vor einer Schultafel aufgereiht hatte. Sieben Mädchen wurden zum Teil schwer verletzt, wie die Polizei weiter mitteilte. Mehreren von ihnen wurde ebenfalls in den Kopf geschossen.

Alle Jungen, die sich ebenfalls im Klassenzimmer aufhielten, liess der Täter, selbst Vater von drei Kindern, frei. Nach der Bluttat erschoss er sich selbst.

Der als Charles Carl Roberts identifizierte Mann war am Vormittag während des Unterrichts in die Schule in Board Township im Dorf Nickel Mines eingedrungen und hatte alle Eingänge mit mitgebrachten Holzlatten verbarrikadiert. Dann begann er seine Bluttat.

Abschiedsbrief hinterlassen

Zuvor hatte er noch wie an jedem Wochentag seine Kinder zur Schulbushaltestelle gebracht. Seine Frau fand nach Polizeiangaben später zu Hause mehrere Abschiedsnotizen vor. Darin erklärte der Mann, er komme nicht mehr nach Hause und plane eine Tat als Rache für etwas, das vor 20 Jahren geschehen sei.

Die Tat ereignete sich in einer kleinen Schule der christlichen Religionsgemeinschaft der Amish, rund 100 Kilometer nördlich von Baltimore. In der aus nur einem Klassenzimmer bestehenden Schule werden laut dem Polizeisprecher 20 bis 30 Kinder im Alter bis 14 Jahren unterrichtet.

Einziges Klassenzimmer

Weiteren Berichten zufolge hat die Schule in der Gemeinde Nickel Mines im US-Bundesstaat Pennsylvania ein einziges Klassenzimmer mit etwa 30 Schülern. Darin werden Kinder verschiedener Altersstufen unterrichtet. .

Erst vergangene Woche hatte ein Obdachloser in einer Schule im US-Bundesstaat Colorado eine Schülerin erschossen und sich dann das Leben genommen. Am Freitag hatte ein Schüler in Wisconsin den Rektor seiner ehemaligen Schule erschossen.

Tradition der Gewaltfreiheit

Die Amish pflegen eine Tradition der Gewaltfreiheit. Die strenggläubigen Nachfahren deutsch-schweizerischer Einwanderer leben abgeschottet von der Modernität, ohne Elektrizität, Telefon und ohne Autos. In den USA leben rund 225 000 Amish-People, davon etwa 50 000 im nordöstlichen Bundesstaat Pennsylvania.

Sie gehören einer baptistischen Kirche an. Generell sondern sie sich aus religiösen Gründen weitgehend von der Gesellschaft ab. Die meisten sprechen einen deutschen Dialekt.

Spartanisch einfaches Leben

Die strenggläubige Glaubensrichtung der Amish People leitet ihren Namen vom Simmentaler Mennoniten Jakob Ammann ab, der ab 1693 in den bernischen und elsässischen Täufergemeinden radikale Reformen durchzusetzen versuchte und so eine Spaltung der Bewegung hervorrief.

Amman-Anhänger wanderten im 18. Jahrhundert in die USA aus. Heute gibt es noch in etwa 20 US-Bundesstaaten und Kanada Amish-People-Gemeinden. Die streng gläubigen Amish People führen ein spartanisch einfaches Leben und verzichten auf die Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation.

(ht/sda)

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